20. August 2020

Versagt die Corona-Warn-App in der Bahn?

Viele fremde Menschen auf engstem Raum – im öffentlichen Nahverkehr erscheint die Corona-Warn-App besonders sinnvoll. Gerade in Zügen, Straßenbahnen und Bussen könnte die App aber versagen, wie eine Untersuchung aus Irland nahelegt.

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Tracing-Apps messen Abstände zu anderen Handies

Kontakt-Tracing-Apps, wie auch die deutsche Corona-Warn-App, beruhen auf der Messung der Abstände zu anderen Mobiltelefonen via Bluetooth. Durch das Aussenden und Empfangen solcher Funksignale soll dann bestimmt werden, ob und wie lange sich zwei Personen näher als zwei Meter gekommen sind. Ist einer dieser Menschen infiziert, können mögliche Kontaktpersonen über die App gewarnt werden und bei Risikokontakten einen Test auf SARS-CoV-2 durchführen lassen.

Zum Teil wurde aber auch angezweifelt, dass die Abstandsmessung in allen Situationen und Umgebungen genaue Ergebnisse liefert. Die irischen Forscher Douglas J. Leith und Stephen Farrell von der School of Computer Science & Statistics am Trinity College in Dublin wollten daher die Probe aufs Exempel machen. Sie untersuchten die Messgenauigkeit dreier europäischer Corona-Warn-Apps  in einer Straßenbahn, wie sie im Dubliner Nahverkehr und in vielen anderen europäischen Ländern genutzt wird.

Untersuchung in der Straßenbahn

Für die Untersuchung nutzten die Wissenschaftler eine modifizierte Kontakt-Tracing-App von Google und wendeten die Algorithmen dann auf die drei Corona-Warn-Apps aus Deutschland, der Schweiz und Italien an. Dazu nahmen sieben mit Smartphones ausgestattete Probanden Positionen in der Straßenbahn mit verschiedenen Abständen ein, wie sie nach Beendigung des Lock-Downs heute im Nahverkehr gang und gäbe sind. In den mit einem Wifi-Hotspot ausgestatteten Straßenbahnzügen sollten sie ihr Smartphone in der Hand halten und normalen Internet-Aktivitäten nachgehen. Des Weiteren wurden sie aufgefordert, den Sitz zu wechseln und das Smartphone auch mal in der Hosentasche zu verstauen. Auf diese Weise sollte das normale Verhalten im Zug möglichst realistisch nachgestellt werden.

Metallwände könnten Signalübertragung stören

Das ernüchternde Ergebnis: Die Bluetooth-Messungen erwiesen sich in der Straßenbahn als extrem unzuverlässig. Die Korrelation zwischen der empfangenen Signalstärke und dem tatsächlichen Abstand der Smartphones war nur gering. Angewandt auf die Corona-Warn-Apps aus Deutschland und der Schweiz bedeutete dies, dass sie im Ernstfall bei Kontaktpersonen mit geringem Abstand gar kein Alarm geschlagen hätten. Die italienische App erkannte zwar 50 % der Risikokontakte richtig, in den anderen 50 % gab es aber falsch positive Alarme. Um Risikopersonen herauszufischen, hätte man somit genauso gut eine willkürliche Auswahl zwischen den Fahrgästen auswählen können – ganz ohne Smartphone und Corona-App, schreiben die Autoren. 

Als Ursache der schwachen Leistung vermuten die Autoren die Metallwände der Bahn, die die Signalübertragung durch Reflektionen stören können. Dabei war die Versuchs-Straßenbahn ein in Europa weit verbreiten Modell. Eine Nachverfolgung von Kontakten sei dadurch unmöglich, was die Wichtigkeit der Maskenpflicht im Nahverkehr unterstreicht.

  1. D. J. Leith et al; Measurement-Based Evaluation Of Google/Apple Exposure Notification API For Proximity Detection In A Light-Rail Tram”, SCSS Tech Report 26. Juni 2020

Bildquelle: © gettyImages/blackCAT

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