21. Oktober 2021

Adipositas in der Schwangerschaft mit geringerem IQ der Kinder assoziiert

In Tierexperimenten hat sich bereits gezeigt, dass eine fettreiche Ernährung und Adipositas in der Schwangerschaft mit Verhaltensstörungen bei der Nachkommenschaft assoziiert ist. Ein ähnlicher Zusammenhang konnte jetzt auch in einer prospektiven Kohortenstudien aus Belarus beobachtet werden – einem Land mit einer eher niedrigen Adipositasprävalenz.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Die Autoren um Emily Oken von der Harvard Medical School in Boston, USA, nutzten für ihre Untersuchung die Daten einer in Belarus durchgeführten Interventionsstudie zur Förderung des Stillens. Eingeschlossen waren 11.276 reif geborene Kinder, die von der Geburt (1996-1997) bis zur Adoleszenz (2017-2019) nachverfolgt worden waren. Der mütterliche BMI in der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) wurde in Bezug gesetzt zu den Ergebnissen eines Intelligenz-Testes im Alter von etwa 6,5 Jahren (5,8 – 8,5 Jahre) und kindlichen Verhaltensstörungen.

Die Studie

Die Schwangeren waren überwiegend

  • zwischen 20 und 34 Jahren alt (83 %),
  • die meisten waren verheiratet (89,8 %) und
  • rauchten nicht in der Schwangerschaft (98 %).

Der mittlere BMI im ersten Trimester lag bei 23,0 kg/m 2, in der späten Schwangerschaft bei 27,2 kg/m 2. Ein höherer BMI zum Ende der Schwangerschaft war mit einem geringen Intelligenzquotienten (pro 5 Einheiten Anstieg  minus 0,52 Punkte) und einem schlechterem Abschneiden in 5 von 7 Subskalen eines kognitiven Tests (NeuroTrax) im Alter von 6,5 Jahren assoziiert – sowie mit einer geringeren Punktzahl bei globalen kognitiven Tests im Alter von 16 Jahren.

Die Berücksichtigung von soziodemographischen Faktoren, Schwangerschaftskomplikationen, väterlichem BMI und dem Gewicht der Kinder änderte nichts an den Ergebnissen. Ein höherer BMI in der Spätschwangerschaft ging auch mit mehr von den Lehrern berichteten kindlichen Verhaltensstörungen einher. Auch wenn man den BMI im ersten Trimester oder postpartum heranzog, kam man zu vergleichbaren Ergebnissen. Ein höherer BMI des Vaters war dagegen mit einem etwas besseren IQ und weniger Verhaltensstörungen assoziiert.

Auch wenn die komplexen Mechanismen hinter dem Zusammenhang zwischen mütterlichem Gewicht und der kindlichen Hirnentwicklung noch nicht vollständig verstanden sind und die Kausalität nicht bewiesen ist, empfehlen die Autoren, die neurokognitive Entwicklung von Kindern adipöser Mütter besonders aufmerksam zu verfolgen. Außerdem sollten weitere Anstrengungen unternommen werden, der weltweiten Adipositas-Pandemie Einhalt zu gebieten.

  1. Emily Oken et al; Analysis of Maternal Prenatal Weight and Offspring Cognition and Behavior: Results From the Promotion of Breastfeeding Intervention Trial (PROBIT) Cohort; JAMA (2021); 4(8):e2121429. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.21429

Bildquelle: © gettyImages/Ocskaymark

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