01. Mai 2016

Selbst bei hohem Risiko

Gentest kann Frauen mit Brustkrebs die Chemo ersparen

Ein Rückfallscore auf Basis der Analyse von 21 Genen ermöglicht manchen Frauen mit Brustkrebs den Verzicht auf eine Chemotherapie, obwohl traditionelle Faktoren für ein hohes Rezidivrisiko sprechen.

Dieser Beitrag von Robert Bublak erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet Gynäkologie finden Sie auf Springer Medizin – Gynäkologie.

Die Westdeutsche Studiengruppe hat neue Ergebnisse der planB-Studie nun auch schriftlich vorgelegt, die in Teilen bereits in diversen Meetings und Symposien zur Sprache gekommen waren. Im Zuge dieser prospektiven Phase-III-Untersuchung mit rund 3200 Frauen war unter anderem auch getestet worden, wie sich eine Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie auf der Basis einer Analyse von 21 Genen (Oncotype-DX-Assay von Genomic Health Inc.) auf die Drei-Jahres-Überlebensraten von Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Brustkrebs auswirkt.

Alle beteiligten Frauen wiesen ein erhöhtes Rezidivrisiko auf: Sie hatten positive Lymphknoten oder einen Lymphknoten-negativen Hochrisiko-Tumor (T2, G2 oder G3, hohe uPA/PAI-1 oder ein Alter < 35 Jahre). Sie wurden einer kompletten Tumorresektion sowie einer Sentinelbiopsie (bei N0-Tumoren) bzw. einer axillären Dissektion (bei positiven Lymphknoten) unterzogen.

Score bis 11 zeigt niedriges Rückfallrisiko

Für knapp 2600 Patientinnen lagen Ergebnisse des genetischen Rückfallscores nach dem Oncotype-DX-Verfahren vor. Dieser Test liefert einen Zahlenwert, der das Rückfallrisiko auf einer Skala von 0 bis 100 verortet. Für die planB-Studie wurde das Rückfallrisiko bei Punktzahlen ≤ 11 als niedrig, bei 12–25 Punkten als intermediär und bei > 25 Punkte als hoch klassifiziert.

Rund 350 Patientinnen (15,3%) mit einem Rückfallscore ≤ 11 bekamen nur eine adjuvante endokrine und keine Chemotherapie. 97,4% von ihnen überlebten die folgenden drei Jahre krankheitsfrei – verglichen mit 97,8% der Frauen mit intermediärem und 91,9% der Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko, die alle chemotherapeutisch behandelt worden waren. Lymphknotenstatus, Tumorgrad, das Proliferationsmaß gemäß dem Eiweiß Ki-67, Östrogen- sowie Progesteronrezeptor-Status, Tumorgröße und Rückfallscore erwiesen sich in der univariaten Analyse als Prognosefaktoren. Davon blieben in der multivariaten Analyse Lymphknotenstatus, Grad und Rückfallscore als unabhängige Marker übrig.

„Exzellente Überlebensrate“

Dies sei die erste prospektive Studie zur Chemotherapie von Brustkrebs, in der die Patientinnen gemäß dem Rückfallscore behandelt worden seien, schreiben die Forscherinnen und Forscher der Westdeutschen Studiengruppe. „Frauen mit null bis drei befallenen Lymphknoten, die gemäß traditioneller Parameter Hochrisiko-Patientinnen waren, aber einen Rückfallscore von maximal 11 hatten, zeigten trotz des Wegfalls der adjuvanten Chemotherapie ein exzellentes Drei-Jahres-Überleben.“ Die Diskrepanz zwischen traditionellen prognostischen Markern und dem Rückfallscore unterstreicht laut den Autoren um Oleg Gluz (Mönchengladbach) und Nadia Harbeck (München) die Notwendigkeit einer standardisierten Bewertungsmethode. Zugleich unterstütze sie den möglichen Einbezug gut validierter genetischer Assays wie des hier untersuchten zusammen mit klinisch-pathologischen Faktoren in die Entscheidung zur Chemotherapie bei frühem Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs.

  1. Robert Bublak, SpringerMedizin.de: 11.3.2016: Robert Bublak, springermedizin.de

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