01. April 2021

Weibliche Sexualität: 4 Wirkstoffklassen mit negativem Einfluss

Unerwünschte Nebenwirkungen bestimmter Therapien und Medikamente auf die männliche Sexualität sind vielen Ärzten und Patienten bekannt.1 Was aber ist mit der weiblichen Sexualität? Welche Medikamente wirken sich für Frauen negativ aus, haben Nebenwirkungen, die mit dem Verlust oder Einbußen bei der Libido einhergehen?2

Lesedauer: 3 Minuten

Autorin: Dr. Maria Gabriela Baumgarten Kuster Uyeda

Oftmals ein Tabu

Vielen Patientinnen mangelt es an Informationen zu diesem Thema. Aus Scham und vielleicht auch aus Resignation suchen sie keinen Arzt auf.

Aber auch Ärzte vermeiden es meist, das Thema anzusprechen. Vielleicht, weil sich die Gelegenheit nicht bietet. Oder aus Angst, eine indiskrete Frage zu stellen oder sogar in den Verdacht der sexuellen Belästigung zu geraten. HInzu kommt, dass einige keine Ahnung haben, wie sich manche Medikamente auf die Sexualität ihrer Patientinnen auswirken.

Die Gynäkologin Dr. Maria Gabriela Baumgarten Kuster Uyeda von der Universität São Paulo hat eine Übersicht erstellt, welche Wirkstoff-Klassen sich negativ auf das Sexualleben von Frauen auswirken können.

Antidepressiva

Psychiatrische Störungen wie Depressionen und Angstzustände, aber auch Müdigkeit, Stress und Konflikte sind bekannte Risikofaktoren für sexuelle Dysfunktionen.

Auch wenn die Behandlung mit Antidepressiva die Lebensqualität verbessern kann, indem sie klinische Anzeichen und Symptome verringern, können Medikamente gegen psychische Erkrankungen zu einer verminderten Libido führen und den Orgasmus verzögern.

Aber es gibt Möglichkeiten, um solche Nebenwirkungen zu verhindern oder abzumildern:

  • allmähliche Reduktion der Dosis, solange die antidepressive Wirkung des Medikaments erhalten bleibt
  • Änderung der Behandlung,
  • Zugabe von Bupropion zur aktuellen Monotherapie

Verwendung von 5-Phospho-Di-Esterase (PDE)-Inhibitoren (Sildenenafil und andere) bei verzögertem Orgasmus und ohne Kontraindikationen.

Antipsychotika

Antipsychotika sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen verbunden. Diese Medikamente hemmen die Produktion von Dopamin, das die sexuelle Funktion als Neuromodulator beeinflusst. Dies kann sich negativ auf die Libido, die Befeuchtung der Vaginalschleimhaut und den Orgasmus auswirken.

Antipsychotika können auch zu einem Anstieg des Prolaktin-Spiegels führen, wodurch die Gonaden-Funktion unterdrückt und somit die sexuelle Funktion beeinträchtigt wird.

Eine der Möglichkeiten besteht darin, auf Antipsychotika der 2. Generation umzusteigen, bei denen diese Nebenwirkungen in geringerem Ausmaß auftreten. Ein Feuchtigkeitsmangel ist auch ein relativ leicht zu überwindendes Problem, wenn man sich z.B. für Vaginalcremes und -gels entscheidet.

Antihypertensiva

Es ist noch nicht klar, ob die sexuelle Dysfunktion bei Bluthochdruck-Patientinnen durch eine blutdrucksenkende Therapie oder durch den Bluthochdruck selbst verursacht wird. Mehrere Studien zeigen, dass Frauen mit Bluthochdruck häufiger eine veränderte Sexualität haben im Vergleich zu Frauen ohne Bluthochdruck.

Diese Studien zeigen auch, dass es keinen Unterschied in der sexuellen Dysfunktion zwischen Frauen gibt, die mit einem blutdrucksenkenden Medikament behandelt werden oder nicht.

Das blutdrucksenkende Mittel Spironolacton kann die Libido verringern und die Vaginaltrockenheit verstärken, während Betablocker die sexuelle Funktion sowohl bei Männern als auch bei Frauen erheblich beeinträchtigen.

Verhütungsmittel

Welcher Gynäkologe hat noch nie eine Patientin über eine geringe Libido klagen hören, nachdem sie mit der Einnahme der Antibabypille begonnen hatte? Physiologisch gesehen reduzieren Verhütungsmittel den von den Eierstöcken produzierten Testosteron-Spiegel, indem sie die Sekretion des Luteinisierenden Hormons (LH) unterdrücken.

Östrogen kann den SHGB-Spiegel (Sexualhormon-bindendes Globulin) erhöhen, was zu einem niedrigeren Level an freiem Testosteron im Blut führt. Ob und wie stark ein Verhütungsmittel die Libido verringert, ist individuell sehr verschieden.

Sexuelle Dysfunktion kann natürlich auch sehr stark durch die Lebensumstände bedingt sein. Zum Beispiel in einer langjährigen Beziehung, oder bei großer Belastung durch Kindererziehung und Familie. Angstzustände, Stress und Müdigkeit verringern generell die Lust auf Sex.

Umgekehrt kann die Libido zunehmen, wenn Frauen das Gefühl haben, sexuell aktiv sein zu können, ohne Angst vor einer Schwangerschaft haben zu müssen. Unabhängig davon ist es natürlich immer möglich, die Methode der Empfängnisverhütung zu wechseln.

Fazit

Auf alle Fälle sollten der Arzt oder die Ärztin mit den betroffenen Patientinnen ein Gespräch suchen und sie zu den Nebenwirkungen der Medikamente beraten. Zögern Sie also nicht, sie nach ihrer Lebensqualität und ihrer Sexualität zu fragen. Dann können Sie die Therapie gegebenenfalls anpassen. Das verbessert die Compliance und damit auch den Behandlungserfolg.

Der Artikel erschien im Original in der portugiesischen Ausgabe von Medscape.

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