16. August 2021

Studie

Stillen beeinflusst Blutdruck bis ins Kleinkindalter positiv

Kleinkinder, die als Babys gestillt wurden – selbst wenn es nur ein paar Tage waren -, hatten einer aktuellen kanadischen Studie zufolge einen niedrigeren Blutdruck als Kleinkinder, die als Säuglinge überhaupt nicht gestillt wurden. Die im Journal of the American Heart Association veröffentlichte Studie analysiert erstmals den Zusammenhang zwischen dem Stillen in den ersten Lebenstagen und dem Blutdruck in der frühen Kindheit.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

„Säuglinge, die auch nur eine relativ kleine Menge der frühen Muttermilch ihrer Mutter, auch Kolostrum genannt, erhielten, hatten im Alter von 3 Jahren einen niedrigen Blutdruck, unabhängig davon, wie lange sie gestillt wurden oder wann sie andere Nahrung erhielten“, berichtete die Studienautorin Dr. Kozeta Miliku von der McMaster University in Hamilton, Ontario, Kanada, in einer Pressemitteilung.

“Jeder Tropfen zählt”

Studienkollegin Meghan B. Azad, Professorin für Pädiatrie an der Universität von Manitoba, ergänzte in der Pressemitteilung, dass die Arbeit zeige, dass Kolostrum, das dafür bekannt sei, das Immunsystem von Säuglingen zu stärken, „ein Schlüsselfaktor bei Entwicklungsprozessen in der frühen Kindheit ist. Aus diesem und vielen anderen Gründen sollte Stillen gut unterstützt werden, und es ist auch wichtig zu verstehen, dass ‘jeder Tropfen zählt’, insbesondere in den kritischen ersten Lebenstagen.“

Das Forschungsteam analysierte die Säuglingsernährung anhand der medizinischen Daten von 2.400 Kindern, die an einer laufenden kanadischen Kohortenstudie (CHILD Cohort Study) teilnehmen. Diese Studie verfolgt eine Gruppe von Kindern, die zwischen 2009 und 2012 geboren wurden, um zu verstehen, welche Faktoren in der frühen Kindheit die weitere Gesundheit beeinflussen und wie sie dies tun.

Diese Studie zeigte, dass 98% der Kinder in gewissem Umfang gestillt wurden, darunter 62%, die mindestens drei Monate lang ausschließlich gestillt wurden, und 4%, die nur während ihres Krankenhausaufenthalts gestillt wurden.

Im Alter von 3 Jahren hatten die 2%, die nie gestillt wurden, höhere Blutdruckwerte als die gestillten Kinder. Dies galt unabhängig davon, wie lange die Kleinkinder gestillt wurden, unabhängig von ihrem Body-Mass-Index und davon, ob sie noch andere Lebensmittel oder andere Nahrung zu sich nahmen. Sozial-, Gesundheits- und Lebensstilfaktoren ihrer Mütter hatten ebenso keinen Einfluss auf die Blutdruckwerte.

Die Vorteile von anhaltendem und ausschließlichem Stillen seien für zahlreiche gesundheitliche Aspekte gut dokumentiert. So biete Stillen einen gewissen Schutz gegenüber Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen im Säuglingsalter und  verringere das Risiko für chronische Erkrankungen wie Asthma und starkes Übergewicht im späteren Leben, kommentierte Azad, der auch stellvertretender Direktor der CHILD Kohortenstudie ist. “Unsere Studie legt nahe, dass für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems sogar eine kurze Stillzeit von Vorteil ist.”

Aufklärung und Unterstützung für frischgebackene Mütter seien wichtig, betonte sie. „Die Ergebnisse unserer Studie deuten darauf hin, dass die kurzfristigen Einsparungen bei der Stillunterstützung im Krankenhaus und die zu schnelle Entlassung von Müttern [aus der Geburtsklinik] durch die langfristigen Kosten durch eine verschlechterte kardiovaskuläre Gesundheit im späteren Leben bei weitem aufgewogen werden könnten.“

  1. Studie: Stillen beeinflusst Blutdruck bis ins Kleinkindalter positiv; bvkj; 10.08.2021.

Bildquelle: © gettyImages/Prostock-Studio

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