13. März 2020

Coronavirus-Epidemie

Aktuelle FAQs für schwangere Frauen und ihre Familien

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es international keinen Hinweis, dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Hier erhalten Sie wichtige Informationen für Schwangere. 1

Lesedauer: 8 Minuten

Quelle: Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) vereint im German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) (Stand: 12. März 2020). Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Sind Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter als andere Frauen?

  • Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es international keinen Hinweis, dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Es wird erwartet, dass die große Mehrheit der schwangeren Frauen nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe aufweist. Schwerwiegendere Symptome wie Lungenentzündung scheinen bei älteren Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Langzeiterkrankungen häufiger zu sein. Wenn eine bereits vor der Schwangerschaft bestehende Herz- oder Lungenerkrankung vorliegt, könnten eher Komplikationen bei Atemwegsinfektion wie bei der Coronavirusinfektion eintreten.

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf das Kind, wenn bei der Mutter eine Infektion diagnostiziert wird?

  • Da es sich um ein sehr neues Virus handelt, fangen wir gerade erst an, etwas darüber zu lernen. Es gibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übertragen werden kann (dies wird als vertikale Übertragung bezeichnet). Es wird daher als unwahrscheinlich angesehen, dass das Virus beim Fetus zu Anomalien führt. Bislang wurde international nur über 20 Schwangerschaften berichtet, alle fanden in China statt. In keinem Fall war ein Neugeborenes infiziert. Es wurden keine Auffälligkeiten bei Mutter und Kind berichtet.

Was können Patientinnen tun, um das Risiko, am Coronavirus zu erkranken, zu verringern?

Welche Reisehinweise gelten für Schwangere?

  • Prinzipiell gilt, dass Schwangere zur Vermeidung einer Übertragung Abstand zu Mitreisenden halten sollten – im Alltag, als auch unterwegs in Bahnen, Bussen etc.. Wenn sie sich in Deutschland befinden, sollten sie den Ratschlägen des Bundesministeriums für Gesundheit folgen (www.bundesgesundheitsministerium.de), die regelmäßig entsprechend der sich entwickelnden Situation gemeinsam mit weiteren Bundesministerien und dem RKI aktualisiert werden. Alle Personen, einschließlich schwangerer Frauen, sollten vor Reiseantritt sicherstellen, dass sie über angemessene Versicherungsvereinbarungen verfügen. Werdende Mütter sollten auch überprüfen, ob ihre Reiseversicherung die Geburt und Betreuung des Neugeborenen abdeckt, für den Fall dass sie im Ausland gebären sollten. Bezogen auf das Ausland ist das Reiserisiko für Schwangere nicht höher ist als für andere Reisende. Beachten Sie bitte die Seite des Auswärtigen Amts mit Reisewarnungen für bestimmte Gebiete (www.auswaertiges-amt.de).

Was gilt, wenn Schwangere engen Kontakt zu Personen hatten, die auf COVID-19 positiv getestet wurden?

  • Eine Corona-Infektion äußert sich durch grippeähnliche Symptome, wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Die Schwangere sollte sich telefonisch an ihre Frauenärztin bzw. ihren Frauenarzt wenden. Ebenfalls wird empfohlen, dass die Schwangere sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen telefonisch an das zuständige Gesundheitsamt wendet, oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 anruft.

Was soll eine Schwangere tun, wenn sie positiv auf das Coronavirus getestet wurde?

  • Wenn die Schwangere positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sollte sie sich telefonisch an Ihre/n Frauenärztin/-arzt wenden, um auf ihre Diagnose aufmerksam zu machen. Wenn sie keine oder leichte Symptome hat und keine Risikofaktoren für Komplikationen bei ihr oder weiteren Personen im Haushalt vorliegen (z. B. relevante chronische Grunderkrankungen), kann sie sich unter Betreuung durch einen behandelnden Arzt zu Hause zu erholen.

Wann sollte die Schwangere isoliert werden?

  • Eine Isolation wird empfohlen, wenn:

    • die Schwangere mit jemandem in Kontakt gekommen ist, der an einer Coronavirusinfektion leidet;
    • sie ein bestimmtes Gebiet oder Land besucht hat, in denen COVID-19-Fälle vorkommen oder das als Risikogebiet ausgewiesen wurde;
    • sie Symptome hat, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hinweist, und darauf wartet, getestet zu werden oder auf ihre Ergebnisse;
    • sie positiv auf das Coronavirus getestet wurde und es ihr empfohlen wurde, sich zu Hause zu erholen.

Kriterien zur Aufhebung von Isolierungsmaßnahmen und zur Entlassung aus dem Krankenhaus

  • Nach aktuellem Wissensstand ist eine Entisolierung zu Hause bzw. Entlassung aus der Klinik frühestens 10 Tage nach Symptombeginn und Erfüllung ALLER folgender Kriterien vertretbar:

    • Fieberfreiheit seit mind. 48 Stunden;
    • Symptomfreiheit seit mind. 24 Stunden bezogen auf die akute COVID-19-Erkrankung

    sowie

    • 2 negative SARS-CoV-2-PCR-Untersuchungen im Abstand von 24 Stunden gewonnen aus Mund-Rachen-Abstrichen.

Was sollen Schwangere tun, wenn sie sich isolieren sollen?

  • Schwangere, denen geraten wurde, sich selbst zu isolieren, sollten im Haus bleiben und 14 Tage lang den Kontakt mit anderen vermeiden. Das RKI gibt hierzu dezidierte Empfehlungen.

    Konkret bedeutet das:

    • nicht zur Schule oder zur Arbeit oder in öffentliche Bereiche zu gehen;
    • keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen – zu Hause bleiben und keine Besuche erlauben;
    • Räume, in denen sie sich aufhält, lüften
    • sich so weit wie möglich von anderen Personen im Haushalt trennen, indem die Schwangere ihre eigenen Handtücher, Geschirr und Utensilien verwendet und zu unterschiedlichen Zeiten isst;
    • Freunde bitten, Einkäufe oder Lieferdienste zu übernehmen. Die Übergabe der Gegenstände sollte dann ohne direkten Kontakt erfolgen.

Welche Auswirkungen hat eine bestätigte Covid-19-Infektion auf den Ort, an dem die Frau gebärt?

  • Als Vorsichtsmaßnahme wird schwangeren Frauen mit Verdacht auf oder bestätigter Coronavirus-Infektion bei Wehen empfohlen, zur Geburt eine Klinik aufzusuchen, in der das Baby kontinuierlich elektronisch überwacht und der Sauerstoffgehalt stündlich geprüft werden kann. Die kontinuierliche Überwachung des Fetus dient dazu, zu überprüfen, wie Ihr Baby auf Wehen reagiert. Da eine kontinuierliche Überwachung des Fetus nur in einer geburtshilflichen Abteilung stattfinden kann, in der Ärzte und Hebammen anwesend sind, wird nicht empfohlen, zu Hause oder in einem Geburtshaus zu gebären, in dem nur Hebammen anwesend sind.

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