13. April 2017

Dammschnitt: Jede vierte Frau hat längerfristig Schmerzen

Egal wie der Schnitt bei der Episiotomie geführt wurde: Knapp ein Viertel der Betroffenen klagte in einer norwegischen Studie noch drei Monate später über Schmerzen. Diese betrafen insbesondere den Koitus.

Dieser Beitrag von Dr. Elke Oberhofer erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet Gynäkologie finden Sie auf Springer Medizin – Gynäkologie.

Ob man den Dammschnitt in der Mittellinie senkrecht auf den Anus zu führt, von der hinteren Umschlagfalte der Schamlippen aus im 60°-Winkel schneidet oder den Ausgangspunkt höher und weiter lateral ansetzt – die Wahl der Episiotomietechnik während der Geburt spielt im Hinblick auf spätere Dammschmerzen offenbar keine Rolle.

Katherine Fodstad und Kollegen von der Universitätsklinik Oslo haben die drei gängigen Episiotomietechniken – median, mediolateral und lateral – an insgesamt 179 Frauen verglichen. Anders als in Deutschland ist an norwegischen Kliniken die laterale Technik die Methode der ersten Wahl, wenn ein Dammschnitt klinisch indiziert ist. Dieses Verfahren wurde bei 78 Patientinnen eingesetzt. 24 Frauen hatten einen mediolateralen Schnitt erhalten, zwölf einen medianen. Der Rest der Eingriffe ließ sich nicht klassifizieren, weil die Schnittführung nicht den Vorgaben entsprach.

Unmittelbar nach der Geburt sowie drei Monate später hatte man den jungen Müttern einen Fragebogen vorgelegt. Darin wurden Schmerzen, Infektionen und sexuelle Aktivität der Teilnehmerinnen erhoben.

Techniken gleichwertig

Das Ergebnis: In allen genannten Kategorien schnitten die drei Verfahren gleich ab. Über Schmerzen an der Episiotomienarbe – diese hatte man mithilfe einer visuellen Analogskala (VAS) erfasst – berichteten drei Monate nach der Geburt insgesamt 24,6% der Frauen. In 61,4% waren die Schmerzen gering, in 31,8% mäßig und nur bei drei Frauen stark ausgeprägt. Die Unterschiede zwischen den Gruppen mit den verschiedenen Dammschnitt-Techniken waren jeweils nicht signifikant. Für die Schmerzen spielte es offenbar auch keine Rolle, von welchem Punkt aus der Dammschnitt geführt wurde oder wie lang die Narbe war.

Schmerzen vor allem beim Koitus

Die meisten Frauen, die nach drei Monaten noch über Schmerzen klagten, berichteten, dass diese während des Koitus auftraten. Auch hier war die Schnittführung unerheblich. Insgesamt zehn Frauen hatten Schmerzen während der Defäkation, acht beim Gehen und drei in Ruhe, das heißt, auch im Sitzen.

Wie Fodstadt und ihr Team berichten, waren 62% der Frauen nach drei Monaten wieder sexuell aktiv. 8,4% mussten den Koitus jedoch wegen Schmerzen abbrechen. Auch in dieser Hinsicht ergaben sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Das Gleiche galt für Infektionen: Bei 9,5% hatte sich die Wunde nach Entlassung aus der Klinik infiziert, unabhängig von der Schnittführung.

Der einzige Unterschied, den die Forscher fanden, betraf die Schmerzen im Gehen: Hier hatten Patientinnen mit einem weiter lateral gelegenen Ausgangspunkt des Dammschnitts mehr Probleme. Dies komme wahrscheinlich daher, dass die weiter außen gelegene Narbe eher an der Unterwäsche reibe, erklären Fodstadt et al.

Höhergradige Dammrisse nach medianer Episiotomie

Auch wenn kein direkter Zusammenhang zwischen Schmerzen und Episiotomietechnik gezeigt werden konnte, raten die Wissenschaftler von der medianen Schnittführung ab. Bei dieser war in der Beobachtungsstudie die Rate an Verletzungen des analen Sphinkters am höchsten (16,7% gegenüber 0% bei lateraler Episiotomie). Angesichts der sehr unterschiedlichen Gruppengrößen seien die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht zu genießen, räumen Fodstadt und Kollegen ein. Sie regen weitere Studien mit größeren Teilnehmerzahlen an. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe enthalten keine konkreten Empfehlungen zur Durchführung der Episiotomie. Die Evidenz für den Eingriff sei grundsätzlich divergierend. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass die mediane Episiotomie „einheitlich mit einem erhöhten Risiko für höhergradige Dammrisse einhergeht“. Die Experten raten allerdings auch, die mediolaterale Episiotomie „restriktiv“ einzusetzen

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