29. Juli 2016

Unfruchtbarkeit: Dänische Großstudie bestätigt Chlamydieneffekt

Bei Frauen mit einem positiven Test auf Chlamydien ist die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion von Uterus, Eileitern und Ovarien – als PID (pelvic inflammatory disease) bezeichnet –, für eine ektope Schwangerschaft oder eine Tubenfaktorinfertilität im Vergleich zu Frauen mit einem negativen Testergebnis um mindestens 30% erhöht. Das bestätigt erstmals eine große retrospektive, bevölkerungsgestützte Studie in Dänemark.

Dieser Beitrag von Peter Leiner erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet Gynäkologie finden Sie auf Springer Medizin – Gynäkologie.

Bisherige Studien zum Unfruchtbarkeitsrisiko nach einer Infektion mit Chlamydia trachomatis waren für eine klare Aussage zu klein. Zudem gab es bisher noch keine Untersuchung, die die drei Störungen PID, ektope Schwangerschaft und Tubenfaktorinfertilität gemeinsam berücksichtigt. Deshalb haben britische und dänische Infektiologen um Dr. Bethan Davies vom Imperial College in London und ihre Kollegen Daten der Danish Chlamydia Study mit Befunden aller Frauen mit einem Chlamydientest analysiert, die Bewohnerinnen von Dänemark, inklusive Grönland waren. Die Tests wurden zwischen 1995 und 2011 gemacht. Ab 1994 bestand Meldepflicht in Dänemark. Endpunkt der Studie war die Behandlung der Frauen in der Klinik wegen der Störungen.

Fast 517.000 Frauen wurden durchschnittlich knapp acht Jahre nachverfolgt. Bei 20% (103.344 Frauen) war der Chlamydientest positiv, bei 35% (182.879 Frauen) war er negativ und 45% (230.495 Frauen) waren nie getestet worden. Zu Beginn der Studie waren die Frauen durchschnittlich 22,4 Jahre alt. Das Follow-up lag bei durchschnittlich 8,0 Jahren.

Wie Davies und ihre Kollegen berichten, lag die kumulative Inzidenz für eine PID in der Gruppe der positiv getesteten Frauen bei 3,1%, bei negativem Testergebnis bei 2,5% und bei den nie getesteten Frauen bei 0,6%. Ähnliche Ergebnisse ermittelten die Wissenschaftler im Zusammenhang mit der ektopen Schwangerschaft (2,2%, 2,0% bzw. 0,6%). Deutlich niedriger lagen die Raten einer Tubenfaktorinfertilität (0,6%, 0,5% bzw. 0,1%).

Bei den Berechnungen der Wahrscheinlichkeiten, an einer der drei Störungen zu erkranken, berücksichtigten die Wissenschaftler das Alter der Frauen und das Jahr, in dem erstmals Befunde der Teilnehmerinnen für die Studie verwendet worden waren. Im Vergleich zu Studienteilnehmerinnen mit ausschließlich negativen Testergebnissen lag die adjustierte Hazard Ratio (AHR) für eine PID bei Frauen mit einem oder mehreren positiven Testergebnissen bei 1,50 (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,43 und 1,57). Die Wahrscheinlichkeit für eine PID war somit um 50% erhöht. Die AHR für eine ektope Schwangerschaft errechneten die Wissenschaftler zu 1,31 (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,25 und 1,38) und für eine Tubenfaktorinfertilität zu 1,37 (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,24 und 1,52). Die Berechnungen ergaben auch, dass mehrfache Infektionen mit Chlamydien die Wahrscheinlichkeit für eine PID um weitere 20% erhöhten (AHR: 1,20; 95% zwischen 1,11 und 1,31). Den Zusammenhang mit Infektionshäufigkeit und Erkrankung hätten sie dagegen bei ektoper Schwangerschaft oder Tubenfaktorinfertilität nicht beobachtet, so die Wissenschaftler.

Aufgrund ihrer Studienergebnisse weisen Davies und ihre Kollegen darauf hin, wie wichtig es ist, nicht nur Erstinfektionen, sondern auch Nachfolgeinfektionen mit Chlamydia trachomatis zu verhindern, um die Fruchtbarkeit zu erhalten.

  1. Peter Leiner, SpringerMedizin.de: 27.6.2016: Unfruchtbarkeit: Dänische Großstudie bestätigt Chlamydieneffekt

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