10. Januar 2019

Die ASPRE-Studie: Das Ende der Präeklampsie?

Bei 2-3 % aller Schwangerschaften kommt es zu einer Präeklampsie (PE) mit erhöhter perinataler Mortalität und Morbidität. In der ASPRE-Studie wurde gezeigt, dass sich durch ein kombiniertes Ersttrimester-Screening mit Erfassung von Risikofaktoren plus zusätzlicher Parameter und Verordnung von niedrig dosiertem ASS bei erhöhtem Risiko die Rate an Präeklampsien deutlich reduzieren lässt.^1-3^

Lesedauer: 2 Minuten

Diverse Risikofaktoren beachten

Das bisher von internationalen Fachgesellschaften empfohlene Screening beruht auf der Erfassung von Risikofaktoren. Als Hochrisikofaktoren bei Einlingsschwangerschaften gelten dabei:

  • chronische Hypertonie,
  • chronische Nierenerkrankung,
  • vorbestehender Diabetes mellitus,
  • systemischer Lupus erythematodes (SLE) oder Antiphospholipidsyndrom (APS),
  • und Status nach PE oder hypertensiver Schwangerschaftserkrankung.

Als moderate Risikofaktoren:

  • Nulliparität oder mehr als zehnjähriges Intervall seit der letzten Schwangerschaft,
  • Adipositas,
  • fortgeschrittenes maternales Alter
  • und positive Familienanamnese für PE.

Falls ein Hochrisikofaktor oder mindestens zwei moderate Risikofaktoren vorliegen, wird die Verordnung von low-dose ASS (≥ 100 mg/d) ab der 16. Schwangerschaftswoche (SSW) empfohlen.

Individuelles Risiko über weitere Faktoren berechnen

In der ASPRE-Studie wurde das Screening in der 11. bis 14. SSW um Faktoren wie placental growth factor (PlGF), arterieller Mitteldruck (MAP) und Pulsatilitätsindex der Arteria uterina (UtAPI) ergänzt und über einen Algorithmus das individuelle Risiko errechnet. Die Detektionsrate lag dabei bei gut 75 , die Falsch-positiv-Rate bei 10. Kombiniertes Screening im ersten Trimester hat somit eine deutlich bessere Performance als das alleinige anamnestische Erfassen von Risikofaktoren.

1.620 Frauen mit hohem Risiko im Screening erhielten randomisiert 150 mg/d ASS oder Placebo. Unter ASS traten 62 % weniger Fälle von PE auf als unter Placebo, ohne dass Unterschiede in der Anzahl der perinatalen Todesfälle oder Wachstumsrestriktionen zwischen den Gruppen beobachtet wurden. In einer Subgruppenanalyse wurde gezeigt, dass nur Frauen mit chronischer Hypertonie nicht von der ASS-Gabe profitieren.

Frauen mit bestehenden Risikofaktoren, aber keinem erhöhtem Risiko im kombinierten Screening, hatten auch ohne ASS ein geringeres Risiko als in der Gesamtbevölkerung, sodass bei niedrigem Risiko auf ASS verzichtet werden kann. 

Für die Autorin stellt die ASPRE-Studie einen Meilensteil bei der Prävention der Präeklampsie dar, auch wenn weiterhin noch viele Fragen offen sind und der Screening-Algorithmus weiter optimiert werden sollte.

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  1. Rolnik DL et al. Aspirin versus Placebo in Pregnancies at High Risk for Preterm Preeclampsia. New England Journal of Medicine 2017; 3777: 613-622.
  2. Rolnik DL et al. ASPRE trial: performance of screening for preterm pre-eclampsia. Obstetrics & Gynaecology 2017; 50(4): 492-495.
  3. Mosimann B et al. Der ASPRE-Trial – das Ende der Präeklampsie? Swiss Medical Forum Gynäkologie; Swiss Medical Forum 2019; 0(0102): 13-14.

Bildquelle: © istock.com/O_Lypa

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