09. Dezember 2021

Fachleute rätseln: Wie konnte Omikron überhaupt entstehen?

Die vor kurzem in Südafrika entdeckte Corona-Variante Omikron scheint sich rasend schnell auszubreiten und könnte der Pandemie noch einmal neuen Schwung geben. Forschende rätseln noch über die Herkunft, da man daraus auch Lehren für die Verhinderung zukünftiger gefährlicher Virusvarianten ziehen könnte. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Entwicklung aus Alpha oder Delta unwahrscheinlich

In einem Punkt sind sich Forscherinnen und Forscher einig: Omikron ist nicht einfach aus den früheren „Variants of concern“ wie Alpha oder Delta entstanden – dazu unterscheidet sich das Genom zu stark von den bekannten Varianten. Wahrscheinlicher scheint es, dass sich Omikron schon die ganze Zeit parallel im Verborgenen entwickelt hat, nachdem es sich schon früh von anderen Stämmen abgespalten hat. Dies könnte nach Einschätzung von Fachleuten aus der Virologie etwa Mitte 2020 passiert sein.

Warum Omikron erst jetzt entdeckt wurde: 3 Hypothesen

Dies wirft die Frage auf, wieso Omikron erst jetzt entdeckt wurde – mehr als ein Jahr später. Forschende habe hierfür drei mögliche Erklärungen:

1. Das Virus kann sich in einer Population verbreitet haben, in der wenig Tests und Sequenzuntersuchungen durchgeführt worden sind. An diese These glaubt beispielsweise Christian Drosten von der Berliner Charité. Nach seiner Meinung könnte das in der letzten Winterwelle irgendwo im Süden Afrikas passiert sein – nicht aber im Staat Südafrika, wo viel sequenziert wird. Andere Fachleute bezweifeln aber, dass es eine Population gibt, die über so einen langen Zeitraum dermaßen isoliert ist.

2. Die Variante hat sich bei chronisch infizierten Covid-19-Patientinnen und -Patienten entwickelt. Bei einem eingeschränkten Immunsystem durch Erkrankungen oder Medikamente kann SARS-CoV-2 über viele Monate persistieren. Dies könnte etwa bei unkontrollierten HIV-Infektionen der Fall sein, wie man sie in Afrika noch häufiger findet, argumentieren einige Virologinnen und Virologen. Sequenzuntersuchngen bei solchen Viren zeigen zum Teil ähnliche Mutationen wie bei Omikron. Dagegen würde nach Meinung Drostens sprechen, dass die Übertragungsfähigkeit der Viren in diesem Fall in der Regel eher geschwächt wird und die Viren in der realen Welt an „Fitness“ verlieren.

3. Omikron hat sich parallel bei nicht-humanen Spezies entwickelt wie beispielsweise Nagetieren und wurde von da aus auf Menschen rückübertragen. Dafür könnte sprechen, dass das Virengenom besonders merkwürdig aussieht und Mutationen aufweist, die man so noch nie vorher beobachtet hat. 

Noch ist es zu früh, sich definitiv für eine dieser Hypothesen zu entscheiden. Dementsprechend unklar bleibt auch, mit welchen Strategien man solchen Entwicklungen möglicherweise begegnen könnte.

  1. Kupferschmidt: „Where did ‘weird’ Omicron come from?“ in Science (01.12.2021)

Bildquelle: © Getty Images/Andriy Onufriyenko

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