02. Juli 2021

Autoimmunität der Schilddrüse erhöht Risiko einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz

Eine autoimmunerkrankte Schilddrüse bei Frauen kann die Eizellproduktion reduzieren, und erhöht das Risiko für eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz. Das zeigt eine in der Fachzeitschrift Human Reproduction veröffentlichte groß angelegte Studie. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Redaktion: Dr. Linda Fischer

Einigen kleineren Studien zufolge kann sich die Autoimmunität der Schilddrüse (thyroid autoimmunity, TAI) negativ auf die Produktion von Eizellen bei Frauen auswirken. Nun veröffentlichten Forschende erstmals Ergebnisse einer groß angelegten taiwanesischen Kohortenstudie, die diesen Zusammenhang zwischen TAI und vorzeitiger Ovarialinsuffizienz für zwei verschiedene Schilddrüsenerkrankungen nachweist.

Das Ergebnis: Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis, einer Erkrankung, die durch eine T-Zell-vermittelte Zerstörung des Schildrüsengewebes charakterisiert ist, unterlagen einem deutlich höheren Risiko für Unfruchtbarkeit aufgrund einer Ovarialinsuffizienz, als Frauen ohne diese Erkrankung. Frauen mit Morbus-Basedow – eine Erkrankung, bei der sich Autoantikörper gegen Follikelzellen der Schilddrüse richten – wiesen ein stark erhöhtes Risiko für das vollständige Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) auf. Insgesamt war die Inzidenz für Amenorrhoe und Menopausen-Syndrom in beiden Gruppen signifikant höher als bei Frauen ohne autoimmunerkrankte Schilddrüse.

Das Studiendesign

In die retrospektive Kohortenstudie flossen die Gesundheitsdaten aus der taiwanesischen Nationalen Krankenkassen-Forschungsdatenbank von insgesamt 21.325 Probandinnen (20 bis 40 Jahre) über einen Zeitraum von zwölf Jahren mit ein. Die Forschenden bildeten aus ihnen vier Gruppen:

  • Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis
  • Frauen mit Morbus-Basedow
  • Zwei Kontrollgruppen ohne Autoimmunerkrankung der Schilddrüse

Alle vier Studiengruppen wurden bis zur Diagnose einer Amenorrhoe, eines Menopausen-Syndroms, einer Ovarialinsuffizienz oder einer Unfruchtbarkeit aufgrund einer Ovarialinsuffizienz beobachtet.

Hashimoto und Morbus-Basedow steigern Risiko für Unfruchtbarkeit

Im Vergleich zu Frauen ohne autoimmunerkrankte Schilddrüse wiesen Patientinnen mit Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus-Basedow ein um 89 beziehungsweise 68 % höheres Risiko für eine Amenorrhoe auf. Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis unterlagen zudem einem 2,4-fach höheren Risiko für Unfruchtbarkeit aufgrund einer Ovarialinsuffizienz.

Engmaschige Überwachung bei Risikopatientinnen sinnvoll

Eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse ist laut der vorliegenden Studie in hohem Maße mit einer frühzeitigen verminderten Eizellproduktion oder sogar einer Funktionsstörung der Eierstöcke assoziiert. Deshalb empfiehlt das Autorenteam, Frauen mit einer solchen Autoimmunerkrankung entsprechend vorbeugend zu behandeln. Liegt die Eizellproduktion zum Zeitpunkt der Diagnose der Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung im Normbereich, empfiehlt das Team eine engmaschige Überwachung. 1

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