01. April 2021

AstraZeneca-Impfstoff

Thrombosegefahr lässt sich nicht mit „Pille“ vergleichen

Der Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca steht im Verdacht, in Einzelfällen schwerwiegende Hirnvenenthrombosen verursachen zu können. Häufig wird hier zum Vergleich die „Pille“ herangezogen, die ebenfalls das Thromboserisiko erhöhen kann und trotzdem seit vielen Jahren eingesetzt wird. Wirklich vergleichen lassen sich die beiden Risikokonstellationen aber nicht.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Kurzfristiger Impfstopp

Bei den im Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung aufgetreten thrombotischen Ereignissen, die zum vorübergehenden Aussetzen der Verimpfung geführt haben, handelt es sich um Hirnvenenthrombosen in Zusammenhang mit einer Thrombozytopenie.

In Deutschland sind bei über 2 Millionen verimpften Dosen 13 solcher Fälle bekannt geworden, von denen drei tödlich verliefen. Statistisch ist das mehr, als normalerweise in der Bevölkerung zu erwarten gewesen wären.

Bei einem Teil der Betroffenen kam es auch zu den besonders gefürchteten Sinusvenenthrombose, die in schweren Fällen den gesamten Abfluss des Blutes aus dem Gehirn blockieren können. Ohne rechtzeitige Behandlung kann der Hirndruck dann unkontrolliert steigen, was tödlich enden kann.

Hormonelle Kontrazeptive differenziert betrachten

Auch einige hormonelle Kontrazeptiva können bekanntlich das Risiko für venöse Thromboembolien wie tiefe Beinvenenthrombosen, Armvenenthrombosen und auch Hirnvenenthrombosen erhöhen. Allerdings darf man hier nicht alle „Pillen“ über einen Kamm scheren: Nur unter Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten ist das Risiko erhöht – nicht aber unter der „Minipille“ als reinem Gestagenpräparat.

Bei den Kombinationspräparaten kommt es sehr auf das verwendete Gestagen an. Am höchsten ist das Risiko bei Präparaten mit Drospirenon, Gestoden oder Desogestrel – hier entwickeln 9-12 von 10.000 Frauen venöse Thrombosen (im Vergleich zu 2 von 10.000 Frauen ohne Einnahme der „Pille“).

Bei Verwendung von Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat ist das Risiko deutlich geringer (5-7 von 10.000). Hirnvenenthrombosen im Zusammenhang mit hormonellen Kontrazeptiva sind deutlich seltener – in den letzten 30 Jahren wurden nur 80 Fälle registriert.

Insgesamt wurden in der EU und Großbritannien etwa 18 Millionen Impfungen mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff durchgeführt. Berichtet wurden 18 Fälle von zerebralen Sinus- und Venenthrombosen (CVST) und 7 Fälle von disseminierter intravasaler Koagulopathie (DIC) (Stand 18.3.2021). Rein rechnerisch würde sich somit ein CVST-Fall auf eine Million Impfungen ergeben.

  1. Thrombose-Risiko – Antibabypille versus Astra-Zeneca-Impfung; Pharmazeutische Zeitung

Bildquelle: © gettyImages/ADragan

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