16. Juni 2015

Wechseljahresbeschwerden dauern länger als gedacht

Hitzewallungen und Schweißausbrüche setzen vielen Frauen vor, während und nach der Menopause zu. Für die Wahl der Therapie wäre es wichtig zu wissen, wie lange die Symptome anhalten. Länger als angenommen, wie US-Forscher ausgerechnet haben.

Dieser Beitrag von Veronika Schlimpert erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet Gynäkologie finden Sie auf Springer Medizin – Gynäkologie.

Wohl jede Frau hofft auf möglichst wenige und kurzanhaltende Wechseljahresbeschwerden. Doch mit welcher ungefähren Beschwerdedauer ist eigentlich zu rechnen? Die Angaben in der Literatur schwanken: Die US-amerikanische gynäkologische Fachgesellschaft „American College of Obstetricians and Gynecologists“ spricht von einer durchschnittlichen Dauer von sechs Monaten bis zu zwei Jahren, die Schätzungen epidemiologischer Studien reichen hingegen von fünf bis 13 Jahren. Präzisere Angaben wären wünschenswert, um Frauen auf die Menopause vorbereiten zu können. Eine genauere Vorhersage der Dauer klimakterischer vasomotorischer Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche liefert nun die SWAN-Studie („Study of Women`s Health Across the Nation“). Hier wurden 1449 Frauen im Alter zwischen 42 und 52 Jahren an 13 verschiedenen Terminen während einer Beobachtungszeit von im Mittel 12,7 und maximal 17,2 Jahren u. a. zu der Häufigkeit und Schwere klimakterischer Beschwerden, zu psychologischen Symptomen und zu ihrem physischen Allgemeinzustand befragt.

Schlechte Aussichten bei frühem Beschwerdebeginn

Dabei stellte sich heraus, dass Frauen, die bereits über vasomotorische Symptome in der Prämenopause oder frühen Perimenopause berichtet hatten, diese Beschwerden am längsten erdulden mussten, nämlich im Mittel 11,8 Jahre bzw. 9,4 Jahre von der letzten Regelblutung an gerechnet. Dagegen dauerten die vasomotorischen Wechseljahresbeschwerden am kürzesten (3,4 Jahre), wenn sie erst in der Postmenopause eingesetzt hatten. Insgesamt hatten die Teilnehmerinnen im Durchschnitt 7,4 Jahre lang mit Hitzewallungen und Co zu kämpfen; nach der letzten Regelblutung vergingen durchschnittlich 4,5 Jahre, bis die Beschwerden wieder verschwanden. Mehr als die Hälfte der Frauen habe in dieser Untersuchung regelmäßig an vasomotorischen Wechseljahresbeschwerden gelitten, schreiben die Studienautoren um Nancy Avis von der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem. Als wichtigster Prädiktor für eine lange Beschwerdedauer habe sich der frühzeitige Symptombeginn herausgestellt. Die Leitlinien würden die tatsächliche Dauer klimakterischer Beschwerden allerdings unterschätzen, merken Avis und Kollegen an. Die nunmehr festgestellte durchschnittliche Zeitspanne von 7,4 Jahren verdeutliche, dass die Empfehlungen hinsichtlich einer möglichst kurzen Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause nur eingeschränkt gelten könnten. Deshalb sei es wichtig, nach neuen Therapien zu suchen, die auch über längere Zeit sicher angewendet werden könnten.

Dogma geht über Bord

Über die Langzeitsicherheit von Hormontherapien für Frauen in den Wechseljahren diskutieren auch Gloria Richard-Davis und Joann Manson von der Universität von Arkansas Medical Sciences, Little Rock, in einem begleitenden Kommentar. Da die Hormontherapie gerade bei längerer Anwendung das Risiko für Brustkrebs berge, steige das Interesse an nicht-hormonellen Therapien wie der Gabe von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Doch auch deren Langzeitsicherheit müsse erst untersucht werden, schreiben sie. Das Dogma, wonach vasomotorische Wechseljahresbeschwerden nur kurz anhielten, sei von der Forschungsarbeit der letzten Zeit widerlegt worden. Die Studie von Avis und Kollegen ermögliche es zudem, Frauen in den Wechseljahren individueller zu beraten und zu behandeln.

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