03. Mai 2021

Vorläufige Entwarnung

Corona-Impfung Schwangerer birgt keine erhöhten Risiken für Mutter und Kind

Erste Analyse aus den USA zeigen keine Hinweise darauf, dass die Covid.19-Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna für schwangere Frauen weniger sicher sein könnten als für die weibliche Normalbevölkerung.1

Lesedauer: 3 Minuten

Kernbotschaften

Aus drei Impfmonitoring-Systemen der USA sind Daten zur Sicherheit von SARS-CoV-2-Impfstoffen der Hersteller BioNTech/Pfizer und Moderna bei Schwangeren ausgewertet worden. Die Analysen ergeben keine Hinweise darauf, dass diese beiden mRNA-Vakzine für schwangere Frauen weniger sicher sein könnten als für die weibliche Normalbevölkerung. Auch Fehlgeburten waren nicht häufiger als in vergleichbaren Populationen ungeimpfter Frauen.

Hintergrund

Die Frage, ob Impfungen gegen SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft mit erhöhten Risiken für Mutter und Kind assoziiert sind, hat große klinisch-praktische Bedeutung. Denn bei Frauen, die sich in der Schwangerschaft mit dem Virus infizieren, verläuft Covid-19 häufiger schwer und auch lebensbedrohlich als in vergleichbaren Populationen nichtschwangerer Frauen (1). Schwangere waren von den SARS-CoV-2-Impfstudien ausgeschlossen. Wegen unzureichender Datenlage zur Anwendung der mRNA-Impfstoffe in der Schwangerschaft empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) die Impfung in dieser Situation daher nicht. Dagegen vertreten die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) die Auffassung, schwangeren Frauen solle nicht grundsätzlich von einer Impfung abgeraten werden. Eine erste Analyse von Daten aus drei Monitoring- und Surveillance-Systemen könnte die Auffassung des CDC und der Fachgesellschaft stützen (2).

Design

Datenbasis

  • v-safe after vaccination health checker, ein Smartphone-basiertes Surveillancesystem, bei dem sich Geimpfte freiwillig registrieren und Reaktionen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung melden
  • v-safe pregnancy registry, eine Subpopulation aus dem v-safe-Register von Frauen, die eine Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Impfung dokumentiert haben und anschließend telefonisch befragt wurden
  • Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS), ein von FDA und CDC eingerichtetes Spontanerfassungssystem für unerwünschte Reaktionen auf Impfungen
  • 54 % der Teilnehmerinnen hatten die Vakzine von BioNTech/Pfizer erhalten und 46 % die von Moderna.

Hauptergebnisse

  • Bei 35.691 Teilnehmerinnen im Alter zwischen 16 und 54 Jahren war zum Zeitpunkt der Impfung eine Schwangerschaft belegt oder sie waren zeitnah schwanger geworden. Diese Frauen berichteten häufiger als Personen einer vergleichbaren Kontrollpopulation über Schmerz an der Injektionsstelle, aber seltener über systemische Reaktionen wir Kopfschmerz, Myalgien, Schüttelfrost und Fieber.
  • 3.958 Frauen konnten intensiver vom CDC befragt werden, die meisten (94,0 %) waren Mitarbeiterinnen des Gesundheitssystems.
  • 13,9 % der 827 Frauen mit abgeschlossener Schwangerschaft – die meisten von ihnen waren im dritten Trimester geimpft worden – hatten eine Fehlgeburt und 86,1 % brachten ein lebendes Kind zur Welt. Es gab keine neonatalen Todesfälle.
  • Im Vergleich zu Populationen mit entsprechenden demografischen, soziodemografischen und klinischen Merkmalen war die Rate der Fehlgeburten bei Schwangeren nicht erhöht.

Klinische Bedeutung

Auch wenn die Ergebnisse dieser Registeranalyse vorläufig seien und nur erste Anhaltspunkte für die Verträglichkeit von mRNA-Vakzinen bei schwangeren Frauen liefern könnten: Die positive Botschaft sei, dass es keine neuen Sicherheitssignale bei mRNA-Vakzinen gebe, so das Autorentam vom CDC. Selbstverständlich entspreche die Datenqualität nicht der von kontrollierten Studien und diese müssten nun folgen, inklusive größerer Longitudinalstudien. Dennoch könnten die Ergebnisse eine erste Grundlage für die Entscheidungsfindung für oder gegen eine Impfung bei Schwangerschaft sein, so die Experten.

Die US-amerikanische Fachgesellschaft ACOG empfiehlt Ärztinnen und Ärzten, schwangeren Frauen, die eine Impfung erwägen, nicht generell davon abzuraten, sondern sie intensiv über bekannte und auch über unbekannte Aspekte von Effektivität und Sicherheit zu informieren. Dabei seien außer den individuellen Risiken für Mutter und Kind auch epidemiologische Gesichtspunkte und Perspektiven zum Zeitpunkt der geplanten Impfung zu berücksichtigen.

Dieser Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.de

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