02. Oktober 2020

Covid-19 bei Schwangeren: Gefährlicher als anfangs vermutet

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie galten Schwangere nicht als besondere Risikogruppe, die Gefahr für Mutter und Kind wurde für relativ gering gehalten. Das hat sich inzwischen dramatisch geändert: Nun wird eine strikte Prävention empfohlen – insbesondere für schwangere Frauen mit Diabetes.

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Metaanalyse von 77 Studien

In einer aktuellen Metaanalyse von 77 Studien (Allotey et al) zeigte sich, dass während der Pandemie bei 10 % aller schwangeren Frauen mit stationärer Aufnahme eine vermutete oder bestätigte Covid-19-Erkrankung der Grund für die Krankenhauseinweisung war.

Insgesamt wurden die Daten von 11.432 schwangeren Covid-19-Patientinnen ausgewertet und mit den Daten von über 80.000 nicht schwangeren Frauen im reproduktiven Alter mit Covid-19 verglichen. Fieber und Husten waren die häufigsten Symptome bei den schwangeren Frauen (40 und 39 %) – im Vergleich zu den nicht schwangeren Patientinnen litten sie aber seltener unter Fieber und Myalgien. Schwangere mussten deutlich häufiger auf Intensivstationen aufgenommen werden (OR 1,62) und häufiger beatmet werden (OR 1,88) – vorbestehende Komorbiditäten waren hier der häufigste Risikofaktor.

Insgesamt verstarben 0,1 % der Schwangeren an Covid-19. Folgende Faktoren waren mit schweren Covid-19-Verläufen in der Schwangerschaft assoziiert:

  • höheres Alter der Mutter (OR 1,78)
  • höherer BMI (OR 2,38)
  • chronische Hypertonie (OR 2,0)
  • vorbestehender Diabetes mellitus (OR 2,51)

Die spontane Frühgeburtsrate lag bei 6 % und war damit dreimal höher als bei Schwangeren ohne Covid-19. Ein Viertel aller Neugeborenen von Müttern mit Covid-19 musste auf die neonatale Intensivstation aufgenommen werden – auch diese Rate war dreimal höher als bei gesunden Schwangeren.

Schwere Covid-19-Verläufe bei Schwangeren in zahlreichen Ländern

Auch in einem Artikel in der ÄrzteZeitung wird auf die besondere Gefährdung von Schwangeren durch Covid-19 hingewiesen. Aus zahlreichen Ländern werden inzwischen schwere Covid-19-Verläufe bei Schwangeren gemeldet und auch eine transplazentare Infektion des Fetus wurde bereits nachgewiesen.

5 Empfehlungen für Schwangere

Um das Ansteckungsrisiko bei Schwangeren so gering wie möglich zu halten, gibt der Diabetologe und Experte für Diabetes in der Schwangerschaft Dr. Helmut Kleinwechter folgende Empfehlungen:

  • Schwangere sollten nachdrücklich auf die Einhaltung der Hygienevorschriften hingewiesen werden – auch über Sprachbarrieren hinweg.
  • Bei jeglichen Verdachtssymptomen sollte rasch auf SARS-CoV-2 getestet und Hausarzt und Gynäkologe informiert werden. Bei Atembeschwerden ist es empfehlenswert, sich umgehend in der Klinik vorzustellen.
  • Sofern ein Arztbesuch nicht zwingend erforderlich ist, sollten Schwangere mit Diabetes telemedizinisch betreut werden.
  • Für das Screening auf Gestationsdiabetes (GDM) reicht der Nüchtern-Blutzucker aus – bei normalen Werten kann immer noch über einen oralen Glukosebelastungstest (oGTT) entschieden werden.
  • Zur GDM-Nachsorge kann ein oGTT am zweiten postpartalen Tag noch in der Geburtsklinik angeboten werden, da die Adhärenz dann größer ist. Die erste Nachsorge sollte binnen sechs Monaten erfolgen, um den Termindruck der Mütter zu reduzieren.  

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