28. Januar 2021

Stellungnahme der DGP

Tragen von FFP- und chirurgischen Masken für die Bevölkerung

Mit dem Beschluss vom 19.01.2021 ist die Bevölkerung verpflichtet in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften medizinische Masken zu tragen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) bezieht dazu Stellung.1

Lesedauer: 3 Minuten

Eigenschaften einer idealen Maske

Die wissenschaftliche Fachgesellschaft begrüßt die politische Entscheidung medizinische Masken in bestimmten Bereichen vorzuschreiben. Derzeit geht man davon aus, dass etwa 1000 Viren erforderlich sind, um eine Infektion auszulösen.2

Ein Mund-Nasen-Schutz (MNS) kann in Abhängigkeit seiner Filterleistung die Anzahl der in- und exhalierten Partikel reduzieren. Dies gilt allerdings nur für filtrierende Masken, nicht für Schutzschilde oder Visiere. Letztere leiten den Luftstrom lediglich um.

Eine Maske sollte zur bestmöglichen Sicherheit folgende Eigenschaften haben:

  • Hohe Filterleistung des Maskengewebes für respirable Partikel
  • Geringer Luftwiderstand des Maskengewebes
  • Guter Abschluss am Gesicht mit geringer Leckage bei Ein- und Ausatmung

Infektionsschutz durch FFP-Masken

Bislang gibt es nur wenige klinische Daten zur Effektivität von FFP-Masken für den Infektionsschutz des Trägers. Trotzdem sollte aufgrund der höheren Filtrationsleistung bei Kontakt mit SARS-CoV-2-Infizierten ein solcher Atemschutz erfolgen.

Dabei sollten nur nach der gültigen Norm (EN 149) geprüfte Masken verwendet werden. Eine Studie an einer Klinik hatte gezeigt, dass 33% der dort verteilten Masken die vorgegebene Filterleistungen z.T. deutlich unterschritten.3

Wiederverwendbarkeit von FFP-Masken

FFP-Masken verlieren ihre elektrostatischen Eigenschaften und somit einen Teil ihrer Filterleistung, wenn sie nass werden. Dies würde z.B. bei einem Waschvorgang passieren.

Eine aktuelle Initiative der Fachhochschule Münster empfiehlt daher das siebentägige Lagern von FFP-Masken an der Luft vor erneuter Wiederverwendung. Alternativ schlägt das Gremium eine Trocknung über 60 Minuten bei konstant 80°C im Backofen vor.4

Beide Verfahren werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine vitalen Viren auf der Maske belassen. Jedoch können sich bei der Nutzung der Maske auf deren Oberfläche auch Bakterien ansammeln, die mit den angegebenen Verfahren nicht zuverlässig zu beseitigen oder zu inaktivieren sind.

Nach Auffassung der DGP gibt es derzeit keinen hygienisch validierten und in der Breite durchführbaren Aufbereitungsalgorithmus, der eine benutzte FFP-Maske in ihren Ausgangszustand versetzt.

Chirurgische Masken nach EN 14683

Chirurgische Masken wurden ursprünglich entwickelt, um das Operationsfeld vor einer bakteriellen Verunreinigung durch den Operateur zu schützen. Durch den zweidimensionalen Zuschnitt der chirurgischen Masken entsteht in der Regel eine unsichere Abdichtung zum Gesicht hin.

Die einzige während der aktuellen Corona-Pandemie durchgeführte randomisierte Interventionsstudie zur Effektivität von chirurgischen Masken konnte keine Reduktion der Infektionsrate durch chirurgische Masken feststellen.5

Chirurgische Masken sind nach Einschätzung der DGP daher weniger gut geeignet, die Übertragung von Sars-CoV-2 von Mensch zu Mensch zu unterbinden.

Die wichtigsten Positionen der DGP

  1. Die DGP begrüßt grundsätzlich die Initiative der Regierung, den Infektionsschutz durch das Tragen qualitativ guter Masken zu verbessern.
  2. FFP-Masken und chirurgische Masken wurden zu anderen Zwecken entwickelt und stellen für den Eigen- und Fremdschutz der Bevölkerung gegenüber infektiösen Aerosolen einen Kompromiss dar.
  3. Community -Masken mit elektrostatischen Filtereigenschaften können die Filtrationsleistung einer FFP-Maske erreichen und könnten so eine wiederverwendbare Alternative darstellen.
  4. Alle Masken können bei falscher Handhabung (unzureichende Anpassung) und daraus resultierenden Leckagen erheblich an Filterleistung verlieren. Deshalb müssen Masken eng auf der Gesichtshaut anliegen. Auf Masken mit Exspirationsventil sollte verzichtet werden.
  5. Die dauerhafte Wiederverwendung und Wiederaufbereitung von FFP-Masken durch Ablagern oder Erhitzen auf 80 °C verhindert nicht die bakterielle Besiedlung und kann daher nicht als sichere Hygienemaßnahme empfohlen werden.
  6. Die DGP begrüßt die Neuentwicklung von Masken, die den Erfordernissen des Infektionsschutzes gerecht werden und für den breiten Einsatz in der Bevölkerung geeignet sind.
  7. Patienten mit Herz- und/oder Lungenerkrankungen sollten in Einzelfällen in Abhängigkeit vom Erkrankungsstadium mittels einer Blutgasanalyse oder Belastungsuntersuchung mit Maske evaluiert werden.

Die vollständige Stellungnahme, unter anderem mit Positionen zu Community-Masken, den technischen Anforderungen an die Masken und die besondere Bedeutung der Normen lesen Sie hier.

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