09. März 2021

Schwangerschaftsdiabetes

Risiko für späteren Typ-II-Diabetes um Faktor 10 erhöht

Ein Gestationsdiabetes bleibt auch nach der Schwangerschaft ein Risikofaktor – das Risiko für einen manifesten Typ-2-Diabetes ist bei den Frauen deutlich erhöht. Die Manifestation kann aber durch Lifestyle-Interventionen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Dies erfordert allerdings eine entsprechende Nachsorge. Zwar galt der Gestationsdiabetes (GDM) bisher schon als mögliche Vorstufe eines Typ-2- Diabetes. Es war aber unklar, wie hoch das Risiko genau ist und in welchen Zeiträumen sich die Stoffwechselerkrankung bei den betroffenen Frauen entwickelt.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Diese Fragen wurden in einer aktuellen Metaanalyse adressiert. Elpida Vounzoulaki vom „Diabetes Research Centre“ am General Hospital der University of Leicester, England, und ihre Kollegen haben dafür 20 Beobachtungsstudien aus den Jahren 2000 bis 2019 ausgewertet. Eingeschlossen wurden nur Studien mit einer Kontrollgruppe und einer postpartalen Beobachtungszeit von mindestens einem Jahr.

Insgesamt gingen die Daten von 68.000 Frauen mit einem GDM in der Vorgeschichte und circa 1.300.000 Frauen ohne diese Schwangerschaftskomplikation in die Analyse ein. Die Forscher konnten zeigen, dass Frauen mit einem GDM im Vergleich zu den Kontrollen ein fast zehnmal höheres Risiko hatten, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln (relatives Risiko 9,51). Insgesamt lag die kumulative Inzidenz des Typ-2-Diabtes nach GDM bei 16,4 %, ohne statistische signifikante Unterschiede zwischen den Ethnizitäten. Da die relative Risikoerhöhung für einen Typ-2-Diabetes nach GDM in den Studien mit kürzerer Beobachtungszeit (< 5 Jahre) ausgeprägter war, vermuten die Autoren, dass das Risiko für einer Konversion in den ersten drei bis fünf Jahren nach der Geburt am höchsten ist.

Lifestyle-Intervention in den ersten drei Jahren nach der Geburt besonders effektiv

Lässt sich die Manifestation des Typ-2-Diabetes durch präventive Maßnahmen möglicherweise verhindern oder herauszögern? Dieser Frage sind chinesische Wissenschaftler um Ninghua Li aus Tianjin, China, in einer Metaanalyse nachgegangen. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien vor 2019, die den Einfluss von Ernährungsumstellung, körperlicher Bewegung oder beidem auf die Manifestation eines Typ- 2-Diabetes untersuchten.

In vier Studien mit insgesamt 2.883 Frauen fand die Intervention nach der Diagnose eines GDM noch während der Schwangerschaft statt. Durch diese Maßnahmen konnte keine Reduktion des Risikos für einen postpartalen Diabetes erreicht werden (RR 0,91) – auch wenn dadurch sicherlich das Risiko für Mutter und Kind während Schwangerschaft und Geburt reduziert wird. Viel effektiver scheinen dagegen Interventionen in den ersten drei Jahren nach der Schwangerschaft zu sein. Hier konnte das Risiko für einen manifesten Diabetes in einer Metaanalyse von zehn Studien mit 1.733 GDM-Patientinnen um 43 % reduziert werden (RR 0,57). In den Interventionsgruppen entwickelten 6,1 % der Frauen einen Diabetes, in den Kontrollgruppen waren es dagegen 10,7 %. Die „number needed to treat“, um einen Diabetesfall zu verhindern betrug 22 – und das nur durch Lifestyle-Interventionen ohne Pharmaka.

Damit solche Interventionen erfolgreich umgesetzt werden können, müssen die Frauen in den ersten Jahren nach einer Schwangerschaft mit GDM nachbetreut werden. Dies ist in Deutschland zurzeit aber nur bei 40 % der Betroffenen der Fall – es ist also noch viel Luft nach oben.

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