13. April 2017

Brustimplantate: Was ist dran an Assoziation mit Lymphomentwicklung?

Aus US-amerikanischen Registerdaten gibt es bei Frauen mit einer Mastektomie nach einem Mammakarzinom keine Anzeichen für die bis­her vermutete Assoziation zwischen dem Tra­gen von Brustimplantaten und sekundären Lymphomen. Die Auswertung der Daten ergab jedoch Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Entstehung von Lungenkrebs 2.

Dieser Beitrag von Peter Leiner erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet Gynäkologie finden Sie auf Springer Medizin – Gynäkologie.

Mehrere Berichte über einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Implantaten zur Brustrekonstruktion und der Entstehung von Lymphomen waren Anlass für ein Weiß­buch der US-Behörde FDA vor fünf Jahren. Grundlage waren Befunde bei 34 Patientinnen, die nach der Implantation an einem anaplastischen großzelligen Lymphom, einem hoch­malignen Non-Hodgkin-Lymphom vom T-Zelltyp, erkrankt waren. Im Weißbuch wird das Risiko allerdings als sehr gering und bei korrekter Anwendung der zugelassenen Implan­tate als vermeidbar eingestuft.

Hinweise auf vermehrten Lungenkrebs

Schweizer Onkologen und Chirurgen um Dr. René Warschkow vom Kantonsspital in St. Gallen haben jetzt Daten des US-Registers SEER (Surveillance, Epidemiology and End Results) ausgewertet, die zwischen 1998 und 2002 zusammengetragen worden sind, um den Zusammenhang zwischen Implantaten und sekundären Tumoren zu überprüfen. In diesem Zeitraum wurden bei 3727 von fast 8000 für die Studie geeigneten Patientinnen mit einem Mammakarzinom Brustrekonstruktionen vorgenommen, bei denen Implantate ver­wendet wurden. In der Vergleichsgruppe mit 4228 Patientinnen wurde körpereigenes Gewebe als Lappenplastik (flap) verwendet. Geprüft wurde das Auftreten sekundärer Malignome in den beiden Gruppen innerhalb von mindestens einem Jahr nach der Brust­krebsdiagnose. Berücksichtigt wurde unter anderem das Alter der Patientinnen, eine lokale Bestrahlung und die Art der Mastektomie. Um Verzerrungen des Ergebnisses zu vermeiden, nutzten die Ärzte unter anderem auch das Propensity-Score-Verfahren zur vergleichenden Evaluation.

Wie Warschkow und seine Kollegen berichten, konnten sie bei einem medianen Follow-up von 10,3 Jahren keinen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Lymphomen und der Verwendung von Brustimplantaten feststellen. In beiden Gruppen war die Inzidenz der sekundären Malignome insgesamt – inklusive der Lymphome – gleich (Hazard Ratio [HR]: 1,02; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,82 und 1,26; p = 0,88): 164 in der Implantat-Gruppe, 176 in der Flap-Gruppe. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit für Lungenkrebs in der Implantat-Gruppe im Vergleich zur Flap-Gruppe deutlich erhöht (HR: 2,51; 95%-Konfi­denzintervall zwischen 1,28 und 4,95; p = 0,005). Unter den insgesamt 340 sekundären Malignomen waren 40 Lungentumoren (0,5%). In vier früheren Studien war zwar bei Frauen, die aus kosmetischen Gründen Brustimplantate erhalten hatten, eine erhöhte Lungenkrebsinzidenz beobachtet worden – diese seien aber im Zusammenhang mit einem erhöhten Anteil an Raucherinnen in dieser Gruppe diskutiert worden, so die Ärzte. Die Ergebnisse der aktuellen Studie ließen einen solchen Schluss jedoch nicht zu.

  1. Peter Leiner , SpringerMedizin.de: 24.5.2016: Brustimplantate: Was ist dran an Assoziation mit Lymphomentwicklung?
  2. Warschkow R et al., Brit J Cancer 2016; online 17. Mai. doi: 10.1038/bjc.2016.108: A population-based analysis of secondary malignancies in breast cancer patients receiving breast reconstruction.

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