05. Juni 2018

Plötzliche Geburt im Rettungseinsatz: Richtiges Handeln in der Erstversorgung

Außerklinische Geburten sind seltene Ereignisse, stellen für geburtshilflich unerfahrene Ärzte jedoch eine Herausforderung dar. Welche Maßnahmen sollten in dieser außergewöhnlichen Situation ergriffen werden?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation in der Zeitschrift Notfall + Rettungsmedizin, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Klarheit über die Situation verschaffen

Über 98% der Geburten in Deutschland finden in einem Kreißsaal statt. Bei einer ungeplanten, spontanen Geburt gilt es für Notärzte oder andere erstversorgende Mediziner, die Situation einzuschätzen. Dabei sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Schwangerschaftswoche,
  • Ein- oder Mehrlingsgeburt,
  • Fetale Auffälligkeiten in der Schwangerschaftsvorsorge,
  • Erst- oder Mehrgebärende.

Insbesondere die letzte Frage dient der Abschätzung des zeitlichen Rahmens. Während die Erstgeburt bei regelmäßiger Wehentätigkeit meist 12-18 Stunden dauert, kann bei späteren Geburten die Dauer zwischen einer und zwölf Stunden variieren.

Die Patientin sollte in die nächstgelegene Geburtsklinik gebracht werden. Bei bestimmten Situationen, beispielsweise einer extremen Frühgeburt, sollte die Versorgung in einer Klinik mit Perinatalzentrum erfolgen und deshalb direkt ein entsprechendes Krankenhaus angefahren werden. Auf einen Transport des frühgeborenen Kindes sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.

Anzeichen einer bevorstehenden Geburt

Wie weit der Geburtsvorgang fortgeschritten ist und ob die Geburt unmittelbar bevorsteht, lässt sich anhand folgender Angaben abschätzen:

  • Starke an- und abschwellende Schmerzen, regelmäßige Wehen,
  • Blasensprung,
  • Zeichnungsblutung,
  • vorangehender Kindsteil unmittelbar vor der Geburt, vorgewölbte Labien.

Eine vaginale Untersuchung kann weitere Hinweise liefern. Nach Einholung der mündlichen Zustimmung der Frau wird der Zeigefinger unter Spreizung der Labien eingeführt. Dabei wird zwischen zwei grundlegenden Befunden unterschieden:

1. Wird nach kompletter Einführung nichts oder nur nicht abgrenzbares “Weiches” ertastet (keine Nabelschnur, kindlicher Kopf, Hände oder Gesäß), ist die Geburt üblicherweise noch nicht in die Austreibungsphase vorangeschritten.

2. Wird hingegen etwas “Hartes” gefühlt, handelt es sich sehr wahrscheinlich um den Kopf des Kindes, der bei geöffnetem Muttermund im Geburtskanal bereits tiefergetreten ist.

Natürlicher Vorgang mit leichter Unterstützung

Während der Austreibungsphase tritt der Kopf des Kindes unter Rotation in den Schrägdurchmesser und verlässt den längsovalen Beckenausgang. Die Schulter des Kindes folgt diesen Drehungen durch das Becken der Mutter. Normalerweise geschieht dieser Vorgang von allein und ein geburtshilfliches Eingriffen ist nicht notwendig.

Ist das Köpfchen spontan geboren, kann bei Bedarf die Schulterentwicklung unterstützt werden. Dazu wird der kindliche Kopf in Richtung des mütterlichen Damms geführt. Der vormals empfohlene Dammschutz ist mittlerweile von untergeordneter Bedeutung, da keine positive Auswirkung auf Verletzungen des Damms oder des M. sphincter ani nachgewiesen werden konnte.

Welche Komplikationen und Notfälle während der Geburt auftreten können und welche Maßnahmen in diesen Situationen ergriffen werden sollten, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Valter M & Mokwa N. Geburt im Rettungsdienst. Notfall Rettungsmed 2018; 21: 100-104.

Bildquelle: ©istock.com/grinvalds

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