17. September 2020

Kaffee in der Schwangerschaft doch lieber vermeiden?

In den meisten Empfehlungen wird von einem moderaten Koffeinkonsum in der Schwangerschaft bislang nicht abgeraten. Doch nun kommt eine Studie zu dem Schluss, dass Koffein in der Schwangerschaft möglicherweise doch nicht so harmlos für das ungeborene Kind ist.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Quer durch alle Länder und Kulturen und unabhängig von Alter und Geschlecht ist Koffein die mit Abstand am meisten konsumierte psychoaktive Substanz in der Geschichte. Auch die große Mehrheit der Schwangeren konsumiert Koffein, das sich im Blut der meisten Neugeborenen in aktiven Konzentrationen nachweisen lässt.

2 Tassen Kaffee schon zuviel?

Bisher hieß es in den meisten Empfehlungen, dass bis zu 200 mg Koffein am Tag – das entspricht zwei Tassen mittelstarkem Kaffee – in der Schwangerschaft ungefährlich sind.

Biologisch plausibel sind Sorgen um einen negativen Koffeineinfluss aber trotzdem. Koffein tritt ungebremst durch die Plazenta und es werden die gleichen systemischen Spiegel erreicht wie bei der schwangeren Mutter. Beim Ungeborenen kann es unter anderem die Stresshormone aktivieren, was über eine Vasokonstriktion die Sauerstoffversorgung reduzieren kann. Auch Entzugssymptome nach der Geburt werden beschrieben.

Professor Dr. Jack E. James von der Universität Reykjavik in Island hat daher noch einmal die weltweite Literatur nach einem möglichen negativen Einfluss von Koffein in der Schwangerschaft durchforstet. [Link zur Studie im BMJ]

Koffein erhöht Risiken für das Kind

Von 42 einzelnen Darstellungen in 37 Beobachtungsstudien, zeigten 32 einen signifikanten Anstieg des kindlichen Risikos durch Koffein, 10 Studien verneinten dies oder ergaben kein einheitliches Resultat.

17 Metaanalysen in 11 Studien ergaben ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Totgeburten, geringes Geburtsgewicht und/oder zu geringe Größe für das Gestationsalter sowie akute Leukämien im Kindesalter – nicht aber für Frühgeburten. In fünf Beobachtungsstudien (ohne Metaanalyse) wurde zudem eine Assoziation zwischen mütterlichem Kaffeekonsum und kindlichem Übergewicht und Adipositas beobachtet.

Fazit: Schwangere sollten grundsätzlich auf Koffein verzichten

In den meisten Beobachtungsstudien und Metaanalysen wurde eine dosisabhängige Wirkung berichtet, was für einen kausalen Zusammenhang spricht. Ein „ungefährlicher“ Schwellenwert konnte nicht definiert werden. Der Autor kommt daher zu dem Schluss, dass sich die Empfehlung, in der Schwangerschaft ruhig bis zu 200 mg/d Koffein zu konsumieren, wissenschaftlich nicht aufrechterhalten lässt. Aus seiner Sicht sollten Schwangere auf koffeinhaltige Getränke grundsätzlich verzichten.

  1. Jack E. James; Maternal caffeine consumption and pregnancy outcomes: a narrative review with implications for advice to mothers and mothers-to-be; BMJ Evidence-Based Medicine (2020); doi: 10.1136/bmjebm-2020-111432

Bildquelle: © gettyImages/M_a_y_a

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