20. August 2021

Studie aus England

Klinische Merkmale der Impfstoff-assoziierten Thrombosen

Im Zusammenhang mit dem Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca wurde ein erhöhtes Thromboserisiko beobachtet, dass zur Einschränkung der Impfempfehlungen vor allem bei jüngeren Menschen geführt hat. 220 konsekutive Fälle von solch einer „Vakzine-induzierten immunogenen thrombotischen Thrombozytopenie „(VITT) wurden jetzt von Forschenden aus London, UK, in einer prospektiven Kohortenstudie ausgewertet.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Von einer VITT wurde bei folgenden fünf Kriterien ausgegangen:

  • Symptombeginn 5 -30 Tage nach der Impfung
  • Nachweis von Thrombosen
  • Thrombozytopenie (< 150.000 pro mm3)
  • erhöhter D-Dimer-Spiegel (> 4.000 Fibrinogen-Äquivalent-Units)
  • Nachweis von PF4-Antikörpern

Bei 170 der eingeschlossenen Patientinnen und Patienten galt die Diagnose VITT bei Erfüllung aller fünf Kriterien als gesichert, bei 50 als sehr wahrscheinlich. In allen Fällen waren die Symptome innerhalb von 5 bis 48 Tagen (im Mittel nach 14 Tagen) nach der ersten Impfstoff-Dosis aufgetreten. Das Alter der Betroffenen lag zwischen 18 und 79 Jahren (im Mittel 48 Jahre) – 56 % waren jünger als 50 Jahre und 85 % noch keine 60 Jahre. Frauen waren nur etwas häufiger betroffene als Männer (54 %) und es ließen sich keine besonderen prädisponierenden medizinischen Risikofaktoren feststellen.

Hohe Mortalität vor allem bei Sinusvenenthrombose

Insgesamt lag die Mortalität bei 22 %. Deutlich erhöht war das Sterberisiko bei Patienten mit zerebraler Sinusvenenthrombose (n= 102; OR 2,7). Auch besonders niedrige Thrombozytenzahlen, stark erhöhte D-Dimere und stark erniedrigte Fibrinogen-Spiegel gingen mit einer erhöhten Mortalität einher. In der Multivarianzanalyse erwiesen sich dann niedrige Thrombozytenzahlen zu Beginn (< 30.000/ml) plus intrakranielle Blutung als unabhängige Risikofaktoren für den Tod – die Mortalität lag hier bei 73 %.

Keiner der angewandten Therapien – einschließlich Antikoagulation und Glukokortikosteroide – erwies sich als besonders effektiv. Allenfalls ein Plasmaaustausch könnte in schweren Fällen hilfreich sein.

Die Inzidenz der VITT nach Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff wird bei Menschen unter 50 Jahren in Großbritannien auf 1 zu 50.000 geschätzt, dies stimmt in etwa mit den Zahlen aus anderen Ländern überein.  

  1. Sue Pavord et al; Clinical Features of Vaccine-Induced Immune Thrombocytopenia and Thrombosis; N Engl J Med (2021); DOI: 10.1056/NEJMoa2109908

Bildquelle: © gettyImages/cosmin4000

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