05. März 2021

Richtlinie zur Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen in Kraft

Die konsolidierte Fassung der Richtlinie zur Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen ist jetzt in Kraft getreten. Der Bewertungsausschuss hat nun sechs Monate Zeit, die Vergütung festzulegen. Erst danach können die betroffenen Frauen und Männer die Leistung in Anspruch nehmen. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Mit der Kryokonservierung soll Versicherten die Erfüllung eines Kinderwunsches nach einer keimzellschädigenden Therapie ermöglicht werden. Die „Richtlinie zur Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen oder Keimzellgewebe sowie entsprechende medizinische Maßnahmen wegen keimzellschädigender Therapie“ (Kryo-RL), die Details regelt, war noch einmal angepasst worden und ist nunmehr im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Zulassungsüberschreitende Verabreichung von Medikamenten

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung macht die KBV auf eine Rechtsunsicherheit aufmerksam, welche die Behandlung von Frauen unter 18 Jahren betrifft. Denn für diese Altersgruppe gibt es derzeit keine zugelassenen Arzneimittel zur hormonellen Stimulation.

Im Rahmen der Vorbereitung zur Entnahme von Eizellen wird standardmäßig eine hormonelle Stimulationsbehandlung vorgenommen, um Eizellen außerhalb des natürlichen weiblichen Zyklus gewinnen zu können. Die zur hormonellen Stimulationsbehandlung zugelassenen Arzneimittel verfügen über eine Zulassung zur Behandlung von Patientinnen ab dem 18. Lebensjahr. Es gibt aktuell keine Arzneimittel zur hormonellen Stimulation, die auch für Kinder und Jugendliche zugelassen sind. Die Verwendung dieser Arzneimittel bei Frauen vor Vollendung des 18. Lebensjahres erfolgt zulassungsüberschreitend.

Darüber hinaus sind diese Medikamente bei sexualhormonabhängigen Tumoren wie Ovarial-, Uterus- oder Mammakarzinom bei der Frau kontraindiziert.

KBV empfiehlt Kostenübernahmeerklärung einzuholen

Hinsichtlich der Unteilbarkeit der Leistung besteht in den Fällen, in denen kein zugelassenes Arzneimittel zur Verfügung steht, grundsätzlich auch kein Anspruch auf die ärztliche Vergütung und damit der gesamten Leistung. Die KBV empfiehlt daher bei zulassungsüberschreitender Anwendung von Medikamenten eine Kostenübernahmeerklärung bei der Krankenkasse einzuholen, um Regressforderungen für die gesamte Leistung zu vermeiden.

Keimzellschädigende Behandlungen

Mit der Einführung der Kryokonservierung will der Gesetzgeber schwerkranken Menschen die Möglichkeit eröffnen, nach einer keimzellschädigenden Behandlungen Kinder zu bekommen. Zu keimzellschädigenden Behandlungen zählen insbesondere die operative Entfernung von Keimdrüsen, eine Strahlentherapie mit zu erwartender Schädigung der Keimdrüsen sowie potentiell fertilitätsschädigende Medikationen. Ob eine Therapie keimzellschädigend sein kann, entscheidet der Facharzt, der auch die Grunderkrankung diagnostiziert oder behandelt.

Der gesetzliche Anspruch auf Entnahme und Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen besteht für Frauen bis zur Vollendung des 40. Lebensjahres, bei männlichen Versicherten bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres. 1

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653