10. August 2021

CMV-Erstinfektion in der Schwangerschaft

Hyperimmunglobulin bietet keinen Schutz

Bei einer Erstinfektion mit Zytomegalie-Viren (CMV) in der Schwangerschaft droht eine Übertragung auf das ungeborene Kind mit schweren Folgeschäden. Lässt sich die Infektion der Kinder durch die Gabe von CMV-Hyperimmunglobulin verhindern? Dieser Frage ging das Team um Dr. Brenna Hughes von der Duke University School of Medicine in Durham, USA, nach. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Bei einer CMV-Erstinfektion in der Schwangerschaft kommt es in etwa 35 bis 40 % der Fälle zu einer fetalen Infektion und 10 % der betroffenen Kinder sind bei Geburt symptomatisch. Zu den Symptomen gehören Totgeburten und Todesfälle im Neugeborenenalter, Taubheit sowie kognitive und motorische Entwicklungsverzögerungen. Hinzu kommen weitere 20 % zuerst asymptomatischer Kinder, die im weiteren Verlauf noch neurologische Defizite (meistens Taubheit) entwickeln. Bisher gab es zum Einsatz von CMV-Hyperimmunglobulin bei den Schwangeren nur kleinere Beobachtungsstudien mit unterschiedlichen Resultaten.

In die doppelblinde Multicenter-Studie wurden 394 Frauen aufgenommen, die in der Schwangerschaft vor der 24. Gestationswoche positiv auf eine CMV-Erstinfektion getestet wurden. Die Schwangeren erhielten randomisiert entweder eine monatliche Infusion von CMV-Hyperimmunglobulin (100 mg/kg Körpergewicht) oder Placebo. Primärer Endpunkt war eine fetale CMV-Infektion bzw. ein fetaler oder neonataler Kindstod bei fehlendem CMV-Nachweis.

Studie vorzeitig beendet

Da kein positiver Effekt der Therapie nachweisbar war, wurde die Studie vorzeitig gestoppt. In der mit Immunglobulin behandelten Gruppe erreichten 22,7 % der Kinder den Endpunkt, in der Placebogruppe waren es 19,4 %. Die Zahl der fetalen oder neonatalen Todesfällen war in der mit Hyperimmunglobulin behandelten Gruppe höher als unter Placebo (4,9 vs. 2,6 %) – genauso wie Frühgeburtlichkeit (12,2 % and 8,3 %) und Geburtsgewicht unter der 5. Perzentile (10,3 vs. 5,4 %). Auch Oligohydramnion und Plazentablösung traten häufiger auf. Eine Patientin entwickelte unter der Immunglobulin-Gabe eine schwere allergische Reaktion und es traten mehr Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Schüttelfrost als unter Placebo auf.  

Das Fazit der Autorinnen und Autoren: CMV-Hyperimmunglobulin ist offensichtlich nicht in der Lage, eine fetale Infektion bei CMV-Erstinfektion in der Schwangerschaft zu verhindern und stellt somit keine therapeutische Option in dieser Situation dar.

  1. Dr. Brenna Hughes et al; A Trial of Hyperimmune Globulin to Prevent Congenital Cytomegalovirus Infection, NEJM (2021); 385:436-44. DOI: 10.1056/NEJMoa1913569

Bildquelle: © gettyImages/Kemal Yildirim

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