06. September 2021

Fruchtbarkeitsbehandlung

Clomifen erhöht Epilepsierisiko bei Kindern

Eine Fruchtbarkeitsbehandlung mit Clomifenzitrat erhöht das Risiko für eine bestimmte Art der Epilepsie bei Kindern. Das zeigen Daten einer dänischen Kohortenstudie, die in der Fachzeitschrift Human Reproduction veröffentlicht wurde. 1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Dr. Linda Fischer

Was ist Clomifen und wie wirkt es?

Schematische Darstellung zum Wirkmechanismus von Clomifen. Erstellt in BioRender.com.

Clomifenzitrat gehört zu den am häufigsten verschriebenen Hormonpräparaten für die Fruchtbarkeitsbehandlung bei Frauen mit Kinderwunsch. Der selektive Östrogenrezeptor-Modulator täuscht einen Mangel an Östrogen vor, sodass die Gonadotropine FSH und LH vermehrt ausgeschüttet und die Follikelreifung im Ovar stimuliert wird. Allerdings gibt es bisher Bedenken, dass sich die Behandlung mit diesem Wirkstoff negativ auf den Fötus auswirken könnte. 1

Clomifen potentiell schädlich für Fötus

Dass dies tatsächlich der Fall ist, zeigen nun Daten einer Kohortenstudie um Erstautorin Dr. Laura Kettner vom Aarhus University Hospital in Dänemark. Laut den Studienergebnissen erhöht sich durch eine Fruchtbarkeitsbehandlung mit Clomifen das Risiko für das Kind, eine fokale Epilepsie im Kindesalter zu entwickeln. 1,2

Das Studiendesign

Für ihre Studie bezog das Forschungsteam Daten aus nationalen Patienten- und Verschreibungsregistern zu Kindern aus Einlingsschwangerschaften im Zeitraum von Juli 1995 bis Dezember 2013. Nachbeobachtet wurden die Kinder bis Dezember 2016. Primärer Endpunkt der Studie war das Auftreten von

  • Epilepsie im Kindesalter,
  • idiopathischer generalisierter Epilepsie oder
  • fokaler Epilepsie.

Epilepsierisiko in allen 3 Fällen erhöht

Von den insgesamt 1.081.291 Schwangerschaften, die in die Studie eingeschlossen wurden, entwickelten 12.644 Kinder Epilepsie (1,2 %). Das Epilepsierisiko verteilte sich wie folgt:  

  • Epilepsie im Kindesalter: Risiko um 10 % erhöht; Hazard Ratio (HR) 1,10; 95 % Konfidenzintervall (KI) 1,00 bis 1,22
  • Idiopathische generalisierte Epilepsie: Risiko um 40 % erhöht; HR 1,41; 95 % KI 1,16 bis 1,72
  • Fokale Epilepsie: Risiko um 26 % erhöht; HR 1,26; 95 % KI 1,04 bis 1,53

Erhöhtes Risiko für fokale Epilepsie

Das Team sieht vor allem die Ergebnisse für ein erhöhtes Risiko einer fokalen Epilepsie bei Kindern bestätigt, da das Risiko mit steigender Clomifen-Dosis bei der Fruchtbarkeitsbehandlung der Mütter zunahm und dieser Zusammenhang auch in Geschwisteranalysen fortbestand.

Ob die Behandlung mit Clomifen der alleinige Einflussfaktor für das erhöhte Risiko einer idiopathischen generalisierten Epilepsie ist, bleibt bisher ungeklärt. Der Zusammenhang zwischen Clomifen und dem Risiko dieser Epilepsie war für die niedrigste Clomifen-Dosis am höchsten, und in Geschwisteranalysen nicht mehr nachweisbar. Dies legt nahe, dass weitere Faktoren, wie beispielsweise bestimmte Ausgangsmerkmale der Mütter, die Ergebnisse verzerren.

Alternativen zu Clomifen verwenden

Die Studienautorinnen und -autoren schätzen die neuen Studiendaten als klinisch bedeutend ein. Auf deren Basis könnten fortan bereits existierende Alternativen zu Clomifen in der Fertilitätsbehandlung mehr genutzt werden.

  1. Erhöhtes Epilepsierisiko bei Kindern durch Clomifen? Von Dr. Melanie Klingler; Gelbe Liste, 02.08.2021
  2. Kettner et al.: „Fertility treatment with clomiphene citrate and childhood epilepsy: a nationwide cohort studyIn Human Reproduction (2021)

Bildquelle: © Getty Images/koto_feja

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653