07. Mai 2021

Corona-Impfung: STIKO für Impfung bestimmter Schwangerer

Die STIKO hält sich zwar weiterhin mit einer generellen Empfehlung für Schwangere zurück, empfiehlt aber nun die Impfung für Schwangere mit erhöhtem Expositionsrisiko (18.05.2021). Mehrere medizinische Fachverbände hatten sich letzte Woche für eine allgemeine priorisierte Covid-19-Schutzimpfung für schwangere und stillende Frauen ausgesprochen. 1,2

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STIKO für Impfung bestimmter Schwangerer (Update 18.05.2021)

Die Ständige Impfkommission sieht weiterhin keine sichere Datenlage für eine generelle Impfempfehlung von Schwangeren. Dennoch weist die Behörde in der fünften Aktualisierung der STIKO-Impfempfehlung auf den häufiger schwereren Infektionsverlauf bei Schwangeren gegenüber Nicht-Schwangeren hin.

Bestehende Komorbiditäten sowie höheres mütterliches Alter sind hierbei Risikofaktoren für einen schweren Covid-19 Verlauf bei Schwangeren. Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung oder mit einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände kann nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung ab dem 2. Trimenon angeboten werden. In diesem Fall sollen, wegen der Alterseinschränkung für die Vektor-basierten Impfstoffe, mRNA-Impfstoffe ver-wendet werden.

Fachgesellschaft für priorisierte Impfungen von Schwangeren

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich 11 medizinische Fachverbände, darunter der Berufsverband der Frauenärzte e. V. (BVF), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG), die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin e. V. (DGPM), die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e. V. (DGPGM) und die AG Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG e. V. (AGG) für eine priorisierte COVID-19-Schutzimpfung für schwangere und stillende Frauen mit einem mRNA-basiertem Impfstoff ausgesprochen.

Die wissenschaftliche Datenlage zeige aus ihrer Sicht, dass eine Covid-19-Erkrankung in der Schwangerschaft eine ernsthafte Gefahr für Mutter und Kind darstellen kann. Im Vergleich zu Nicht-Schwangeren macht ein entsprechender Ausbruch sechsmal häufiger eine intensivmedizinische Betreuung nötig. Eine Beatmung ist sogar 23-mal häufiger notwendig, als bei der nicht schwangeren Vergleichsgruppe.  

Bisher galt für die Covid-19-Impfung der STIKO-Empfehlung folgend, dass Schwangere mit Vorerkrankungen und daraus resultierendem Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung nach Abwägung der individuellen Vorteile und Risiken im Einzelfall geimpft werden können, eine generelle Impfempfehlung aber nicht ausgesprochen wurde. Die Fachgesellschaften haben nun folgende Empfehlungen zusammengetragen:

Die Covid-19-Impfung von Schwangeren mit mRNA-basierten Impfstoffen

  • führt nicht vermehrt zu schwangerschaftsspezifischen Komplikationen: Die systematische Nachbeobachtung mRNA-basiert geimpfter Schwangerer im US-amerikanischen V-safe Pregnancy Register (100.599 registrierte Frauen, die einen mRNA-Impfstoff in der Schwangerschaft erhielten; 4.711 analysierte Schwangerschaften; Stand 26.04.2021) zeigt keinen Hinweis für vermehrte Komplikationen (Abort, Totgeburt, Frühgeburt, fetale Wachstumseinschränkung, Fehlbildungen, neonatales Versterben).
  • führt nicht zu einem erhöhten Morbiditäts-oder Mortalitätsrisiko für die Schwangere oder die Feten.
  • weist keine Unterschiede im Nebenwirkungsprofil im Vergleich zu Nicht-Schwangeren auf.
  • kann durch die durch Impfimmunisierung gebildeten und transplazentar übertragenen mütterlichen Antikörper einen potenziellen Infektionsschutz (Leihimmunität) für das Neugeborene bewirken. So kann neben der Schwangeren potenziell auch das Kind geschützt werden: Impfinduzierte Antikörper konnten nach mRNA-basierter Covid-19-Impfung Schwangerer äquivalent zu Nicht-Schwangeren nachgewiesen werden. Die Antikörpertiter sind signifikant höher als nach einer Infektion. Mütterliche IgG-Antikörper konnten mit hohem Übertrittsverhältnis beim Neugeborenen nachgewiesen werden.

Eine SARS-CoV-2-Infektion / Covid-19-Erkrankung in der Schwangerschaft

  • kann zu schweren Verläufen der Covid-19-Erkrankung führen: Im Vergleich zu Nicht-Schwangeren ist 6-fach häufiger eine intensivmedizinische Betreuung und eine Beatmung mehr als 23-mal häufiger notwendig. Vorerkrankungen (z.B. Hypertonus, Diabetes mellitus), mütterliches Alter über 35 Jahren und Adipositas stellen dabei Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf bei Schwangeren dar. Auch Risikoschwangerschaften weisen im Falle einer SARS-CoV-2-Infektion ein höheres Risiko komplikativer maternaler Verläufe auf.
  • führt bei altersentsprechend niedriger Gesamtmortalität bis zu einer 26-fach erhöhten Sterblichkeit von Schwangeren mit Covid-19: 141 vs. 5,0 Todesfälle pro 100.000 Frauen.
  • führt gehäuft zu schwangerschaftsspezifischen und peripartalen Komplikationen: Es besteht ein bis zu 80% höheres Risiko einer Frühgeburt nach SARS-CoV-2-Infektion. Bei schweren Covid-19-Verläufen ist die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt mehr als 4-mal so häufig. Die Rate an Totgeburten ist erhöht. Bereits bei asymptomatischer SARS-CoV-2-Infektion haben Schwangere ein über 80% erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie. Bei schweren Verläufen steigt auch hier die Erkrankungswahrscheinlichkeitauf über das 4-fache an. Ein um das 4,5-fach erhöhtes Risiko besteht für thromboembolische Ereignissebei SARS-CoV-2-Infektion. Neugeborene wurden 3-mal häufiger auf eine neonatologische Intensivstation verlegt. Eine mögliche prä-und perinatale vertikale Transmission von SARS-CoV-2 wird diskutiert, ist jedoch insgesamt selten.

Die Covid-19-Impfung von Stillenden mit mRNA-basierten Impfstoffen

  • weist eine gleichwertige Antikörperbildung und ein ähnlich geringes Nebenwirkungsprofil wie in der Schwangerschaft und bei nicht-schwangeren Frauen auf.
  • kann eine Nestimmunität hervorrufen, da impfinduzierte Antikörper in der Muttermilch nachgewiesen werden können.
  • erfordert keine Stillpause oder -verzicht, da die mRNA des Impfstoffes nicht in der Muttermilch nachgewiesen werden konnte.

Die Empfehlungen im Überblick

Auch wenn dies über die derzeit gültige STIKO-Empfehlung hinausgeht, konsentieren die Fachgesellschaften nach sorgfältig geführter Nutzen-Risiko-Abwägung zur Frage der Covid-19-Impfung von Schwangeren und Stillenden:

In informierter partizipativer Entscheidungsfindung und nach Ausschluss allgemeiner Kontraindikationen wird empfohlen, Schwangere priorisiert mit mRNA-basiertem Impfstoff gegen Covid-19 zu impfen.

Um Schwangere auch indirekt zu schützen, wird weiterhin die priorisierte Impfung von engen Kontaktpersonen von Schwangeren, insbesondere deren Partner/-innen, sowie Hebammen und Ärzte/-innen empfohlen.

Es wird empfohlen, stillenden Frauen eine mRNA-basierte Impfung gegen Covid-19 anzubieten und zu ermöglichen.

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