08. Juni 2021

SARS-CoV-2-Impfung von stillenden Müttern

Hohe Antikörperkonzentrationen in der Muttermilch

Schon zwei Wochen nach der ersten Coronaimpfung stillender Mütter finden sich spezifische IgA-Antikörper in hohen Konzentrationen in der Muttermilch. Für IgG steigen die Werte kurz nach der zweiten Impfung an.1

Lesedauer: 2 Minuten

Eine Impfung mit Nicht-Lebendvakzinen während der Stillzeit birgt nach bisherigen Erkenntnissen keine besonderen Risiken für die Mutter oder für den Säugling. Für SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoffe gab es bislang allerdings kaum Daten zur Sicherheit und zur Frage, ob virusspezifische Antikörper in die Muttermilch gelangen. In einer israelischen Studie sind diese Fragen untersucht worden.

Der Studien-Aufbau

  • Es handelt sich um eine prospektive Kohortenstudie mit stillenden Frauen, die im Gesundheitssystem arbeiteten und für die ein Immunschutz gegen SARS-CoV-2 wie bei allen Personen in Heil- und Pflegeberufen wünschenswert war
  • Die Teilnehmerinnen erhielten 2 Dosierungen der Pfizer-BioNTech-Vakzine im Abstand von 21 Tagen
  • Vor und bis zu 6 Wochen nach der Impfung wurden Muttermilchproben in wöchentlichen Abständen genommen und die Konzentrationen von virusspezifischen IgG- und IgA-Antikörpern bestimmt

Hauptergebnisse

  • 84 Frauen beendeten die Studie und von ihnen lagen 504 Muttermilchproben vor.
  • Die Teilnehmerinnen waren durchschnittlich 34 Jahre alt und die Kinder durchschnittlich 10,3 Monate.
  • Bereits 2 Wochen nach der 1. Impfung waren die durchschnittlichen Spiegel der Anti–SARS-CoV-2-spezifischen IgA-Antikörper in der Muttermilch deutlich und auch statistisch signifikant erhöht, nämlich um den Faktor 2,05 (P < 0,001).
  • 61,8 % der Frauen sezernierten virusneutralisierende IgA-Antikörper mit der Muttermilch. Nach 4 Wochen und damit 1 Woche nach der 2. Impfung waren es  86,1 %.
  • Die Spiegel waren im Vergleich zu den Basiswerten vor der Impfung um den Faktor 4 angestiegen und blieben über den Beobachtungszeitraum von 6 Wochen erhöht.
  • Die SARS-spezifischen IgG-Level stiegen erst nach der 2. Impfung deutlich an, und zwar innerhalb der 1. Woche nach Zweitimmunisierung, und sie blieben dann über den gesamten Beobachtungszeitraum erhöht.
  • 97 % der Frauen sezernierten in den Wochen 5 und 6 virusneutralisierende IgG-Antikörper mit der Muttermilch.
  • Es wurden keine stärkeren unerwünschten Effekte bei Mutter und Kind beobachtet.
  • Am häufigsten waren vorübergehende Schmerzen an der Injektionsstelle, die bei 62 % der Frauen nach der 1. und/oder 2. Impfung auftraten.
  • 4 Kinder hatten während des Studienzeitraums kurzzeitig erhöhte Körpertemperatur.

Klinische Bedeutung

Zusätzlich zum Impfschutz der Frauen dürfte die rasch nach der Impfung beginnende Sezernierung von SARS-spezifischen IgA-Antikörpern über die Muttermilch einen Schutzeffekt für die Kinder haben, so die Autoren. IgG-Antikörper wurden ab Woche 4 nach der 1. Impfung verstärkt in die Muttermilch abgegeben. Die Impfung hat diesen Studiendaten zufolge keine unerwünschten Effekte für den Säugling. Schon vor Publikation dieser Daten hatte es die Ständige Impfkommission (STIKO) für wenig wahrscheinlich gehalten, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling bedeutet. Ein biologisch nachvollziehbarer Mechanismus, der Schaden verursachen könnte, sei derzeit nicht bekannt.

,,Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.”

Bildquelle: © gettyImages/SeventyFour

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653