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Digitalisierung in der Medizin

26. Sep. 2023
Digitale Gesundheitsanwendungen

Praxis-Check: Gespräch zur praktischen DiGA-Anwendung

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) stehen seit rund 2 Jahren zur Verfügung und bieten die Möglichkeit einer zeit- und ortsunabhängigen Versorgung. Im Interview teilt Dr. Ahmad Sirfy (München) seine Erfahrungen mit diesen digitalen Versorgungskonzepten. 

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ärztin tippt auf Display mit medizinischen Symbolen
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) halten Einzug in den Hausarztpraxen. (Symbolbild) (Foto: Getty Images / Westend 61)

Sie leiten die SmartPraxis® und nutzen proaktiv die Vorteile der Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Sie das Behandlungselement der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) seit nun mehr als 2 Jahren in Ihrem Behandlungsalltag implementiert – wie fällt ihr Fazit bislang aus? 

Wenn das Wort DiGA in meinen Sprechstunden fällt, sind viele meiner Patientinnen und Patienten zunächst überrascht. Und passiert das, erkenne ich sofort: Da muss ich meinen Patientinnen und Patienten weiterführende Informationen an die Hand geben, aufklären und einordnen. Denn solide Patientenaufklärung ist hier Schlüssel. Meine Erfahrung zeigt, dass sich nach anfänglicher Unsicherheit viele meiner Patientinnen und Patienten offen und interessiert für diese neuen Behandlungsoptionen zeigen.

Welche Indikationen eignen sich aus hausärztlicher Sicht für den Einsatz von DiGA Ihrer Meinung nach besonders? 

Wir haben gute Erfahrungen in der Behandlung des psychologischen Formenkreis gemacht – also alles, was bspw. im Spektrum Depressionen oder Angststörungen angesiedelt ist. Hier sehen wir DiGA als eine große Hilfe an – nicht zuletzt, da selbst in einer Stadt wie München Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten schwierig zu finden sind. Dieser strukturelle Mangel ist zwar traurig, doch umso wichtiger ist es, dass wir nun einen digitalen Behandlungspfad beschreiten können, um unseren Patientinnen und Patienten zu helfen.  

Dies gilt auch für den Bereich rund um Ernährung oder Übergewicht. Allgemein eignen sich DiGA unserer Erfahrung nach immer dann besonders gut, wenn sich Patientinnen und Patienten eine Begleitung wünschen. Das Funktionsspektrum der DiGA deckt oftmals auch den Aspekt des „Self-Tracking“ ab, weswegen sie sehr hilfreiche Werkzeuge im Monitoring meiner Patientinnen und Patienten sind.

Portrait Dr. Ahmad Sirfy
(Foto: Ahmad Sirfy)

Dr. med. Ahmad Sirfy ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Inhaber der SmartPraxis® München. Sein Ziel ist es, technologische Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Seine Praxis fokussiert dabei 3 drei Kernbereiche: Patienten-Services, Behandlung und Praxisverwaltung. Die SmartPraxis® lebt einen aktiven Gesundheitsbegriff, der einen individuellen wie gesunden Lebensstil fördert und Digitalisierung zum Wohle seiner Patientinnen und Patienten einsetzt.

Begleiten Sie Ihre Patientinnen und Patienten, wenn diese sich für eine „DiGA-Behandlungsoption“ entscheiden? 

Normalerweise rekrutieren sich geeignete Patientinnen und Patienten aus jenem Pool, den wir sowieso hausärztlich und dauerhaft betreuen. Wir sehen unsere Patientinnen und Patienten also auf einer regelmäßigen Basis. Wenn wir eine DiGA ausgestellt haben, erkundigen wir uns natürlich bei unseren Patientinnen und Patienten regelmäßig, ob ihnen das Behandlungsprogramm geholfen hat oder wie die Anwendung gelingt. Auch stellen wir gerne Folgerezepte im Rahmen eines Follow-up-Termins aus – sofern Bedarf besteht. Um es kurz zu fassen: Wir sind nah dran an unseren Patientinnen und Patienten.  

Welche Rückmeldungen bekommen Sie? 

Die Rückmeldungen, die wir zu den DiGA erhalten fallen sehr unterschiedlich aus – es fällt schwer dies pauschal zu bewerten. Im Allgemeinen bewerten viele meiner Patientinnen und Patienten die verschriebenen DiGA positiv. An dieser Stelle möchte ich ergänzend festhalten, dass DiGA auch zu jenen Behandlungsformen zählen, die kaum Nebenwirkungen zeigen. 

Wie individuell die Bewertung jedoch ausfallen kann, zeigt ein interessanter Fall vom heutigen Tag: Eine Patientin hatte nach einer DiGA gefragt und im Verlauf des Gesprächs kam heraus, dass sie DiGA zwar gut findet, aber dennoch wenig Zeit findet, um mit ihr zu arbeiten. In einem solchen Szenario muss man im Einzelfall abwägen.  

Andererseits gibt es auch Patientinnen und Patienten, die klar zurückmelden, dass DiGA ihnen nicht geholfen haben und sie daher weitere Behandlungsversuche ablehnen. Solche Fälle vergleiche ich gerne anschaulich mit der Anwendung eines konventionellen Medikaments: Es benötigt eine gewisse Anlaufphase, um die gewünschte Wirkung zu entfalten. Und auch dann, verträgt nicht jeder eben auch jedes Präparat.  

Bedenken Sie für Ihre Praxis außerdem: Sie können im Beratungsgespräch auch leicht mit einer unbewusst verzerrten Wahrnehmung Ihrer Patientinnen und Patienten konfrontiert werden. Denn oft schenken diese einer Tablette mehr Vertrauen als bspw. einer App. Ein Umdenken hier braucht Zeit. 

Welche Tipps würden Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen beim Einsatz von DiGA geben? 

Zunächst braucht es einen gewissen Willen und ein Interesse, sich solchen digitalen Behandlungsoptionen zu öffnen. Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund DiGA rein aus Prinzip abzulehnen. Schließlich handelt es sich um vom BfArM geprüfte Medizinprodukte und eine zertifizierte Therapieoption, die in vielen Studien untersucht wurden. 

Mein persönlicher Tipp wäre: Fassen Sie Mut und probieren Sie DiGA in Ihrem Praxisalltag einfach aus. Schauen Sie in den regelmäßigen Follow-ups, ob diese digitale Behandlungsform Ihren Patientinnen und Patienten hilft. Falls nicht, dann ist es ebenfalls gut zu wissen – denn so erhalten wir eine Rückmeldung, die auch Herstellern die Möglichkeit bietet ggf. nachzubessern. Es steckt viel Aufwand hinter der Entwicklung solcher Anwendungen und sowohl Hersteller wie auch Gesetzgeber sind auf uns Ärztinnen und Ärzte angewiesen, dass Rückmeldung gegengeben weitergegeben werden. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

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