10. August 2021

Chlamydien-Infektion nach analem Geschlechtsverkehr

Doxycyclin ist Azithromycin überlegen

Bei rektaler Chlamydien-Infektion ist Doxycyclin effektiver als Azithromycin – und es gibt weitere Vorteile, wie eine aktuelle Studie zeigt. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Das Antibiotikum Doxycyclin über 7 Tage ist zur Behandlung von asymptomatischen rektalen Chlamydien signifikant wirksamer als eine Einzeldosis Azithromycin – das zeigt eine jetzt im New England Journal of Medicine erschienene randomisiert-kontrollierte Studie an homosexuellen Männern.

Die Arbeit bestätigt „was wir bereits wissen“, kommentiert Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, die Ergebnisse. „Es ist bekannt, dass man bei rektaler Chlamydien-Infektion primär Doxycyclin zur Therapie einsetzen sollte“, so der ehemalige Leiter des WiR (Walk in Ruhr) Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum und Vorsitzender der Deutschen STI-Gesellschaft.

In der an 5 australischen Kliniken durchgeführten Studien randomisierten Dr. Andrew Lau, University of Melbourne und Kollegen Männer, die Sex mit Männern haben und asymptomatisch rektale Chlamydien aufwiesen, auf Doxycyclin (100 mg 2-mal täglich für 7 Tage) oder Azithromycin (1g-Einzeldosis). Primärer Endpunkt der Studie war ein negativer Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAAT) auf rektale Chlamydien nach 4 Wochen. Ergebnisdaten waren für 290 Männer in der Doxycyclin-Gruppe und 297 in der Azithromycin-Gruppe verfügbar.

Doxycyclin deutlich besser

Es zeigte sich, dass Doxycyclin bei der Heilungsrate Azithromycin deutlich überlegen war. Unter Doxycyclin konnten 281 von 290 Männern (96,9%; 95%-Konfidenzintervall: 94,9–98,9) geheilt werden, unter Azithromycin 227 von 297 Männern (76,4%; 95%-KI: 73,8–79,1). Das entspricht einer Risikodifferenz von 19,9% (p < 0,001). Auch bei den unerwünschten Ereignissen (Übelkeit, Durchfall, Erbrechen) schnitt Doxycyclin besser ab: Unter Doxycyclin traten bei 98 Männern (33,8%) Nebenwirkungen auf, unter Azithromycin bei 134 Männern (45,1%).

Die Ergebnisse der Studie von Lau und Kollegen sind konsistent mit einer 2015 durchgeführten Review von 8 Beobachtungsstudien, die ebenfalls gezeigt hatten, dass Doxycyclin bei rektalen Chlamydien wirksamer war als Azithromycin (99,6% vs 82,9%).

Vorsicht Resistenzen: Azithromycin nur sehr gezielt einsetzen

Azithromycin ist aber nicht nur weniger effektiv und verursacht mehr Nebenwirkungen: „Schon aufgrund möglicher Resistenzentwicklungen durch eine zu niedrige Dosierung oder einer Monotherapie z.B. bei Mycoplasma genitalium bei Gonokokken … sollte man Azithromycin nur sehr gezielt einsetzen“, betont Brockmeyer.

Das gilt nicht nur für die Behandlung von Chlamydien-Infektionen, sondern auch für die Therapie der Gonorrhoe, bei der Azithromycin in der dualen Therapie zusammen mit Ceftriaxon benötigt wird. „Die Resistenzen bei Gonorrhoe waren schon mal auf 2% gesunken, jetzt liegen sie wieder bei über 5%.

Wird also Azithromycin dazu noch zu niedrig dosiert, kann das dem Entstehen resistenter Mykoplasmen-Stämme Vorschub leisten. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass in den letzten Jahren Azithromycin-resistente Mykoplasma-Stämme deutlich zugenommen haben und die Resistenzrate insbesondere bei sexuell sehr aktiven Personen bis 80% gehen kann.

Kommt Azithromycin als Alternative für Patienten infrage, die allergisch auf Doxycyclin reagieren? Laut Brockmeyer sind davon glücklicherweise nur wenige Patienten betroffen. „Ist Doxycyclin aufgrund einer allergischen Reaktion oder wegen einer Schwangerschaft kontraindiziert, muss man abwägen, ob man zu Azithromycin greift oder ein anderes Antibiotikum einsetzt.“

Chlamydien-Infektionen werden häufiger

Chlamydien-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten (STI). Brockmeyers Einschätzung nach nehmen auch Chlamydien-Infektionen derzeit deutlich zu. Erhebungen von Brockmeyer und Kollegen am WIR zeigen Infektionsraten unter jungen Leuten von 6 bis 7%, in anderen Patientenkollektiven wurden aber auch deutlich höhere Raten von bis zu 18% gefunden.

„Dass Chlamydien-Infektionen in der Regel keine oder kaum Symptome verursachen, macht die Sache schwierig. Wären Symptome vorhanden, würden die Betroffenen auch zum Arzt gehen.“ Dabei können die Spätfolgen einer Chlamydien-Infektion gravierend sein und beispielsweise zum Verlust der Fertilität oder Problemen in der Schwangerschaft führen.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape erschienen.“

Bildquelle: © gettyImages/Teka77

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