28. Mai 2021

Thrombosen nach Impfung: Registerdaten aus Skandinavien berechnen das Risiko

Die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria erhöht nicht nur das Risiko für zerebrale Venen- und Sinusthrombosen. Registerdaten aus Skandinavien zeigen ein generell leicht erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien im Zusammenhang mit der Impfung, wobei das absolute Risiko aber insgesamt gering ist. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Redaktion: Maria Weiß.

Nach ersten Spontanberichten über Sinusthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Vaxzevria-Impfung, wurde die Verwendung dieses Impfstoffes in einigen europäischen Ländern gestoppt. Als Ursache der eher ungewöhnlichen Thrombosen wird heute eine impfstoffinduzierte immune thrombotische Thrombozytopenie (VITT) vermutet, bei der kreuzreagierende Autoantikörper die Bildung von Blutgerinnseln fördern.

Wenn ein solcher Pathomechanismus zugrunde liegt, wäre es schwer zu verstehen, warum nicht auch andere Gefäßgebiete betroffen sein können. Um dieser Frage nachzugehen haben Anton Pottegård von der Süddänischen Universität in Odense und seine Kollegen Krankenregister aus Dänemark und Norwegen ausgewertet. Diese Register gelten als sehr zuverlässig, da alle Impfungen und Erkrankungen der Einwohner erfasst werden.

Bis zum 11. März wurden in beiden Ländern 282.572 Personen mit Vaxzevria geimpft – danach wurde hier die Impfung mit diesem Impfstoff gestoppt. Ausgewertet wurden die Daten 206.894 Impflingen im Alter von 18 bis 65 Jahren, bei denen mindestens 28 Tage seit der Impfung vergangen waren.

In diesem Zeitraum wurden 59 Geimpfte aufgrund von Thrombosen und Embolien im Krankenhaus behandelt – 29 mehr als normalerweise in dieser Altersgruppe zu erwarten gewesen wäre. Dies entspricht einer standardisierte Morbiditätsrate (SMR) von 1,97, d.h. das Erkrankungsrisiko war nahezu verdoppelt. Das absolute Risiko war aber gering – bei 100.000 Impfungen war mit 11 zusätzlichen thrombotischen Ereignissen zu rechnen.  

Eine Erhöhung der SMR konnten die Forscher für Lungenembolien (SMR 1,79; 3,4 auf 100.000), tiefe Beinvenenthrombosen (SMR 1,47; 2,6 auf 100.000) und venöse Thrombosen in anderen Lokalisationen (SMR 1,99; 2,2 auf 100.000) feststellen. Auch das Risiko für Thrombozytopenien und Blutungen war nach der Impfung erhöht (SMR 3,57 bzw. 1,23). Ein Anstieg arterieller Thrombosen einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall wurde nicht nachgewiesen.

Unterm Strich überwiegen die Vorteile der Impfung die möglichen Risiken bei weitem, so das Fazit der Autoren.

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