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Gynäkologie

03. Sep. 2024
US-Studie in JAMA Pediatrics

Adipositas der Mutter korreliert mit plötzlichem Kindstod

Mehr als 5 % der Fälle von plötzlichem Kindstod könnten in Zusammenhang mit Adipositas bei der Mutter stehen, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.1

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Adipositas der Mutter korreliert mit plötzlichem Kindstod
Adipositas der Mutter ist ein gut dokumentierter Risikofaktor für einen negativen Ausgang von Schwangerschaften. (Foto: Getty Images | Patricio Nahuelhual)

Autorin: R.E. Natowicz | Redaktion: Dr. Nina Mörsch

„Der plötzliche Kindstod mit unklarer Ursache [SUID] bei einem Kind ist für die Eltern verheerend“, so Dr. Jan-Marino Ramirez, der die Zain Nadella Stiftungsprofessur für pädiatrische Neurowissenschaften an der University of Washington innehat und Direktor des Center for Integrative Brain Research am Seattle Children's Hospital in Seattle ist. „Am schlimmsten ist, dass es keine klare Antwort darauf gibt. Die Gründe zu kennen, würde den Eltern helfen, damit fertig zu werden.“

Die Studie wurde in JAMA Pediatrics am 29. Juli 2024 online veröffentlicht.1

In den Vereinigten Staaten werden jährlich etwa 3500 Fälle von SUID gemeldet. Nach Aufklärungskampagnen in den 1990er Jahren über sichere Schlafpositionen für Säuglinge sanken die Raten dieser Todesfälle, haben sich aber seitdem stabilisiert.

Über die Hälfte der gebärfähigen Frauen sind übergewichtig

Die Raten von Adipositas der Mutter nehmen weltweit zu, und mehr als die Hälfte der Frauen im gebärfähigen Alter ist übergewichtig oder adipös.

„Adipositas bei Frauen vor der Schwangerschaft beeinflusst die Plazentaentwicklung und Genexpression und hat langfristige Auswirkungen“, so Dr. med. Patrick Catalano, Professor der Abteilungen für Reproduktionsendokrinologie und Geburtshilfe und Gynäkologie am Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School in Boston.

Adipositas der Mutter ist ein gut dokumentierter Risikofaktor für einen negativen Ausgang von Schwangerschaften, unter anderem für Totgeburt, Frühgeburt und die Aufnahme auf die Neugeborenen-Intensivstation. Schwedische Forschende berichteten im Jahr 2014, dass Adipositas bei Schwangeren mit einem Anstieg der Säuglingssterblichkeit assoziiert war, der sich mit dem Körpermassenindex (BMI) erhöhte, aber diese Studie befasste sich nicht speziell mit SUID.2

Für ihre neue Studie werteten Ramirez und seine Kolleginnen und Kollegen die Daten aller Lebendgeburten in den Vereinigten Staaten zwischen 2015 und 2019 aus, die von den Centers for Disease Control and Prevention und dem National Center for Health Statistics erhoben wurden. Von den 18.857.694 Lebendgeburten, die in der 28. Schwangerschaftswoche oder später entbunden wurden, starben 16.545 Säuglinge einen plötzlichen Tod mit unklarer Ursache.

Die SUID-Raten bei Babys, die von Müttern mit Adipositas geboren wurden, stiegen auf statistisch signifikante, gewichtsabhängige Weise im Vergleich zu normalgewichtigen Müttern an. Die unbereinigten absoluten Risiken für SUID lagen bei 0,74 Fällen pro 1000 Geburten für normalgewichtige Mütter, bei 0,99 Fällen für Mütter mit einem BMI zwischen 30 und 35, bei 1,17 Fällen für einen BMI zwischen 35 und 40 und bei 1,47 Fällen für einen BMI ≥ 40.

Nach Bereinigung um Alter, ethnische Herkunft und Zugehörigkeit und Bildungsniveau der Mutter betrug die angepasste Odds-Ratio für einen Fall von SUID den Forschenden zufolge bei Frauen mit extremer Adipositas 1,39 (95 %-KI: 1,31–1,47).

Ursache weiterhin unklar

Die Studie zeigte zwar einen Zusammenhang zwischen Adipositas bei Schwangeren und SUID auf, doch die Ursache dafür bleibt weiterhin unbekannt, so die Prüfärztinnen und -ärzte. Eine mögliche Ursache könnte sein, dass Adipositas das Risiko für eine obstruktive Schlafapnoe erhöht, was zu intermittierender Hypoxie führen kann. Dies wiederum verursacht oxidativen Stress, der möglicherweise Auswirkungen auf den Fötus hat und schließlich zu SUID beim Säugling führt.

Ein begleitender Leitartikel von Dr. med. Jacqueline Maya, Dr. med. Marie-France Hivert (MMSc) und Dr. med. Lydia Shook vom Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School in Boston legte nahe, dass SUID wahrscheinlich nicht direkt durch einen hohen BMI der Mutter beeinflusst wird, sondern eher durch die metabolischen Probleme im Zusammenhang mit Adipositas wie Entzündung, Insulinresistenz und einer Störung des Lipidstoffwechsels. Auch die Epigenetik könnte eine Rolle spielen.

„Wir glauben, dass die Evidenz für diese Studie über einen Zusammenhang zwischen Adipositas während der Schwangerschaft und SUID einen Handlungsbedarf für die wissenschaftliche und medizinische Gemeinschaft aufzeigt, um das komplexe Zusammenspiel von biologischen, sozialen und Verhaltensfaktoren, die zu SUID führen können, besser verstehen zu lernen – einer verheerenden Komplikation, die keine Familie erleben sollte“, schrieben die Autorinnen des Leitartikels.

Schuldzuweisungen nicht zielführend

Ramirez betonte, dass es wichtig sei, nicht mit Schuldzuweisungen anzufangen, da es viele Faktoren für SUID gebe, wie z. B. Genetik, die nicht kontrollierbar sind.

„Wir sagen nicht, dass ein Baby gestorben ist, weil jemand adipös war. Das ist eine wichtige Botschaft an die Eltern“, sagte er. Als viel wichtiger erachtet er, diese neuen Forschungserkenntnisse heranzuziehen, um Einsicht in die weiteren Mechanismen zu erlangen, die zu gezielten Interventionen führen könnten: „Wenn wir feststellen, dass es zum Beispiel auf Schlafapnoe zurückzuführen ist, können wir das verhindern.“

Dieser Beitrag ist zunächst bei Univadis.de erschienen.

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