12. Oktober 2020

Gebärmutterhalskrebs: HPV-Impfung senkt Risiko um 88 Prozent

Frauen, die als Jugendliche gegen HPV geimpft wurden, erkranken nur noch selten an Gebärmutterhalskrebs – und zwar um fast 90 Prozent weniger. Dies ergab nun eine im “New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Auswertung der schwedischen Gesundheits- und Bevölkerungsregister. Für die Auswertung wurden die Daten von über 1,6 Millionen Mädchen und Frauen über einen Zeitraum von elf Jahren genutzt.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Quelle: Bundesverband der Frauenärzte e.V.

„Diese Daten bestätigen, was seit vielen Jahren zum Beispiel aus Australien bekannt ist: Die HPV-Impfung schützt vor einer Infektion mit den gefährlichsten Humanen Papillomviren; sie schützt auch vor den Krebsvorstufen, was seit vielen Jahren bekannt ist. Kritiker behaupteten trotzdem immer wieder, dass Krebserkrankungen selbst vielleicht gar nicht seltener würden. Diese Bedenken sind nun eindeutig widerlegt“, erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Die Teilnehmerinnen wurden auf die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs bis zu ihrem 31. Geburtstag untersucht. Von den 518.319 Frauen in der Auswertung*, die vor dem 18. Geburtstag geimpft wurden, erkrankten nur 19 an einem Zervixkarzinom. Von den 528.347 Frauen der Auswertung ohne Impfung erkrankten dagegen 538 Frauen.

„Man weiß, dass die Impfung umso zuverlässiger schützt, je früher sie durchgeführt wird. Deshalb wird heute dringend empfohlen, dass Eltern ihre Kinder – Mädchen wie Jungen – im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen HPV-Infektionen impfen lassen, aber auf jeden Fall vor Aufnahme des Geschlechtsverkehrs. Bis zum 18. Geburtstag werden die Impfungen noch bezahlt“, so der Frauenarzt.

„Der moderne Impfstoff enthält sogar Antigene von neun Virusstämmen und ist deshalb der Impfung, die in dem Untersuchungszeitraum in Schweden verwendet wurde, noch überlegen.“ Die Impfung schützt nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor allen anderen Krebsarten und Veränderungen, die durch HP-Viren hervorgerufen werden, wie Krebs von Penis, Mundhöhle, Darmausgang, Schamlippen und auch vor Genitalwarzen.

Außerdem seien bei Frauen, die als Jugendliche eine HPV-Impfung erhalten haben, viel seltener Konisationen notwendig, betont Albring.

Die HPV-Impfung, so Albring, sollten alle Eltern deshalb heute als eine absolut sinnvolle und unerlässliche Vorsorge für die Gesundheit ihrer Kinder ansehen. Sowohl bei Frauen- wie beim Kinderarzt sind die Impfungen ab einem Alter von neun Jahren möglich. „Die Impfung gegen Krebs ist keine Pflicht. Aber sie ist ein Must-have“.

*Fast 600.000 Frauen mussten aus der Auswertung aus den unterschiedlichsten methodischen Gründen ausgeschlossen werden.

  1. 88 Prozent weniger Krebs – neue Daten aus Schweden machen die HPV-Impfung zum „Must have“; Berufsverband der Frauenärzte e.V.; 08.10.2020.
  2. Jiayao Lei, Alexander Ploner, K. Miriam Elfström, Jiangrong Wang, Adam Roth, Fang Fang, Pär Sparén, Karin Sundström, Joakim Dillner. HPV Vaccination and the Risk of Invasive Cervical Cancer. N Engl J Med 2020;383:1340-8. DOI: 10.1056/NEJMoa1917338

Bildquelle: © gettyImages/Manjurul

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