06. November 2020

Covid-19

Selbstgenähte Stoffmasken – wie gut sind sie wirklich?

Vielerorts ist angesichts der Covid-19-Pandemie ein Mund-Nasenschutz in großen Bereichen der Öffentlichkeit vorgeschrieben. Da schnell klar wurde, dass die eigentlich zur Filtration von Partikeln vorgesehenen N95-Masken bei weitem nicht ausreichen werden, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen, kamen bald mögliche Alternativen ins Spiel. Dazu gehören die häufig selbstgenähten sogenannten Alltagsmasken aus den unterschiedlichsten Stoffen. Wissenschaftler aus Großbritannien haben jetzt 20 kommerziell erhältliche Maskenstoffe auf ihre Effizienz und Sicherheit untersucht.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Filterfunktion verglichen mit FFP2-Masken

Die Stoffmasken müssen sich an N95-Masken (entspricht FFP2-Masken in Europa) und chirurgischen Einmalmasken messen lassen, die in den Experimenten auch als Vergleich herangezogen wurden. Die Aufgabe der in der Öffentlichkeit getragenen Masken ist der Schutz anderer Menschen vor virushaltigen Tröpfchen, die vor allem beim Husten und Niesen freiwerden. Diese infektiösen Partikel sollten somit möglichst effektiv gefiltert werden.

Maschinelle Imitation des Hustens

Beim Husten entstehen Ausstoß-Geschwindigkeiten, die bis zu 100-mal höher sind als beim normalen Ausatmen. Mit einer speziellen Apparatur imitierten die Forscher aus Cambridge (UK) das Husten eines Erwachsenen und untersuchten die Fähigkeit der verschiedenen Stoffe zur Filtration ultrafeiner Partikel unter diesen Bedingungen.

Das Ergebnis: Alle untersuchten Stoffe waren in der Lage, ultrafeine Partikel zumindest etwas abzublocken. Am effektivsten in der Filtration war die Einlage von Hepa-Filtertaschen, die man ansonsten bei Staubsaugern als Filter verwendet. Nicht-waschbare Filter waren sogar der N95-Maske überlegen. Hier muss man allerdings aufpassen, dass keine toxischen Stoffe in die Lunge oder auf die Haut gelangen. Gefährlich könnte es vor allem dann werden, wenn man das Material bei der Herstellung zerschneidet.

Zweilagige Masken besser als einlagige

Ansonsten zeigten sich sehr unterschiedliche Filtereigenschaften der einlagigen Stoffe, wobei Windjackenstoff aus 100 % Polyester und Jeansstoffe die höchste Filterleistung, aber auch den höchsten Atemwiderstand hatten.
Am schlechtesten bei der Filterleistung schnitten leichte, einlagige T-Shirt-Stoffe aus 50 % Polyester und 50 % Baumwolle ab. Im Mittel lag die Filterleistung der einlagigen Stoffe bei 35 %.
Zweilagige Masken hatten eine höhere Filterleistung (im Mittel 45 %) und die Einlage von Vliesstoffen brachte noch einmal zusätzlich bis zu 11 %. Der Atemwegswiderstand der ein- und zweilagigen Stoffmasken war aber höher als bei N95-Masken.

Das Fazit der Autoren: Wenn keine N95-Masken zu Verfügung stehen, können Stoffmasken durchaus eine Alternative beim Schutz vor ultrafeinen Partikeln sein. Es sollte aber weitere Untersuchungen über das beste Material zur Filtration viraler Partikel sowie genaue Anleitungen zum Selbstnähen geben. 

  1. Eugenia O’Kelly et al; Ability of fabric face mask materials to filter ultrafine particles at coughing velocity; BMJ Open (2020);10:e039424. doi:10.1136/ bmjopen-2020-039424

Bildquelle: © gettyImages/Rike_

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