08. Januar 2021

SARS-CoV-2

So sicher sind die mRNA-Impfstoffe

Die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2- ist bisher eine Erfolgsstory: Die Schutzwirkung scheint hoch und in den zurzeit noch weiter fortgeführten Phase-3-Studien wurden bisher so gute wie keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. Allerdings scheinen allergische Reaktionen häufiger zu sein als bei herkömmlichen Impfstoffen.1

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Erste Berichte über anaphylaktische Reaktionen

Das Nebenwirkungsprofil der mRNA-Impfstoffe entspricht bisher den Erfahrungen mit anderen Impfungen: Ein Teil der Patienten klagt über vorübergehende Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle – wenige entwickeln für ein bis zwei Tage systemische Nebenwirkungen wie Fieber, Fatigue, Kopf- oder Muskelschmerzen.

In den Studien zu den mRNA-Impfstoffen von Pfizer/BioNTech und Moderna waren Personen mit allergischen Reaktionen auf Impfstoffkomponenten in der Vorgeschichte ausgeschlossen. Wie sieht es aber mit allergischen Reaktionen bei den jetzt in vielen Ländern angelaufenen Impfprogrammen aus?

In Großbritannien wurde der Pfizer/BioNTech-Impfstoff (Handelsname: Comirnaty) zuerst zugelassen. Bereits in den ersten zwei Tagen nach dem Impfstart bei medizinischem Personal und Hochbetagten wurden zwei Fälle von schweren anaphylaktischen Reaktionen bei zwei Frauen im Alter von 40 und 49 Jahre gemeldet. Bei beiden war eine schwere Nahrungsmittel- bzw. Medikamentenallergie bekannt und sie waren deswegen mit Adrenalin-Pens ausgestattet.

Kurz nachdem der Impfstoff auch in den USA zugelassen wurde, wurde ein dritter Fall einer anaphylaktischen Reaktion bei einer 32-jährigen Frau ohne schwere Allergien in der Vorgeschichte gemeldet. Keine dieser drei Personen wäre aufgrund ihrer Vorgeschichte von der Teilnahme an den Studien ausgeschlossen worden.

Inzidenz allergischer Reaktionen höher als bei herkömmlichen Impfstoffen

Inzwischen sind in den USA nach Impfung von fast zwei Millionen Menschen weitere Fälle anaphylaktischer Reaktionen bekannt geworden. Die Inzidenz solcher Reaktionen scheint bei dem Pfizer/BioNTech-Impfstoff etwa zehnmal höher zu sein als bei herkömmlichen Impfstoffen – etwa ein Fall auf 100.000 statt auf eine Million. Die Häufigkeit solcher Reaktionen bei dem Moderna-Impfstoff lässt sich aufgrund der Kürze der Zeit noch nicht beurteilen – Einzelfälle wurden aber auch hier bereits berichtet.

In Großbritannien wurden aufgrund der beiden Fälle alle Personen mit schweren anaphylaktischen Reaktionen auf Nahrungsmittel oder Medikamenten von der Impfung ausgenommen. In den USA gilt das für Personen, die schwere oder innerhalb von vier Stunden auftretende allergische Reaktionen auf einen der Inhaltsstoffe des Impfstoffs (einschließlich Polyethylenglycol und seine Derivate) gezeigt haben.

Die typischerweise einige Minuten nach der Injektion auftretenden anaphylaktischen Reaktionen sind potenziell lebensbedrohlich und erfordern ein sofortiges Handeln. An erster Stelle steht hier die Verabreichung von Adrenalin, das sich auch bei den bisher berichteten Impfstoffreaktionen als lebensrettend erwiesen hat.

Im Prinzip lassen sich anaphylaktische Reaktionen aber gut beherrschen, wenn sie rechtzeitig erkannt werden, und es sind dann keine negativen Folgen oder bleibenden Schäden zu erwarten. Trotzdem haben die Fallbericht Ängste in der Bevölkerung geschürt, die ohnehin schon mit einem neuen Impfstoff verbunden sind.  

Um diesen Ängsten entgegenzutreten, wird es notwendig sein, proaktiv Daten zu diesen Vorkommnissen zu sammeln. Nur so können kausale Mechanismen definiert und auslösende Inhaltsstoffe sowie möglicherweise besonders gefährdete Personenkreise erkannt werden.

Experten des Paul-Ehrlich-Instituts sowie der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) haben die Datenlage eingehend geprüft und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

  • Nach der derzeitigen Datenlage ist ein generell erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen für Personen mit vorbekannten allergischen Erkrankungen bei Impfung mit Comirnaty nicht abzuleiten.
  • Schwerwiegende Reaktionen im Zusammenhang mit der Impfung mit Comirnaty wurden beobachtet. Als mögliche Auslöser könnten der Wirkstoff oder Hilfsstoffe in Frage kommen. 
  • Es besteht in der EU nach derzeitigem Kenntnisstand keine Kontraindikation für Allergikerinnen und Allergiker oder Menschen mit Anaphylaxien in der Vorgeschichte. Sie können sich mit Comirnaty gegen Covid-19 impfen lassen. 
  •  Kontraindikationen sind dagegen eine bekannte Allergie auf Inhaltsstoffe des Covid-19-Impfstoffs sowie eine allergische Reaktion auf die erste Dosis. Dann sollte die zweite Dosis nicht geimpft werden.
  • Grundsätzlich soll jede Person entsprechend der europäischen Fachinformation nach der Impfung mindestens 15 Minuten beobachtet werden. 

  1. Mariana C. Castells et al. Maintaining Safety with SARS-CoV-2 Vaccines. NEJM 2020; DOI: 10.1056/NEJMra2035343

Bildquelle: © Getty Images/akinbostanci

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