
Unter Blended Care bezeichnet man ein verzahntes Behandlungskonzept, das die klassische vor-Ort-Psychotherapie mit Internet- und mobilbasierten Interventionen (IMIs) ergänzt. Welche Vorteile sich daraus ergeben könnten, lesen Sie hier.
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Digitale Behandlungsansätze stehen in der psychotherapeutischen Versorgung vermehrt zur Verfügung.1-5 Diese Internet- und mobilebasierten Interventionen (IMIs) bieten neue Behandlungspfade an, die als Therapieoption einer Reihe von psychischen Erkrankungen genutzt werden können.2
Eine rasch wachsende Zahl von Meta-Analysen legt synergetische Versorgungseffekte durch eine enge Verzahnung von Präsenz- wie auch von Online-Interventionen nahe.6-8 Unter dem Sammelbegriff der IMIs reihen sich unter anderem auch Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) ein, die durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Medizinprodukte niedriger Risikoklasse geprüft und zertifiziert werden.9,10
IMIs bieten ein niedrigschwelliges, zeitlich wie örtlich flexibles Angebot und ermöglichen deren Nutzern einen souveränen Umgang mit ihrer eigenen Gesundheit.2 Zudem versprechen IMIs als Hebel für die kapazitär-eingeschränke psychotherapeutische Regelversorgung zu wirken,11 der bspw. Versorgungsengpässe im Rahmen einer Wartezeitüberbrückung abfedern, die Effizienz der Routineversorgung steigern und zugleich Behandlern mehr Betreuungszeit für ihre Patientinnen und Patienten ermöglichen könnte.2,12
Ein signifikanter Teil der bisherigen Forschung zu IMIs fokussierte deren „Stand-alone Anwendung“.12 Darunter versteht man psychotherapeutische Online-Interventionen, die als eine Alternative zur Routineversorgung mittels vor-Ort-Sitzungen („Face-to-Face-Psychotherapie“) konzipiert sind.12
Solche „Stand-alone-IMIs“ zählen somit zu den selbsthilfebasierten (meist kurzfristigen) therapeutischen Programmen, die in der Regel auf Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT – „cognitive behavioural therapy“, dt. KVT – kognitive Verhaltenstherapie) basieren.2,13,14 IMIs eignen sich unter anderem für Patientinnen und Patienten mit leichten oder mittelschweren Symptomen – jeweils in Abhängigkeit der betrachteten zu behandelnden psychischen Störung.1,15,16
Unter dem Begriff des Blended Care versteht man die integrierte Nutzung etablierter vor-Ort-Psychotherapien kombiniert mit dem flankierenden Einsatz von IMIs (bspw. in Form von Apps, Virtual-Reality-Brillen, etc.).2,12,17 Neben dem Begriff Blended Care werden derzeit in der Literatur gleichbedeutend weitere Begriffe verwendet, etwa:12
Verzahnte Behandlungskonzepte ermöglichen es Behandlern durch Auslagerung bestimmter Elemente der Psychotherapie spezifisch auf patientenindividuelle Anforderungen im Rahmen der Psychotherapie einzugehen.2 Blended Care-Konzepte bieten daher ein hohes Maß unterstützendem persönlichen Kontakt und bieten Vorteile eines individualisierten Therapieprozesses.8,19
Eine übersichtliche Gegenüberstellung der Vor- wie auch Nachteile der neuen digitalen Versorgungskonzepte im Überblick – modifiziert nach Bielinski et al.:2

Das Blended Care-Konzept kann konventionelle vor-Ort-Sitzungen durch weiterführende Online-Elemente zielgerichtet ergänzen.1,20 Die vorläufige Studienlage deutet an, dass die Verwendung webbasierter Programme als ergänzende Instrumente einer regulären Psychotherapie vielversprechende Optionen für die künftige Behandlung von Depressionen sein könnten.21-23 Weiterführende Online-Elemente umfassen bspw. Hausaufgaben, Testungen, psychoedukative Übungen, Entspannungsverfahren, Stimmungstagebücher oder Verlaufskontrollen.5,10,19
Das Blended Care-Konzept ermöglicht es zudem die Zeit zwischen den Sitzungen optimal zu nutzen indem häufigere Kurzkontakte mit den Therapieinhalten angeregt werden, um so unter anderem einen besseren Transfer in den Alltag zu ermöglichen.5,19 Denn eine intensivierte, kontinuierliche Auseinandersetzung der Betroffenen mit ihrer eigenen Krankheit ist einer verbesserten Selbstregulierung, Selbstbeobachtung, Strukturiertheit wie auch Selbstwirksamkeit zuträglich, und kann so Behandlungserfolge stabilisieren und in der Nachsorge einer KVT das Rückfallrisiko senken.4-6,24-26
Der verstärkte Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien erfordert vermehrt personalisierte Behandlungsprotokolle.2,5,6 Näheres zur Implementierung eines Blended Care-Ansatzes finden Sie bei Interesse in unserem Beitrag „Blended Care in der Praxis – wie umsetzen?“ und zudem in unserem Interview “Fit für Blended Care? Gespräch zur verzahnten Psychotherapie”.
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