03. März 2015

Nutzen des Mammografie-Screenings bisher unterschätzt

Wie erfolgreich ein mammografisches Screening auf Brustkrebs die spezifische Mortalität zu senken vermag, hängt offenbar davon ab, wie stark es den Anteil fortgeschrittener Karzinome reduziert. Dies sei in bisherigen Metaanalysen nicht genügend berücksichtigt und das Potenzial des Screenings deshalb unterschätzt worden, so das Resümee einer aktuellen Studie.

Dieser Beitrag von Robert Bublak erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet Gynäkologie finden Sie auf Springer Medizin – Gynäkologie.

Um den Nutzen eines Screeningprogramms für die Früherkennung von Mammakarzinomen zu beurteilen, genügt es nicht, auf die entdeckten Tumoren im Frühstadium zu schauen. Das Mammografie-Screening muss laut Erkenntnissen einer internationalen Forschergruppe um László Tabár (Falun, Schweden) vielmehr tatsächlich dazu führen, dass die Inzidenz von Tumoren in fortgeschrittenen Stadien (≥ Stadium II) sinkt. Beides geht ausweislich der Daten vorangegangener Untersuchungen nicht automatisch Hand in Hand.

Einfluss auf fortgeschrittene Stadien entscheidet

Der Mortalitätseffekt des Mammografie-Screenings ist gemäß den Berechnungen von Tabár und Kollegen zu 67% dem Einfluss auf die Rate an fortgeschrittenen Karzinomen zuzuschreiben. Die Wissenschaftler hatten dafür neun große randomisierte und kontrollierte Studien analysiert, in denen auch über die Raten von fortgeschrittenen Karzinomen berichtet worden war. Insgesamt ergab sich aus den Daten eine durchschnittliche Reduktion der Brustkrebs-Sterblichkeit um 22%. „Dieses kombinierte Ergebnis verschleiert allerdings einen bedeutenden Unterschied zwischen den Studien: In manchen gelang es besser als in anderen, Brustkrebs in fortgeschrittenen Stadien zu vermindern“, schreiben die Forscher. Wo diese Reduktion verglichen mit den Kontrollen mehr als 20% betrug, resultierte daraus eine Mortalitätssenkung von 28% in Bezug auf die eingeladenen und von schätzungsweise rund 40% bezogen auf die tatsächlich am Screening teilnehmenden Frauen. Damit ließen sich über einen Zeitraum von 20 Jahren sechs Todesfälle durch Brustkrebs je 1000 zum Screening eingeladene Frauen und acht Todesfälle je 1000 Teilnehmerinnen am Screening verhindern.
Sinkt der Anteil der Fälle von Brustkrebs in fortgeschrittenem Stadium unter dem Screening hingegen um weniger als 10%, lässt sich kein Mortalitätseffekt mehr feststellen.

Screening maßschneidern

Für Tabár und Kollegen bedeuten diese Zahlen zum einen, dass sich der Einfluss des Screenings auf die Brustkrebs-Sterblichkeit bereits erkennen lässt, ehe genaue Mortalitätsdaten vorliegen. Dazu müssten aber Angaben zu den Raten der entdeckten fortgeschrittenen Stadien vorliegen. Zum andern sollten Maßnahmen ergriffen werden, die das Risiko von Frauen für die Diagnose eines fortgeschrittenen Mammakarzinoms senken. Dazu könnte beispielsweise gehören, für Frauen mit dichtem Brustgewebe ein sensitiveres (gegebenenfalls multimodales) Screening maßzuschneidern, um ihnen einen vergleichbaren Nutzen zu sichern.

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