13. April 2017

Was tun bei möglichem Listerienkontakt in der Schwangerschaft?

Treten plötzlich in der näheren Umgebung gehäuft Listeriosefälle auf, werden Schwangere nervös. Welche Maßnahmen bei einem Ausbruch oder nach dem Verzehr eines in Verdacht geratenen Lebensmittels angebracht sind, um das ungeborene Kind zu schützen, hat jetzt das Committee on Obstetric Practice des ACOG zusammengefasst.

Dieser Beitrag von Dr. Christine Starostzik erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet Gynäkologie finden Sie auf Springer Medizin – Gynäkologie.

Bei werdenden Müttern werden 13-mal häufiger Infektionen mit Listeria monocytogenes festgestellt als in der Allgemeinbevölkerung. Zwar existieren Empfehlungen für die Behandlung von infizierten Schwangeren, wie aber zu verfahren ist, wenn lediglich der Verdacht auf eine Exposition besteht, darüber gibt es bislang nur wenig Information. Dies hat das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) zum Anlass genommen, eine „Committee Opinion“ zu verfassen, die die behandelnden Ärzte bei ihrem Patientenmanagement unterstützen soll.

Gefahr für das Leben des Kindes

Eine Listerieninfektion kann unbemerkt ablaufen, aber auch mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Rückenschmerz sowie Myalgien. Diesen unspezifischen Anzeichen gehen oft Diarrhöen oder andere gastrointestinale Störungen bei der Schwangeren voraus. Für das ungeborene Kind kann die Infektion schwerwiegende Folgen haben.

Etwa jede fünfte Schwangerschaft, die durch eine Listeriose kompliziert wird, endet mit einem Spontanabort oder einer Totgeburt. Zwei Drittel der überlebenden Kinder entwickeln eine neonatale Listeriose, die mit einer perinatalen Gesamtmortalität von 29% einhergeht. Aus diesen Gründen wird Schwangeren geraten, auf kontaminationsträchtige Lebensmittel wie Rohmilchprodukte, ungewaschenes Obst oder Gemüse, Räucherfisch oder unzureichend erhitztes Fleisch zu verzichten.

Empfehlungen des ACOG

Besteht bei einer Schwangeren, die möglicherweise mit Listerien in Kontakt kam, Fieber über 38,1 °C und zeigen sich Symptome, die auf eine Listeriose hinweisen und auf keine andere Erkrankung zurückgeführt werden können, sollte bereits parallel zur Blutkultur eine Antibiotikatherapie mit Ampicillin i.v. (mindestens 6 g/d) begonnen werden und ggf. über mindestens 14 Tage fortgeführt werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Gentamicin diese Therapie unterstützen kann.

Besteht eine Allergie gegen Ampicillin bzw. Penicillin, wird alternativ die Kombination Trimethoprim-Sulfamethoxazol empfohlen. Sollte die Blutkultur bei diesen Patientinnen nach begonnener Therapie negativ ausfallen, ist es ratsam, einen Infektiologen hinzuzuziehen, um über Abbruch oder Fortführung der Behandlung zu entscheiden. Bei der Geburt sollte auch die Plazenta auf Listerien untersucht werden.

Zeigen sich nach dem Verzehr eines möglicherweise kontaminierten Produkts aus einer Rückrufaktion leichte gastrointestinale Beschwerden oder grippeähnliche Symptome, kann bei fieberfreien Patientinnen zunächst abgewartet werden, wie sich die Situation entwickelt. Sicherheitshalber kann aber auch eine Blutkultur angelegt und das Labor über den spezifischen Verdacht informiert werden. Bestätigt sich dieser, ist eine Antibiotikatherapie einzuleiten.

Bestehen bei Frauen, die ein zurückgerufenes oder verdächtiges Produkt verzehrt haben, keinerlei Symptome, sollten die Patientinnen weder getestet noch behandelt werden. Allerdings sind die Schwangeren auf die Notwendigkeit einer Neuvorstellung hinzuweisen, für den Fall, dass sich innerhalb von zwei Monaten nach dem Verzehr doch noch Symptome einer Listerieninfektion einstellen.

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