03. Januar 2019

DGGG-Kongress 2018

Grenzen der Mutterschaftsvorsorge durch Hebammen

Die gesetzlichen Vorgaben und der unterschiedliche Umfang der Ausbildung zum Gynäkologen und zur Hebamme zeigten die Grenzen für eine Mutterschaftsvorsorge durch Hebammen deutlich auf, erläuterte Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverband der Frauenärzte, auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. 2018 in Berlin. Erfahren Sie hier die Kernpunkte seines Vortrags.1

Lesedauer: 3 Minuten

Elf Jahre Medizinstudium vs. dreijähriger Ausbildung

Nach §24 des fünften Sozialgesetzbuches haben Frauen während der Schwangerschaft, bei und nach der Entbindung Anspruch auf ärztliche Betreuung sowie auf Hebammenhilfe. Die Mutterschaftsrichtlinie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung hat das Ziel, mögliche Gefahren für Leben und Gesundheit von Mutter oder Kind abzuwenden sowie Gesundheitsstörungen rechtzeitig zu erkennen und der Behandlung zuzuführen.

Laut Gesetz soll die Ausbildung zur Hebamme insbesondere dazu befähigen, Frauen während der Schwangerschaft Rat zu erteilen und die notwendige Fürsorge zu gewähren.

Ärztliche Kompetenz: Garant für Senkung der Mütter- und Säuglingssterblichkeit

Doch aus Sicht von Dr. Albring waren und sind Garanten der erfolgreichen Senkung von Mütter-und Säuglingssterblichkeit in Deutschland vor allem

  • die hohe ärztliche Kompetenz,
  • die strukturierte, flächendeckende Schwangerenvorsorge in frauenärztlicher Hand,
  • die Früherkennung, Milderung oder Beseitigung von Risiken,
  • die strikte Umsetzung modernster Erkenntnisse und
  • die regelhafte Klinikgeburt.

“Frauenärztinnen und Frauenärzte beraten und behandeln im Rahmen des Preconception Counselling bereits vor der Schwangerschaft zu Alkohol-und Nikotingebrauch, Ernährung, Stressreduzierung und zum Impfen, in der Schwangerschaft erweitert auf Allergieprophylaxe, Infektionen und Hygienemaßnahmen. Die Vorgaben verlangen auch die Information der Mutter zu Ultraschall, Recht auf Nichtwissen, Diabetes-Screening und gegebenenfalls auch zur nicht-invasiven oder invasiven Pränataldiagnostik”, betonte der BVF-Präsident in Berlin.

Stellte sich früher die Frage der Wahl von Frauenarzt oder Hebamme in der Schwangerenbetreuung gar nicht, so führte bei rückläufigen Geburtenzahlen eine fehlende Bedarfsplanung seit Beginn der neunziger Jahre zu einer massiven Überversorgung mit Hebammen, erklärte er weiter.

Da lag es für die Berufsgruppe nah, ein neues Betätigungsfeld zu suchen, das auch die Vorteile des Entfalls von Schicht-und Nachtdiensten bietet. 91% der freiberuflichtätigen Hebammen führten 2010 eine Schwangerenbetreuung durch. Die Zahl der nur noch in Teilzeit im Krankenhaus beschäftigten nahm zwischen 1991 und 2010 um 31,7 % zu.

Frühgeburtenrate muss weiter gesenkt werden

Sein Fazit: Es wäre fatal anzunehmen, dass das heutige Erfolgsergebnis quasi von selbst entstanden wäre. Auch zukünftig sind intensive frauenärztliche Anstrengungen nötig,um das Erreichte zu bewahren und die Probleme anzugehen. Beispielsweise muss die Frühgeburtenrate weiter gesenkt werden: Mikroskopie und Scheidenultraschalle (sowie die Progesteron Therapie) können eine 30% Reduzierung schaffen, wie die neue Studie von Frauenärztinnen/Frauenärzten und der AOK Nordost eindringlich bewiesen hat.

“Nur Frauenärzte haben eine Ausbildung in Psychosomatik”

Die Prävalenz der mütterlichen Depression, die mit Frühgeburtlichkeit und einer hohen Kaiserschnittrate verbunden ist, liegt bei etwa 17%. Nur Frauenärztinnen und Frauenärzte haben eine Ausbildung in Psychosomatik. Neue Erkenntnisse, wie zu epigenetischen Mechanismen zur intrauterinen Fehlprogrammierung des Feten – die vor Eintritt und während einer Schwangerschaft noch positiv beeinflusst werden können – müssen permanent in die Betreuung einfließen.

Frauenärztinnen und Frauenärzte sind dazu verpflichtet, sich lebenslang weiterzubilden. Auch die Zunahme von Risikoschwangerschaften und -geburten bei steigendem Alter der Erstgebärenden und dem damit verbundenen Anstieg von Komorbiditäten und Frühgeburtlichkeit macht die ärztliche Schwangerenvorsorge heute noch unverzichtbarer.

1. 62. Kongress der DGGG,31. Oktober -3. November 2018, CityCubeBerlin: Grenzen der Mutterschaftsvorsorge durch Hebammen

Titelbild: © iStock.com/MartinPrescott

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653