21. Januar 2019

Gebärmutterhalskrebs: Epigenetik statt Pap- und HPV-Test?

Zur Früherkennung des Zervixkarzinoms werden bisher vor allem Pap-Abstrich und HPV-Test eingesetzt. Mit dem PAP-Abstrich werden jedoch viele Karzinome nicht erkannt, und der HPV-Test führt oft zu Überdiagnosen. Ein neuer Test könnte eine Alternative sein und die bisherigen Tests sogar ablösen.

Lesedauer: 3 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf einer aktuellen Untersuchung aus dem „International Journal of Cancer“ 1 und einem Medscape-Artikel. 2

Pap- und HPV-Tests weisen viele Schwächen auf

Mit dem gängigen Pap-Abstrich, bei dem unter dem Mikroskop nach Auffälligkeiten der entnommenen Zellen gesucht wird, werden nur etwa 50% aller Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses entdeckt. Empfindlicher ist der HPV-Test, der nach Erbmaterial der humanen Papillomviren (HPV) sucht, die bekanntlich nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs auslösen. Dieser Test ist deutlich sensitiver, führt aber auch zu vielen Überdiagnosen, da HPV-Infektionen insbesondere bei jungen Frauen sehr verbreitet sind und meist folgenlos wieder ausheilen. Es wird daher nach neuen Testverfahren gesucht, die eine vergleichbare Sensitivität, aber eine höhere Spezifität bei der Erkennung gefährlicher Krebsvorstufen und damit einen höheren positiven prädiktiven Wert (PPV) aufweisen.

Neue Methode: Über 15.000 Patientinnen in die Studie eingeschlossen

Solche neuen Tests können auf dem Nachweis epigenetischer Veränderungen in Form einer Methylierung der DNA an regulatorischen Sequenzen beruhen, die bereits mit der Progression eines Zervixkarzinoms in Zusammenhang gebracht wurden. Einer dieser Testverfahren – ein sogenannter S5-Classifier – wurde jetzt bei 15.744 kanadischen Teilnehmerinnen des „HPV FOCAL Randomized Clinical Trial“ untersucht, wie der Erstautor der Publikation, Darrel Cook vom BC Centre for Disease Control und der BC Cancer Agency in Vancouver (British Columbia) berichten. Die Frauen waren zwischen 25 und 65 Jahre alt und wurden über fünf Jahre nachverfolgt.

8 von 8 Tumore diagnostiziert HPV-Test nur 4 Pap-Abstrich 2

In diesem Zeitraum entwickelten 8 Frauen ein invasives Zervixkarzinom. Mit dem neuen Test ließen sich alle 8 Tumore des Gebärmutterhalses aufspüren – einschließlich der schwer zu diagnostizierenden Adenokarzinome, berichten die Forscher. Mit dem Pap-Abstrich gelang das nur bei 2 und mit dem HPV-Test bei 4 der betroffenen Frauen.

Verbesserter Nachweis von gefährlichen Vorstufen

Besonders wichtig sei es bei einem Screening aber auch, die behandlungsbedürftigen Krebsvorstufen (CIN3+) aufzuspüren, bevor ein invasiver Tumor entstehe. Mit dem S5-Test konnten in einer verblindeten Fall-Kontroll-Studie bei 257 HPV-positiven Frauen 93% der hochgradigen zervikalen Läsionen (CIN3+) nachgewiesen werden lassen. Mit der Kombination von Pap- und HPV-Test gelang dies bei 86% der Frauen und mit einem Pap-Abstrich allein nur bei 61%. Damit sei das auf epigenetischen Veränderungen beruhende Verfahren hier trotz geringerer Kosten dem Pap-Abstrich und dem HPV-Test überlegen, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Ein weiterer wichtiger Parameter ist der positive prädiktive Wert (PPV), der Auskunft darüber gibt, ob positiv getestete Frauen auch wirklich eine Krebsvorstufe haben oder in Zukunft daran erkranken. Hier lieferte der Test vergleichbare Ergebnisse wie die Kombination von Pap-Abstrich und HPV-Test (18 vs. 19%). Wichtiger Vorteil sei, dass sich das gleiche Ergebnis mit nur einem einzigen Test erzielen lässt. 

Wann kommt die neue Methode in Praxen an?

Der Seniorautor der aktuellen Studie, Prof. Dr. Attila Lorincz vom Wolfson Institute of Preventive Medicine der britischen Queen Mary University of London spricht in einer Pressemitteilung seiner Universität von einer enormen Entwicklung, die in Zukunft das Screening sicherer und kostengünstiger machen könnte. Bis der neue Test Eingang in die Praxen findet, wird es aber noch mindestens fünf Jahre dauern.  

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