14. April 2021

Stellungnahme der Gynäkologen

Erschwerter Zugang zu Cytotec® erzeugt Versorgungslücke

Der Import von Cytotec® (200µg) nach Deutschland soll eingestellt werden. Gynäkologische Fachgesellschaften bewerten diese Entwicklung als besorgniserregend: Denn hiervon seien auch Behandlungsfelder betroffen, die nichts mit der Geburtseinleitung zu tun haben.1

Lesedauer: 2 Minuten

Verschiedene gynäkologische Behandlungsfelder betroffen

Die Berichterstattung in der Laienpresse, welche maßgeblich zur Entscheidung des erschwerten Zugangs zu Cytotec® geführt hat, außer Acht, dass das Medikament Cytotec® in verschiedenen Bereichen der Gynäkologie und Geburtshilfe eingesetzt wird. Weltweit und auch in Deutschland wird es verwendet:

  • zur Vorbereitung von Eingriffen an der Gebärmutter,
  • zur Behandlung von Fehlgeburten und
  • bei starken Blutungen nach einer Geburt.

Misoprostol steht auf der Liste unentbehrlicher Medikamente

Die Wirksamkeit von Cytotec® bei Fehlgeburten und bei lebensbedrohlichen Blutungen nach der Geburt hat die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) bereits vor Jahren veranlasst, dass der in Cytotec® enthaltene Wirkstoff Misoprostol auf die Liste unentbehrlicher Medikamente gesetzt wird, weil hierdurch Frauen vor einem gesundheitlichen Schaden oder gar vor dem Verblutungstod geschützt werden können.

Erschwerter Zugang erzeugt Versorgungslücke

Falsch ist, so die Fachgesellschaften in ihrer Stellungnahme weiter, dass durch den erschwerten Zugang zu Cytotec® keine Versorgungslücke entsteht. Es wurde zwar mittlerweile zur Geburtseinleitung am Termin ein Misoprostol-Präparat zugelassen, dieses ist aber für die anderen Indikationen (Blutungen und Fehlgeburten) zu niedrig dosiert. Für diese Indikationen gibt es keinen adäquaten Ersatz, wenn Cytotec® nicht mehr zur Verfügung stünde.

Konfliktsituation bei medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen

Es gilt auch zu bedenken, dass die zunehmend in Deutschland von den Frauen gewünschte und im Ausland sehr übliche medikamentöse Alternative zur operativen Ausschabung bei Fehlgeburten oder auch Schwangerschaftsabbrüchen nicht mehr in gleicher Breite wie bisher angeboten werden kann. Hierdurch sind weitere negative Folgen für die Frauengesundheit anzunehmen.

Den gynäkologischen Fachgesellschaften ist sehr wohl bewusst, dass diese Folgen nicht die Intention der medialen Berichterstattung gewesen ist. Der daraus folgende erschwerte Zugang von Cytotec® geht aber zu Lasten der uns anvertrauten Patientinnen – und das bundesweit.

Autoren:
Prof. Dr. med. habil. Sven Kehl (Erlangen),
Prof. Dr. med. Michael Abou-Dakn (Berlin)

An der Stellungnahme haben mitgearbeitet: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG), Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin e. V. in der DGGG (AGG), Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe e.V. (BLFG), Berufsverband der Frauenärzte (BVF), Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DPGM) e. V. und Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e. V. (DGPGM). Zum Download der Stellungnahme [pdf]

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