22. August 2019

Migräne: Mehr Komplikationen in der Schwangerschaft

Patientinnen mit Migräne haben ein deutlich erhöhtes Risiko, in der Schwangerschaft Komplikationen zu entwickeln und auch ihre Neugeborenen haben gehäuft gesundheitliche Probleme. Dies hat eine dänische Register-Analyse bestätigt (Headache, 2019).1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Bis zu einem Viertel aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter Migräne. Obwohl die Attacken im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft oft nachlassen, erleben sie doch noch 8% aller werdenden und frisch gebackenen Mütter.

Die Migräne birgt ein erhöhtes Risiko für hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburten. Andere Komplikationen hätten bisher noch zu wenig Aufmerksamkeit von der Forschung erhalten, so die Autoren um Nils Skajaa (Universität Aarhus, Dänemark).

Dänische Patientendatenbank mit fast 23.000 Schwangerschaften

Für die Analyse werteten die Forscher das dänische Patientenregister aus. Ausgewertet wurden Schwangerschaften, deren geschätztes Konzeptionsdatum im Zeitraum vom 1.1. 2005 und dem 31.12.2012 lag.

Zur Patientengruppe zählten Frauen mit der gestellten Migräne-Diagnose, sowie Frauen, die seit 2004 mindestens zwei Mal ambulant eine spezifische Migräne-Medikation bekommen hatten. Die Annäherung über die Medikation war nötig, da keine Daten aus der ambulanten Primärversorgung im Register gesammelt werden. Frauen mit einer diagnostizierten Epilepsie wurden ausgeschlossen, damit aufgrund der z.T. ähnlichen Medikation keine „falschen“ Patientinnen eingeschlossenen wurden.

Den knapp 23.000 Schwangerschaften von Migränepatientinnen stellten sie je bis zu zehn Schwangerschaften von gleichaltrigen Frauen ohne Migräne gegenüber. Begleiterkrankungen und Faktoren wie Rauchen, BMI und NSAR-Gebrauch wurden berücksichtigt.

Häufung von Komplikationen auch nach der Geburt

Frauen mit Migräne litten 50% häufiger an Schwangerschaftshypertonie und um 42% häufiger an einer Präeklampsie oder Eklampsie. Zu einer Fehlgeburt kam es um 10% häufiger. Die Raten von Totgeburten und Gestationsdiabetes waren dagegen nicht erhöht.

Betrachtete man die Kinder von migränekranken Frauen, so häuften sich folgende Komplikationen:

  • niedriges Geburtsgewicht um 20%
  • Geburt vor der 37. SSW um 21 %
  • Geburt vor der 32. SSW um 35 %
  • Entbindung per Kaiserschnitt um 20%
  • Hospitalisierung des Kindes im ersten Lebensmonat um 11%
  • Atemnotsyndrom um 20%
  • Fieberkrämpfe um 27%

Todesfälle oder Fehlbildungen häuften sich nicht. Weder die Einnahme von Migränemedikation noch die Anzahl der Migräneattacken in der Schwangerschaft schienen dabei einen Einfluss auf die Gesundheit von Mutter und Kind zu haben.

Die aktuellen Empfehlungen zur Pharmakotherapie in der Schwangerschaft finden Sie hier

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse sind im Einklang mit der Literatur, die bereits eine hohe Korrelation zwischen hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen und Migräne festgestellt hat. Der zugrundeliegende Pathomechanismus ist jedoch noch nicht klar.

Vermutet werden grundlegende Gemeinsamkeiten der Kopfschmerzerkrankung und der regulären Hypertonie, die ebenfalls oft komorbid auftreten. Hierbei werden abnormale Gefäßreagibilität, erhöhte Thrombozytenaggregation und endotheliale Dysfunktionen als Faktoren gehandelt.

Die Autoren folgern, dass die vermehrten Schwangerschaftskomplikationen bei Patientinnen unabhängig von der medikamentösen Therapie sind.

  1. Nils Skajaa et al; Pregnancy, Birth, Neonatal, and Postnatal Neurological Outcomes After Pregnancy With Migraine; Headache (2019);
  2. ÄrzteZeitung: Gehäuft Fehlgeburten bei Frauen mit Migräne 09.08.2019

Bildquelle: © Getty Images / nd3000

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