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Dermatologie

22. Apr. 2024
Exanthem

Rezidivierende Hautveränderungen nach COVID-19-Impfung

Eine 30-jährige Frau stellt sich mit plötzlich aufgetretenen Hautveränderungen in der Notaufnahme vor, die zwar rasch verschwinden, jedoch in den folgenden Tagen an unterschiedlichen Stellen erneut auftreten.1 Hätten Sie gewusst, woran die Frau leidet?

Lesedauer: ca. 3 Minuten

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Stehen die Symptome der Frau mit der vorausgegangenen COVID-19-Impfung in Zusammenhang? (Foto: Getty Image | AlenaZAmotaeva)

Autorin: Dr. Brit Neuhaus

Im Frühjahr 2021 stellt sich eine 30-jährige Frau in der Notaufnahme vor, nachdem sie 6 Stunden zuvor an ihrem rechten Arm sowie an der rechten Flanke einen rötlichen Hautausschlag entdeckt hat. Die Patientin gibt an, dass die Hautveränderungen nicht jucken, sich aber allmählich vergrößern. Andere Beschwerden oder allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber oder Muskelschmerzen seien nicht aufgetreten. Auch die Frage nach einem vorausgegangenen Infekt verneint die Frau. Sie gibt jedoch an, an einer Hausstaubmilbenallergie zu leiden und deshalb H1-Antihistaminika einzunehmen. Zudem erwähnt sie, etwa 3 Stunden vor Auftreten des Exanthems gegen Corona geimpft worden zu sein (AstraZeneca/Oxford, ChAdOx1). Die Impfung sei in den rechten Oberarm verabreicht worden.1

Retikuläre und urtikarielle Läsionen sowie verändertes Blutbild

Bei der körperlichen Untersuchung zeigen sich an den von der Patientin beschriebenen Arealen rötliche retikuläre und urtikarielle Läsionen, die unter Druckeinwirkung nicht verschwinden. Die gesamte restliche Haut einschließlich der Injektionsstelle ist frei von Hautveränderungen.1

Aufgrund des unklaren Krankheitsbildes bittet das Ärzteteam die Frau, sich am nächsten Tag erneut in der Klinik vorzustellen. Zwar sind die Läsionen vom Vortag zu diesem Zeitpunkt deutlich verblasst, dafür sind jedoch im Bereich des Bauchnabels neue Hautveränderungen entstanden. Um den Ursachen für den Hautausschlag auf die Spur zu kommen, werden einige Laboruntersuchungen durchgeführt. Dabei zeigen sich folgende Auffälligkeiten:1

  • Leukopenie (2,89 x 109/l)
  • Lymphopenie (0,4 x 109/l)
  • Leicht erhöhtes C-reaktives Protein (7,6 mg/l)

Alle übrigen Werte einschließlich der Thrombozyten sind unauffällig, die Frau fühlt sich weiterhin gesund.1

Rezidivierende Hautveränderungen mit wechselnder Lokalisation

Im Laufe der nächsten 10 Tage wiederholt sich das beschriebene Szenario mehrfach: Die bereits vorhandenen Läsionen verschwinden innerhalb von maximal 24 Stunden, an den entsprechenden Stellen treten auch keine Rezidive auf. Dafür kommen an anderen Stellen an Oberarm, Bauch, im Bereich des Bauchnabels sowie unterhalb der Brust neue Läsionen hinzu. Die Laborwerte der Patientin normalisierten sich innerhalb einer Woche, auch verschiedene Tests auf Gerinnungsstörungen sind unauffällig, ebenso wie ein Allergietest auf das im Impfstoff enthaltene Allergen Polysorbat 80. Das behandelnde Ärzteteam stellt letztlich die Diagnose eines retikulären urtikariellen, Livedo-artigen Exanthems.1

War die Impfung Ursache des Problems?

Zu den häufigsten die Haut betreffenden Nebenwirkungen einer COVID-19-Impfung gehören, unabhängig vom verwendeten Impfstoff, lokale Reaktionen an der Injektionsstelle, Urtikaria und Masern-ähnliche Exantheme.1,2 Die Autorinnen und Autoren gehen deshalb davon aus, dass die Beschwerden der Patientin durch die vorausgegangene Impfung beziehungsweise die dadurch ausgelöste Immunreaktion getriggert wurden. Die Frage, ob es sich um eine akut rezidivierende Urtikaria im engeren Sinne oder ein urtikarielles, durch die Impfung ausgelöstes Exanthem gehandelt hat, sei nicht klar zu beantworten. Auch bei den beobachteten Laborbefunden sei unklar, ob sie durch die impfbedingte Immunreaktion oder einen Infekt ausgelöst worden seien.1

Fazit für die Praxis

Da die Patientin zu keinem Zeitpunkt angab, sich krank zu fühlen und die Symptomatik sich als selbstlimitierend erwies, sehen die Autorinnen und Autoren keine Veranlassung, die COVID-Impfung nicht auch weiterhin uneingeschränkt zu empfehlen.1

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