29. November 2018

Interview mit Dr. Jana Liebenthron

„Partnerlosigkeit ist der häufigste Grund für Social Freezing“

Auch Frauen, bei denen keine medizinische Indikation besteht, können Eizellen aus persönlichen Gründen einfrieren lassen, um den Kinderwunsch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben („Social Freezing“). 

Lesedauer: 2 Minuten

Welche Gründe werden beim Social Freezing (SF) am häufigsten genannt?

Das Einfrieren von reifen unbefruchteten Eizellen (Metaphase II) bei einer nicht-medizinischen Indikation (Social Freezing) stellt für junge Frauen im reproduktionsfähigen Alter eine Möglichkeit dar, die Realisierung ihres Kinderwunsches auf eine spätere Lebensphase zu verlegen. Die häufigsten Gründe sind hierbei

  • das derzeitige Fehlen eines geeigneten Partners,
  • Karriereplanungen
  • eine Art „Kinderversicherung” für die Zukunft,

Die Karriereplanung wird bei dieser Thematik eher medial aufgegriffen. Die Realität zeigt eher Frauen, bei denen im fortgeschrittenen reproduktiven Alter keine oder auch keine geeignete Partnerschaft besteht oder eine Beziehung frisch gescheitert ist.

Das Thema Kinderwunsch kann sich dann nämlich zu einer wirklich großen psychischen Belastung entwickeln und die Kryokonservierung von potentiell zukünftig nutzbaren Oozyten eine Entlastung darstellen.

Das Besondere an dem Verfahren des Einfrierens „junger” Eizellen ist, dass diese Eizellen nicht weiter altern. Das Alter spielt bei einer späteren Realisierung des Kinderwunsches (>35 Lebensjahre) eine zentrale Rolle, da neben dem absinkenden AMH und der folglich abnehmenden Eizellreserve im Eierstock zeitgleich die Rate genetisch auffälliger (aneuploider) Eizellen steigt.

Welche Methoden kommen zum Einsatz?

Derzeitiger Standard ist die Kryokonservierung von Oozyten mittels Vitrifikation – analog zu den Patientinnen mit einer medizinischen Indikation (Medical Freezing, MF). In Zukunft könnte sich aber auch das Portfolio für diese Patientinnen ausweiten und bei insbesondere jüngeren Patientinnen (≤35 Jahre) die Kryokonservierung von Ovarialgewebe eine Option darstellen, wenn die bis dato bestehende Fertilitätsreserve dies zulässt.

Den möglichen Vorteil hierfür hatte ich auch schon erwähnt: nämlich bedeutend mehr Oozyten, die zudem in ihrem physiologischen Verband kryokonserviert werden, als man nach einer Stimulationsbehandlung im Durchschnitt erreichen kann, die Möglichkeit auf eine natürliche Schwangerschaft ohne zusätzliche reproduktionsmedizinische Maßnahmen sowie eine natürliche Verlängerung der fertilen Phase durch die endogene Hormonproduktion der Transplantate, ohne eine künstliche Substitution, sprich Wechseljahrsproblematiken damit zeitlich aufgeschoben werden können.

Die Entnahme des Gewebes, und das ist bereits auch wissenschaftlich belegt, führt nicht zu einem früheren Eintritt in die Menopause, durch eine wie bisher angenommene vorzeitige Reduktion des Oozytenpools. Die Natur scheint sich hier anzupassen und die monatlich aufkommenden Kohorten nur in ihrer Größe (Oozytenzahl pro Kohorte) zu reduzieren, aber nicht wesentlich in der Anzahl der Rekrutierungen und der daraus resultierenden Ovulationen.

Wer trägt die Kosten für die Behandlung?

Da diese Methode trotz des psychologischen Stresses der Patientin, der sie überhaupt zu diesem Verfahren bringt oder zwingt, von den Krankenkassen nur als Lifestyle-Produkt angesehen ist, müssen Patientinnen die Kosten zu 100% selbst tragen, die sich zumeist etwas höher belaufen, als bei den onkologischen Patientinnen, da oft andere Abrechnungssätze von den Zentren veranschlagt werden.

Grob über den Daumen sind das bei der Kryokonservierung von Oozyten 3500-5000 Euro bei MF-Patientinnen und 4000-6500 Euro bei SF-Patientinnen sowie Lagerungskosten von etwa 350-500 Euro pro Jahr (für alle gleich).

Die Kosten für die Kryokonservierung und spätere Reimplantation von Ovarialgewebe, für welches nach der Reimplantation eigentlich auch keine Folgekosten mehr aufkommen sollten, insofern die Tuben durchgängig sind, keine hormonellen Störungen oder ein männlicher Faktor vorliegt – Indikationen die dann nämlich zu weiteren ART-Maßnahmen führen würden (mit Extrakosten), liegen zwischen 3700-4000 Euro plus Lagergebühr von 350-500 Euro pro Jahr (für alle gleich).

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Bildquelle: © istock.com/pepifoto

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