19. November 2020

Covid-19 in der Schwangerschaft

Erste Registerdaten aus Deutschland

Seit April 2020 werden im CRONOS-Register vom Forschungsnetzwerk der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) Daten von Frauen mit nachweislicher SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft erfasst. Jetzt wurden erste Erkenntnisse veröffentlicht.1

Lesedauer: 2 Minuten

Zur Teilnahme am Register wurden alle deutschen Geburtskliniken aufgerufen. 98 der 122 angefragten Kliniken beteiligten sich aktiv. Zwischen dem 03. April 2020 und dem 1. Oktober 2020 wurden hier 247 Fälle von Schwangeren mit Covid-19 von 65 Kliniken gemeldet.

91 Frauen (36,8 %) hatten keine Symptome. Die hohe Rate asymptomatischer Patientinnen im CRONOS-Register erklären die Autoren durch die Einführung flächendeckender Screenings in Krankenhäusern.

205 Frauen (83 %) sind inzwischen wieder genesen und 185 haben entbunden, 75 davon auf natürlichem Wege. Zu irgendeinem Zeitpunkt stationär aufgenommen wurden 13,8 % der Frauen, 5,6 % mussten wegen Covid-19 intensivmedizinisch behandelt werden. Diese Frauen wiesen gehäuft an Risikofaktoren wie Diabetes, Hypertonie und Adipositas auf und 10 der 14 Frauen hatten sich im dritten Trimenon infiziert. Verstorben ist bisher eine Patientin (0,4 %).

Behandlungsmöglichkeiten in der Schwangerschaft eingeschränkt

„Covid-19 stellt gerade in der Schwangerschaft eine Herausforderung dar, da Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind“, so Studienleiter PD Dr. Ulrich Pecks, Leiter der Geburtshilflichen Abteilung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein am Campus Kiel, der zusammen mit Prof. Dr. Mario Rüdiger, Direktor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden die Studie koordiniert.

„Für Neugeborene hat SARS-CoV-2 insbesondere durch häufigere Frühgeburten eine Auswirkung“, erklärt Prof. Mario Rüdiger. Im CRONOS-Register wurden 25 Kinder (knapp 14 Prozent) zu früh und vor der 38. Schwangerschaftswoche geboren. Es waren aber lediglich zirka 2 % der Neugeborenen SARS-Cov-2 positiv getestet worden. Und in den meisten Fällen geht diese Infektion des Neugeborenen nur mit minimalen Krankheitssymptomen einher.

„Ähnliche Größenordnung geben auch internationale Daten her. Das sind relativ beruhigende Zahlen. Wichtig für die Mütter ist, nach der Geburt darauf zu achten, ihr Neugeborenes nicht anzustecken“, so Prof. Rüdiger.

Leicht erhöhte Rate an Früh – und Kaiserschnittgeburten

Die Rate an Frühgeburten und Kaiserschnittgeburten scheint im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt vergangener Jahre leicht erhöht zu sein, llerdings niedriger im Vergleich zu Schwangeren in vielen anderen Ländern.

„Diese zentrale Studie zu den Folgen einer Sars-CoV2 Infektion in der Schwangerschaft zeigt erfreulicherweise überwiegend milde Verläufe ohne schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind“, erläutert Prof. Dr. Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel und Vorstandsmitglied des UKSH.

Aufgrund der noch geringen Fallzahlen lassen sich noch keine abschließenden Aussagen zu Risikofaktoren für schwere Verläufe und neonatalen Infektionen machen. Nach Möglichkeiten sollten alle SARS-CoV-2-positiven Schwangeren in der Bundesrepublik in dem Register erfasst werden, um weitere Daten sammeln zu können, so die Autoren.

  1. Ulrich Pecks et al; Schwangerschaften und SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland – das CRONOS-Register (Pregnancy and SARS CoV-2 infection in Germany—the CRONOS registry); Dtsch Arztebl Int (2020); 117: 841-2; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0841

Bildquelle: © gettyImages/SomeMeans

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