05. Juni 2018

Plötzliche Geburt: So handeln Sie bei Komplikationen

Kommt es bei einer außerklinischen, ungeplanten Geburt zu Komplikationen, ist schnelles Handeln erforderlich, um das Leben des Kindes zu schützen. Erfahren Sie hier mehr über das Vorgehen bei drei möglichen Komplikationen.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation in der Zeitschrift Notfall + Rettungsmedizin, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Nabelschnurvorfall: Jede Minute zählt

Wird während der Geburt die Nabelschnur abgeklemmt, droht aufgrund der Hypoxie innerhalb weniger Minuten der Tod des Kindes. Ist beim Eintreffen des Arztes die Nabelschnur bereits außerhalb der Vagina zu sehen oder kann sie bei der vaginalen Untersuchung ertastet werden, muss das Becken der Patientin umgehend hochgelagert werden.

Vor Ort sollte versucht werden, die Nabelschnur mit dem vorangehenden kindlichen Teil zurück in die Gebärmutter zu schieben. Eine Entlastung durch eine Schwächung der Wehentätigkeit kann über eine langsame i.v.-Injektion von 12,5 µg Fenoterol erfolgen. Als Notbehelf kann auch ein Asthmaspray mit einem β-2-Sympathikomimetikum eingesetzt werden.

Bei einem Nabelschnurvorfall muss die Geburtsklinik über die Notwendigkeit eines Notkaiserschnitts informiert werden, da jede Minute über das Leben des Kindes entscheiden kann.

Beckenendlage: Am besten im Vierfüßerstand

Ohne manuelle Spezialmanöver eines Geburtshelfers droht bei einer Spontangeburt in Steißlage der Tod oder schwere Hirnschädigungen des Kindes, insbesondere bei Erstgebärenden. Ohne erfahrene Hilfe ist am ehesten der Vierfüßerstand der Mutter zu wählen, da die Chance auf eine erfolgreiche Spontangeburt höher ist.

Bis zum Sichtbarwerden des Schulterblattunterrandes darf niemals am Steiß gezogen werden, da ein mögliches Hochschlagen der Arme die Geburt deutlich erschweren kann. Dann sollte jedoch entschlossen die Geburt der Schultern und des Kopfes vorangetrieben werden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Asphyxie.

Bei einer Beckenendlagengeburt muss im Gegensatz zur Schädellage der Rücken des Kindes auf der Seite des Bauches der Mutter liegen und notfalls entsprechend gedreht werden.

Schulterdystokie: Einfache Manöver durchführen

Bei einer inkorrekten Stellung des kindlichen Schultergürtels im Verhältnis zum bereits geborenen Kopf, kann es zur Schulterdystokie kommen, vor allem wenn die Schulter nicht der physiologischen Rotation des Kopfes folgt und im Becken steckenbleibt. Auch hier ist ein schnelles Handeln erfoderlich, da Gefahr für das Leben des Kindes und das Risiko einer Plexuslähmung bestehen.

Eine frühzeitige Behandlung ist mit einfach durchführbaren Lagerungsmanövern möglich. Beim Manöver nach Gaskin nimmt die Frau den Vierfüßerstand auf Knien und Ellenbogen ein und beugt und streckt ihre Hüften mit ausgeprägten Bewegungen. Durch den Positionswechsel wird ein Lösen der verkeilten Schulter ermöglicht.

Eine weitere Möglichkeit ist das Manöver nach McRoberts, bei dem dreifach abwechselnd die mütterlichen Beine im Hüftgelenk gestreckt und gebeugt werden. Dabei werden die Beine ausgestreckt und dann unter Anwinkeln des Kniegelenks bauchwärts geführt. Zusätzlich wird manueller Druck über der Symphyse ausgeführt und die kindliche Schulter kann sich befreien.

Am kindlichen Kopf darf bei einer Schulterdystokie nicht gezogen werden, da es dabei häufig zum Abreißen des nervalen Plexus brachialis kommt und die Schulter nicht befreit wird. Mehr über die Risiken für die Mutter lesen Sie im Beitrag “Schulterdystokie bringt Analsphinkter der Mutter in Gefahr”.

  1. Valter M & Mokwa N. Geburt im Rettungsdienst. Notfall Rettungsmed 2018; 21: 100-104.

Bildquelle: ©istock.com/vernonwiley

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