12. November 2020

Geburtshilfe

Erhöht Epiduralanästhesie das Autismusrisiko?

Eine US-amerikanische Kohortenstudie, veröffentlicht in JAMA Pediatrics, will bei Kindern, die unter Epiduralanästhesie (EDA) geboren wurden, ein signifikant höheres Risiko für eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) nachgewiesen haben. Allerdings weist die Studie eklatante Designfehler auf.1-3

Lesedauer: 1 Minute

Redaktion: Maria Weiß, Dr. med. Laura Cabrera

Risiko scheint um 37% erhöht…

Ausgewertet wurden Daten von 147.895 zwischen 2008 und 2015 vaginal entbundenen Kindern, die entweder bis zur Diagnosestellung einer ASS oder bis 2018 nachverfolgt wurden.

Bei 109.719 Geburten (74,2 %) war eine EDA durchgeführt worden und Fieber während der Geburt trat wie erwartet in der EDA-Gruppe signifikant häufiger auf (11,9 vs. 1,3 %). In der EDA-Gruppe wurde häufiger eine ASD diagnostiziert (1,9 vs. 1,3 %).

Nach Berücksichtigung verschiedener Kofaktoren wie Komorbiditäten, Gestationsalter etc. war das ASS-Risiko nach einer EDA um 37 % erhöht (Hazard Ratio 1.37, 95% KI 1.23-1.53). Dabei zeigte sich ein Trend zu einem zunehmenden Risiko mit längerer Dauer der EDA. Die Berücksichtigung von mütterlichem Fieber während der Geburt änderte nichts an dem Risiko durch die EDA-Exposition.

…wären da nicht massive Fehler im Studiendesign

Einige Kollegen haben sich in der Kommentarfunktion unter dem Artikel bei JAMA Pediatrics kritisch geäußert, denn die Autoren haben die erbliche Komponente einer ASS nicht als Kofaktor in ihre Analyse mit einbezogen. So haben die Forscher nicht untersucht, ob es bereits eine genetische Vorbelastung in der Familie gab. Zudem exisiteren Hinweise darauf, dass Menschen mit hochfunktionaler ASS schmerzempfindlicher sind.2

Nicht zuletzt handelt es sich um eine Kohorte aus den USA – Frauen mit schlechterem sozio-ökonomischen Status entschieden sich öfter gegen eine EDA. Außerdem wurden Kinder, die bis zu ihrem ersten Lebensjahr nicht krankenversichert waren, vom Follow-up ausgeschlossen.3

Deshalb kann auf Grundlage dieser Studie keine kausale Verknüpfung der EDA mit einer ASS hergestellt werden.

  1. Chunyuan Qui et al;  Association Between Epidual Analgesia During Labor and Risiko f Autism Spectrum Disorders in Offspring; JAMA Pediatr (2020);  doi:10.1001/jamapediatrics.2020.3231
  2. Gu, Xiaosi et al. “Heightened brain response to pain anticipation in high-functioning adults with autism spectrum disorder.” The European journal of neuroscience vol. 47,6 (2018): 592-601. doi:10.1111/ejn.13598
  3. Royal College of Anesthesists: No evidence that labour epidurals cause autism. Pressemitteliung vom 13.10.2020

Bildquelle: © gettyImages/ChaNaWiT

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