21. Januar 2021

Kaiserschnittgeburt

Antibiotikaprophylaxe schützt Mutter und Kind

Bei einer Kaiserschnittgeburt ist die Mutter keinem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, wenn Antibiotika nach der Abnabelung verabreicht werden. Für das Neugeborene hingegen kann eine Belastung durch Antibiotika ausgeschlossen werden. Das zeigen Daten einer in Antimicrobial Resistance & Infection Control veröffentlichten Studie.1,2

Lesedauer: 1,5 Minuten

Zum Schutz vor allfälligen, nachgeburtlichen Infektionen, werden der Mutter bei Kaiserschnitt-Geburten, gemäss Schweizerischen und internationalen Guidelines, inklusive den WHO-Empfehlungen, seit Jahrzehnten weltweit vor dem Schnitt Antibiotika verabreicht. Der grosse Nachteil: Antibiotika erreichen das Neugeborene und beeinträchtigen womöglich dessen Darmmikrobiom.

Bisher weltweit größte Studie

In der vorliegenden Studie wurden in 75 Spitälern der Schweiz zwischen 2009 und 2018 insgesamt 55 901 Kaiserschnitte ausgewertet. Die Forscherinnen und Forscher unterscuhten die Beziehung zwischen dem Zeitpunkt der antimikrobiellen Prophylaxe vor dem Schnitt bis zur Abnabelung und dem Eintreten einer Infektion im Bereich des Bauchschnittes. Sie verglichen 26 405 Eingriffe mit Antibiotikagabe vor dem Hautschnitt und 29 496 Eingriffe mit Antibiotikaprophylaxe nach der Kindsabnabelung. Insgesamt 846 Wundinfektionen traten auf und PD Rami Sommerstein, Erstautor der Studie, betont: ,,Die Studie ist in Bezug auf die Zeitdauer und den Umfang gut fundiert. Die Ergebnisse sind klar: Es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Methoden festgestellt werden.”

Kein Nachteil für die Mutter – Vorteile für das Kind

Diese Resultate können weitreichende Auswirkungen auf die Praxis des Kaiserschnittes haben. Der Schutz der Darmflora des Neugeborenen ist von größter Bedeutung für zahlreiche Aspekte seiner Entwicklung. Eine Beeinträchtigung des Mikrobioms durch Antibiotikagabe kann sich etwa auf die Entwicklung des Immunsystems oder des Gehirns auswirken. Diese neuen Forschungsergebnisse ermöglichen es, dieses Risiko zu vermindern. Prof. Jonas Marschall, Mitglied von Swissnoso und Chefarzt an der Universitätsklinik für Infektiologie am Inselspital, Universitätsspital Bern sagt: ,,Die Antibiotikagabe nach der Abnabelung hat aufgrund der Studienergebnisse keine Nachteile für die Mutter, verbessert die Situation für das Neugeborene jedoch erheblich.”

Die robusten Ergebnisse ändern womöglich die Kaiserschnittpraxis

Die Studie lief zehn Jahre und umfasste eine große Stichprobenzahl. Durch nur wenige Ausfälle und die hohe Qualität der erhobenen Daten lieferte die statistische Auswertung zuverlässige Ergebnisse. ,,Es ist davon auszugehen”, folgert Prof. Daniel Surbek, ,,dass aufgrund der Studienergebnisse die gängige Praxis der Antibiotikaprophylaxe beim Kaiserschnitt künftig weltweit angepasst werden wird.”

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