02. September 2020

Randomisierte Studie aus UK

Mammographie-Screening schon ab 40 senkt Brustkrebsmortalität

Bisher haben in Deutschland alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Mammographie-Screening zur frühen Entdeckung von Mammakarzinomen. Eine Studie aus Großbritannien weist jetzt darauf hin, dass es sich lohnen könnte, das Screeningprogramm auf jüngere Frauen ab 40 Jahren auszudehnen.1

Lesedauer: 2 Minuten

Ein regelmäßiges Mammographie-Screening bei unter 50-jährigen Frauen galt bisher aus verschiedenen Gründen als umstritten. So ist das Drüsengewebe jüngerer Frauen in der Regel dichter, was die Sensitivität der Mammographie in dieser Altersgruppe einschränkt. Zudem ist die Brustkrebsinzidenz und – mortailität geringer als bei über 50-jährigen Frauen, wodurch der Wert eines regelmäßigen Screenings in Frage gestellt wird.

Auch der anderen Seite neigen Mammakarzinome bei jüngeren Frauen zu einer rascheren Progression, sind häufiger Östrogenrezeptor-negativ und haben öfter eine ungünstige Histologie. Aus diesem Grund geriet die Ausdehnung des Screening auf Frauen zwischen 40 und 49 Jahren immer wieder in die Diskussion.

Kontrollierte Studie mit über 150.000 Teilnehmerinnen

Durch die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie aus Großbritannien könnte diese Diskussion neu angefacht werden. Zwischen 1990 und 1997 wurden hierfür 160.921 Frauen im Alter von 39 bis 41 Jahren rekrutiert. 53.883 Frauen wurden randomisiert der Interventionsgruppe zugeordnet und erhielten bis zum Alter von 48 Jahren ein jährliches Mammographie-Screening.

Die Kontrollgruppe bildeten 106 953 Frauen, die wie in Großbritannien üblich erst ab etwa 50 Jahren zum Screening eingeladen wurden. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Mittel 22,8 Jahre. Primärer Endpunkt war die Brustkrebssterblichkeit in den zehn Jahren der Intervention, bis die Frauen mit 50 Jahren dann in das normale National Health Service Breast Screening Programme (NHSBSP) aufgenommen wurden. Es handelte sich um eine Intention-to-treat-Analyse, d.h. die Daten wurden unabhängig davon ausgewertet, ob die Frauen sich an das für sie ausgewählte Screening-Programm hielten.

Geringere Brustkrebsmortalität bei früherem Screening

Das frühzeitige Screening bei den 40- bis 48-jährigen Frauen schien sich auszuzahlen. Sie Brustkrebsmortalität war in den ersten zehn Jahren  der Intervention signifikant geringer als in der Kontrollgruppe (83 Brustkrebs-bedingte Todesfälle vs. 219 in der Kontrollgruppe). Das entsprach einer relativen Risikoreduktion um 25 %. In den nachfolgenden Jahren, in denen dann alle Frauen zu Screening eingeladen wurden, war kein signifikanter relativer Unterschied in der Brustkrebs-Sterblichkeit mehr nachzuweisen (126 vs. 255 Todesfälle, RR 0,98), der absolute Unterschied blieb aber konstant vorhanden.   

Der absolute Unterschied betrug 0,6 Todesfälle pro 1.000 zum Screening eingeladener Frauen. Um einen Brustkrebstodesfall zu verhindern, mussten somit 1.667 Frauen zwischen 40 und 49 Jahren zum Screening eingeladen werden. Durch 1.000 Screening-Mammographien bei 40 bis 49-Jährigen konnte etwas weniger als ein Todesfall verhindert werden.

Aufgrund dieser Ergebnisse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Ausweitung des Mammographie-Screening-Angebots auf Frauen zwischen 40 und 48 Jahren das Potenzial hat, die Brustkrebsmortalität zu reduzieren.

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