16. August 2021

SARS-CoV-2

STIKO empfiehlt Impfung für Zwölf- bis 17-Jährige

Die Ständige Impfkommission (STIKO) aktualisiert ihre COVID-19-Impfempfehlung und spricht nunmehr eine Impfempfehlung für alle 12- bis 17-Jährigen aus – der Beschlussentwurf ist heute Vormittag in das vorgeschriebene Stellungnahmeverfahren gegangen. Die Hintergründe im Überblick. 1,2

Lesedauer: 2,5 Minuten

Nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Beobachtungen und Daten komme man zu der Einschätzung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen”, teilte das Gremium am Montag mit und berief sich auf einen Beschlussentwurf. Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, Änderungen sind in einem Abstimmungsverfahren mit Bundesländern und Fachkreisen noch möglich.

„Diese Empfehlung zielt in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab”, erklärte die STIKO. Unverändert solle die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko durchgeführt werden. Man spreche sich “ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird”.

10 Millionen Kinder und Jugendliche bisher geimpft

Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden, erklärte das Gremium. Es verwies etwa auf nahezu 10 Millionen geimpfte Kinder und Jugendliche im amerikanischen Impfprogramm. Die bisherige Zurückhaltung hatte Stiko-Chef Thomas Mertens zuletzt mit unzureichenden Daten zur Sicherheit der Impfung bei Heranwachsenden begründet. Im Fokus standen vor allem die sehr seltenen, bevorzugt bei jungen männlichen Geimpften im Zusammenhang mit der Impfung beobachteten Herzmuskelentzündungen. Diese müssten als Impfnebenwirkungen gewertet werden, so die Kommission. Zwar wurden in der Mehrzahl der Fälle betroffene Patienten hospitalisiert, hätten jedoch unter der entsprechenden medizinischen Versorgung einen unkomplizierten Verlauf. Umgekehrt wiesen neuere Untersuchungen aus dem Ausland darauf hin, dass Herzbeteiligungen durchaus auch bei Covid-19-Erkrankungen auftreten. Weiterhin gäbe es “keine Signale für weitere schwere Nebenwirkungen nach mRNA-Impfung inbesondere bei Kinder- und Jugendlichen”.

Long-Covid & ansteckendere Delta-Variante

Zudem wiesen aktuelle mathematische Modellierungen bezüglich der derzeit dominierenden Delta-Variante auf ein für Kinder und Jugendliche deutlich höheres Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion in einer möglichen 4. Infektionswelle hin. Unsicher bleibe auch, ob und wie häufig Long-Covid bei Kindern und Jugendlichen auftritt.

Politik hatte STIKO wiederholt unter Druck gesetzt

Die STIKO war in den vergangenen Wochen wiederholt von verschiedenen Politikern aufgefordert worden, ihre vorsichtige Haltung zum Impfen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren zu überdenken. Das Gremium hat die Immunisierung in der Altersgruppe bislang vor allem jenen empfohlen, die bestimmte Vorerkrankungen wie Fettleibigkeit oder chronische Lungenkrankheiten haben – oder Menschen mit besonderem Corona-Risiko im Umfeld.

Auch ohne generelle Empfehlung waren bereits bisher auch bei Gesunden in der Altersgruppe Impfungen möglich – “nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz”. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag sind 24,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal gegen Corona geimpft und 15,1 Prozent vollständig.

Anfang August hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern bereits breitere Angebote für Kinder ab zwölf Jahren vereinbart – zum Corona-Schutz für den Schulstart nach den Sommerferien. Mit den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna sind in der EU zwei mRNA-Impfstoffe für diese Gruppe zugelassen. Für Kinder unter zwölf Jahren ist bislang kein Impfstoff verfügbar.

  1. Robert-Koch-Institut, 16.08.2021: Mitteilung der STIKO zur Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche
  2. dpa, 16.08.2021

Bild: © GettyImages/mikimad

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