28. September 2020

Neue Leitlinie erschienen

Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften

Eine Zwillingsschwangerschaft ist immer mit erhöhten Risiken wie Frühgeburten und Fehlbildungen verbunden. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) haben nun die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften herausgegeben.1-3

Lesedauer: 4 Minuten

War 1977 nur jedes 56. Neugeborene ein Mehrling, so sind es heute nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doppelt so viele. Als Gründe gelten die Zunahme von künstlichen Befruchtungen und das höhere Durchschnittsalter der werdenden Mütter. Denn Frauen haben mit zunehmendem Alter häufiger zwei Eisprünge pro Zyklus 3.

Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen empfohlen

„Durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen lassen sich durch die frühzeitige Erkennung von Komplikationen und ein daraus ableitbares Management die Mortalität und Morbidität der betroffenen Zwillinge deutlich senken“, so Professor Dr. med. Kurt Hecher vom UKE Hamburg und Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG.

Erhöhtes Risiko für Fehlbildungen und Frühgeburten

Im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften kommt es bei Zwillingen häufiger zu komplizierten Verläufen. Zu den Hauptrisiken zählen Fehlbildungen und eine Frühgeburt. Die Schwangeren haben zudem ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, Blutarmut und eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). Gefährdet sind aber vor allem die Feten selbst. Entscheidend dabei ist vor allem, ob sich die Ungeborenen eine Plazenta und/oder eine Fruchthöhle teilen müssen.

Zwillingsschwangerschaften, bei denen jeder Fetus eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchthöhle hat, sind in der Regel wenig problematisch. Hier gehe es vor allem darum, dass die Feten wenig Platz haben und zusammen ein deutlich höheres Gewicht aufbringen als ein Einling, erklärt Professor Dr. med. Constantin von Kaisenberg, Bereichsleiter Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Perinatalzentrums der Medizinischen Hochschule Hannover und Leitlinienbeauftragter der DEGUM. Der Druck auf den Muttermund steige enorm, eine Frühgeburt drohe. Zwillinge werden deshalb auch spätestens in der Schwangerschaftswoche 38 geboren.

Kinder bei monochorialer Schwangerschaft besonders gefährdet

Bei jeder fünften Zwillingsschwangerschaft teilen sich die Ungeborenen hingegen eine Plazenta. Eine solche monochoriale Schwangerschaft lässt sich bis Schwangerschaftswoche 14 mithilfe der Ultraschalldiagnostik feststellen. Diese Kinder sind in besonderer Weise gefährdet. So kann es sein, dass eine Gefäßverbindung zwischen den Zwillingen besteht, es droht die Gefahr des sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (TTTS). Umso wichtiger sei es, dass der Arzt oder die Ärztin eine hohe Ultraschallkompetenz besitzen.

Die neue Leitlinie “Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften” soll einen einen Beitrag zu einer verbesserten Versorgung sowohl der Mütter als auch der Feten bei Zwillingsschwangerschaften leisten.

  1. Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, 24.09.2020: Doppeltes Glück, doppeltes Risiko?
  2. Beemsterboeret S.N. al.: The paradox of declining fertility but increasing twinning rates with advancing maternal age. Human Reproduction, Volume 21, Issue 6, June 2006, Pages 1531–1532, doi.org/10.1093/humrep/del009
  3. AWMF LL 015-087 S24 Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften. von Kaisenberg CS*, Klaritsch P*, Ochsenbein-Kölble N, Hodel M, Nothacker M, Hecher K. (*geteilte Erstautorenschaft)

Bild: © GettyImages/Neyya

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