Hormontherapie verzögert biologische Alterung
Postmenopausale Frauen, die in England eine Hormonersatztherapie erhalten haben, sind im Durchschnitt biologisch jünger als Frauen, die diese Option nicht nutzen. Dies konnte eine Studie von chinesischen Forscherinnen und Forschern ermitteln, in die Daten von mehr als 117.000 Frauen einflossen.
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autor: Michael Simm
Kernbotschaften
Postmenopausale Frauen, die in England eine Hormonersatztherapie erhalten haben, sind im Durchschnitt biologisch jünger als Frauen, die diese Option nicht nutzen. Am größten war der Unterschied bei Frauen, die eine Hormontherapie im Alter von 55 Jahren oder darüber begonnen hatten (0,32 Jahre), und bei solchen, die 4 – 8 Jahre lang Hormone eingenommen hatten (0,25 Jahre). Dies zeigt eine Auswertung chinesischer Forscher, die in JAMA Network Open publiziert wurde.1
Hintergrund
Mit der Menopause tritt die biologische Alterung der Frau in eine neue Phase. Es stellt sich die Frage, inwiefern eine Hormontherapie diesen Alterungsprozess modifizieren könnte. Laut DAK wird sie von etwa 10-15 % der postmenopausalen Frauen in Deutschland zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen genutzt.
Studien-Design
Populations-basierte, retrospektive Kohortenstudie mit 117.763 postmenopausalen Frauen, die sich in der UK Biobank hatten registrieren lassen. Gefragt wurde nach der Assoziation zwischen einer Hormontherapie und möglichen Diskrepanzen zwischen dem biologischen und chronologischen Alter der Frauen sowie einem potenziell modifizierenden Einfluss des sozioökonomischen Status.
Das biologische (phänotypische) Alter wurde anhand der Gompertz-Funktion für 9 Biomarker (z.B. Albumin, Kreatinin, Glukosespiegel, mittleres Zellvolumen, weiße Blutzellen) kalkuliert, deren Werte bereits zu Studienbeginn erhoben wurden.
Ergebnisse
- Die Frauen waren durchschnittlich 60,2 Jahre alt, darunter hatten 40,3 % mindestens vorübergehend eine Hormontherapie erhalten. Das mittlere phänotypische Alter wurde als 52,1 Jahre bestimmt.
- Bei Frauen, die jemals eine Hormontherapie erhalten hatten, war die Differenz des chronologischen zum biologischen Alter geringer als bei Frauen ohne Hormontherapie. Sie waren also biologisch jünger, und zwar im Durchschnitt (ß) um 0,17 Jahre bei einem 95%-Konfidenzintervall von – 0,23 bis – 0,10.
- Der Unterschied war mit 0,32 Jahren (95%-KI 0,48 – 0,15) stärker ausgeprägt bei Frauen, die eine Hormontherapie im Alter von 55 Jahren oder darüber begonnen hatten, und bei solchen, die 4 – 8 Jahre lang Hormone eingenommen hatten (- 0,25 Jahre; 95%-KI – 0,35 bis – 0,15).
- Die Assoziation mit der verlangsamten biologischen Alterung war bei Frauen mit geringerem sozioökonomischen Status stärker ausgeprägt. Ein höherer Bildungsabschluss machte sich mit 0,08 Jahren bemerkbar, andere Bildungsabschlüsse mit 0,23 Jahren.
- Wie die Autoren anmerken ist der Zusammenhang zwischen einer Hormontherapie und einer geringeren Gesamtmortalität sowie Herz-Kreislaufmortalität wohl dokumentiert. Sie haben nun den Anteil der verzögerten biologischen Alterung diesbezüglich abgeschätzt und veranschlagen ihn mit 12,7 % (95%-KI 6,3 – 23,9).
Finanzierung
Postdoctoral Fellowship Program of China Postdoctoral Science Foundation.
Klinische Bedeutung
Die Forscher verweisen auf die, im statistischen Mittel, positiven Effekte der Hormontherapie und fassen ihre Analyse damit zusammen, dass „die Förderung der Hormontherapie bei postmenopausalen Frauen wichtig für ein gesundes Altern“ (sein könne). Indes seien weitere Untersuchungen nötig, um den klinischen Nutzen zu bestätigen.
Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.


